Räumte Fehler ein: Kardinal Godfried Danneels
Räumte Fehler ein: Kardinal Godfried Danneels

30.08.2010

Missbrauchsskandal geht weiter Gralssuche auf Belgisch

Turbulentes Wochenende im belgischen Missbrauchsskandal. Erst wurden in der Presse neue Vertuschungsvorwürfe gegen den pensionierten Brüsseler Kardinal Godfried Danneels laut. Und kaum hatten die Kirchen- und Justizberichterstatter Luft geholt, ließ der Fernsehsender VTM eine weitere Bombe platzen: Die Brüsseler Justiz habe die "Operation Kelch" von Ende Juni für illegal erklärt.

Damals untersuchte eine Spezialeinheit der Polizei auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft den Amtssitz des belgischen Primas und die Räume der kirchlichen Untersuchungskommission zu Missbrauch. Die in Mechelen versammelten Bischöfe wurden stundenlang festgehalten, Gräber in der dortigen Kathedrale auf der Suche nach "belastendem Material" aufgebohrt. Zahlreiche Dokumente und Datenträger wurden beschlagnahmt, darunter der private Rechner von Danneels. Der Kardinal wurde über mehrere Stunden von der Polizei als Zeuge vernommen. Kritiker sprachen schon von einer Neuauflage des "Da Vinci Code".

Die Kritik an der Razzia - auch von Seiten der Kirche - richtete sich weniger gegen die Tatsache von Ermittlungen selbst. Doch Opfer der Aktion waren vor allem die Missbrauchsopfer. Sie hatten sich unter der strengen Zusage von Vertraulichkeit an die kirchliche Untersuchungskommission gewandt: Nun lagen ihre Akten beim Staatsanwalt. Die Klage von 30 der Opfer, die Polizeiaktion für illegal zu erklären, scheint nun erfolgreich gewesen zu sein. Wäre dem so, erhielte die Kirche ihre Akten zurück.

Neuen, innerkirchliche Untersuchungskommission
Zwar steht eine Bestätigung der Brüsseler Justiz noch aus. Doch sprach sich Justizminister Stefaan De Clerck bereits am Samstag für die Einrichtung einer neuen, innerkirchlichen Untersuchungskommission aus. Sie solle, so der Minister, wieder unter der bewährten Leitung des Kinderpsychologen Peter Adriaenssens stehen. Das Vorgängergremium war aus Protest gegen die "Operation Kelch" und die Entblößung der Opfer zurückgetreten - und ohne die Zeugenaussagen fehlte der Kommission ja ohnehin eine materielle Arbeitsgrundlage.

Unterdessen lassen die Medien den in seiner Amtszeit so beliebten Kardinal Danneels nicht aus dem Visier. Am Wochenende zitierten die flämischen Zeitungen "Het Niewsblad" und "De Standaard" aus einem Tonbandmitschnitt, den der Neffe des zurückgetretenen Bischofs von Brügge, Roger Vangheluwe (73), nun veröffentlichte. Täter und Opfer - der Geistliche hatte seinen Neffen in den 80er Jahren über einen langen Zeitraum missbraucht - hatten den pensionierten Kardinal im Frühjahr um ein vermittelndes Gespräch im Haus der Familie gebeten. Danneels sagte zu - ein Fehler, wie er nun einräumt.

Eine Familienangelegenheit?
Das Opfer forderte damals offenbar den Rücktritt seines Onkels vom Bischofsamt. Doch der Kardinal schlug stattdessen vor, so zitieren die Blätter, mit einer Veröffentlichung der Vorfälle "besser bis zu einem Zeitpunkt im kommenden Jahr zu warten" - sprich bis nach Vangheluwes Pensionierung aus Altersgründen. Aus den Aufnahmen gehe eine Vertuschungsabsicht ohne Zweifel hervor, schreiben die Zeitungen. Dem widerspricht der Kardinal: Es habe sich dabei nicht nur um eine eminent wichtige kirchenpolitische Angelegenheit, sondern in dem Fall vor allem um eine Familienangelegenheit gehandelt, ließ er über seinen Sprecher mitteilen. Er habe lediglich versucht, alle möglichen Chancen für eine Versöhnung der beiden auszuloten.

Ob der Erklärungsversuch, er habe ein privates Gespräch nicht in die Öffentlichkeit tragen wollen, ebendieser Öffentlichkeit ausreichen wird, bleibt abzuwarten. Denn Missbrauchsbekämpfung im Land des verurteilten Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux ist eine Sache der lauten Töne. Da wird ein Pop-up-Fenster über eine Kunstausstellung, das eine Tageszeitung auf ihrer Kulturseite hinterlegt hat, schnell zur Schlagzeile "Kinderporno-Fotos auf dem Rechner des Kardinals". Und eine "Operation Kelch" zu einer Gralssuche mit dem Presslufthammer.

Alexander Brüggemann

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