Evangelischer Betroffenenbeirat bemängelt Aufarbeitung von Missbrauch

"Zu Unrecht nicht in der Kritik"

Ein Mitglied des Betroffenenbeirats der evangelischen Kirche hat die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt kritisiert. Die öffentlich genannte Zahl von 900 dokumentierten Missbrauchsfällen sei "nicht einmal die Spitze des Eisberges".

Akten in einem Archiv / © Julia Steinbrecht (KNA)
Akten in einem Archiv / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Gremiumsmitglied Katharina Kracht warf der evangelischen Kirche vor, "immer nur mit dem Finger auf die Katholiken zu zeigen". Gegenüber der "Kölnischen/Bonner Rundschau" (Samstag) sagte sie, die katholische Kirche stehe zu Recht in der Kritik "und die evangelische Kirche steht zu Unrecht nicht in der Kritik", sagte Kracht. Bei der Aufarbeitung liege sie weit zurück.

Kracht forderte eine unabhängige Ombudsstelle, die nicht mit Mitarbeitern der Kirche besetzt sein solle: "Die Kirche kann sich nicht sozusagen selber aufarbeiten." Der Betroffenenbeirat brauche zudem eine deutlich bessere Ausstattung und professionelle juristische Beratung.

Betroffenenbeirat kam erstamls im September zusammen 

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) untersucht ein unabhängiger Forschungsverbund in einer auf drei Jahre angelegten Studie Strukturen und Muster von sexualisierter Gewalt und Missbrauchsformen. Der Betroffenenbeirat kam erstmals im September vergangenen Jahres zusammen.

Die EKD hatte ihn berufen, um Opfer sexualisierter Gewalt in der Kirche an Vorhaben zur Aufarbeitung, Entschädigung und Prävention zu beteiligen. Das Gremium soll als Gegenüber den EKD-Beauftragtenrat zum Thema Missbrauch beraten, in dem Geistliche und Kirchenjuristen sitzen.


Quelle:
epd
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