Missbrauchs-Sonderausschuss in Belgien legt Arbeitsplan fest

Klarheit bis April 2011

Im April 2010 gestand Bischof Vangheluwe seinen Neffen missbraucht zu haben und entzündete in Belgien die Debatte über sexuellen Kindesmissbrauch durch Geistliche. Bis April 2011, ein Jahr später, will der neue belgische Aussschuss alle Missbrauchsvorwürfe untersucht haben.

 (DR)

Der Missbrauchs-Sonderausschuss des belgischen Abgeordnetenhauses will seine Anhörungen mit Vertretern von Opfern sexuellen Missbrauchs in der Kirche beginnen. Für die ersten Sitzungen seien unter anderem Opferverbände und Opferanwälte eingeladen worden. Daneben sollten auch Repräsentanten des Vereins "Menschenrechte in der Kirche" und der ehemalige Präsident der unabhängigen kirchlichen Missbrauchskommission, Peter Adriaenssens, gehört werden, berichteten belgische Medien.



Noch offen, ob katholische Würdenträger eingeladen ist

Zugleich sollten Organisationen eingeladen werden, die sich mit Missbrauch in Sportverbänden und in der Gesundheitsversorgung befassen. Auch Vertreter von Justiz, Polizei und Hilfsorganisationen sollen in den kommenden Wochen angehört werden. Ob, wie ursprünglich geplant, auch katholische Würdenträger eingeladen werden sollen, wurde zunächst nicht bekannt.



Der Missbrauchs-Untersuchungsausschuss hatte am Mittwoch seine erste nichtöffentliche Arbeitssitzung. Dabei sei auch beschlossen worden, von Justizminister Stefaan De Clerck und der Kirche die Vorlage aller Missbrauchsdossiers der letzten 50 Jahre zu verlangen.



Abschlussbericht bis Anfang April

Der Sonderausschuss will bis zum 7. April einen Abschlussbericht vorlegen. Er soll sich mit Kindesmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen befassen; dabei soll Missbrauch in der katholischen Kirche ein Schwerpunkt sein. Die Parlamentarier wollen unter anderem aufklären, ob die Justiz entsprechenden Vorwürfen stets korrekt nachgegangen ist.



Belgien wird seit Ende April von einer Debatte über sexuellen Kindesmissbrauch durch Geistliche erschüttert. Ausgelöst wurde sie durch den Rücktritt von Bischof Roger Vangheluwe von Brügge, der gestand, einen Neffen über Jahre missbraucht zu haben. Nach dem Abschlussbericht einer Untersuchungskommission kamen vor allem in den 1960er bis 80er Jahren sexuelle Übergriffe gegen Jugendliche in allen belgischen Diözesen und Orden vor.



Belgische Bischöfe diskutieren Opfer-Entschädigung

Die Bischöfe kündigten zunächst die Gründung eines "Zentrums für Heilung, Anerkennung und Versöhnung" möglichst bis Weihnachten an, verabschiedeten sich inzwischen jedoch wieder von dem Plan. Über eine mögliche Entschädigung der Opfer wird unter den Bischöfen offenbar weiter debattiert.