Gräber auf einem Friedhof
Gräber auf einem Friedhof

18.02.2021

Weiter Debatten über jahrzehntealte Missbrauchsfälle in Sachsen Was passiert mit dem Priestergrab?

Der Umgang mit dem Fall eines vor 50 Jahren gestorbenen Priesters und Missbrauchstäters sorgt im Bistum Dresden-Meißen weiter für Unruhe. Offenbar gibt es bei den Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozessen "noch viel zu tun".

Das geht aus einer Stellungnahme des Bistums vom Mittwoch hervor. Es handle sich um ein "Lernfeld", heißt es in der Erklärung der Diözese. Zielführende Handlungsweisen müssten erst gefunden und entwickelt werden. Dem Bistum ist der Fall bereits mehr als zehn Jahre bekannt.

Im Zentrum steht der Geistliche Herbert Jungnitsch (1898-1971), der nach dem Zweiten Weltkrieg die Pfarrei in Heidenau bei Dresden aufbaute und sie bis zu seinem Tod maßgeblich prägte. Auf Eigeninitiative eines neuen Gemeindereferenten hatte der Aufarbeitungsprozess in der Gemeinde im vergangenen Jahr begonnen.

Bistum wusste länger von den Taten

Von Jungnitschs Taten wusste das Bistum schon länger. Es informierte im Juli 2010 über mehrere Missbrauchsfälle, unter anderem darüber, "dass ein 1971 verstorbener Pfarrer offensichtlich verbrecherische Handlungen an Mädchen begangen und ihnen damit schweren seelischen Schaden zugefügt hat".

Laut Angaben des Seelsorgerats der Pfarrei sind "Fälle sexualisierter und körperlicher Gewalt an mindestens vier Kindern bis hin zu schwerem sexuellen Missbrauch glaubhaft bekannt". Die Diözese betonte am Mittwoch, in Heidenau sei Schreckliches geschehen. "Das Bistum und die Pfarrei sind dankbar für alle Unterstützung in den Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozessen - hier ist noch viel zu tun."

Der Verwaltungschef des Bistums, Generalvikar Andreas Kutschke, erklärte: "Angesichts dessen, was sich in Heidenau ereignet hat, können wir nicht schnell mal etwas abarbeiten. Wann ein solcher herausfordernder und komplexer Aufarbeitungsprozess abgeschlossen ist, können wir nur gemeinsam mit den Betroffenen und der Gemeinde herausfinden."

Die "Sächsische Zeitung" (Dienstag), die unabhängig von den Bemühungen der Gemeinde den Fall nach einer mehrjährigen Recherche aufgerollt hatte, zitierte Betroffene, wonach vermutlich noch mindestens sechs Männer, alle aus der Gemeinde und teils im Kirchendienst, an den Taten beteiligt gewesen sein sollen.

Auf Anfrage erklärte das Bistum dazu: "Namen waren uns hierzu bislang nicht bekannt. Alle Akten des Bistums zu diesem Fall wurden im Jahr 2019 der Staatsanwaltschaft vorgelegt, um eventuelle neue Ermittlungsansätze festzustellen." Dem sei aber nicht so gewesen. "Aktuell haben wir die uns vorliegenden Sachverhalte, welche wir aus der Presse beziehungsweise Presseanfragen erhalten haben, zur Anzeige gebracht."

Wird das Grab eingeebnet?

Die Gemeinde will im Juni einen Informationsabend veranstalten, bei dem auch der Generalvikar und der Justiziar des Bistums zugegen sein sollen. Ferner ist geplant, im Zuge des Aufarbeitungsprozesses "zu einem geeigneten Zeitpunkt" das Grab des Täters eingeebnet werden.

Die bundesweite Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch" befürwortete die Initiative. Sprecher Matthias Katsch sagte dem Portal katholisch.de, es sei wichtig und bemerkenswert, dass die Pfarrei ihr offizielles Andenken verändere und an das Wissen um das verursachte Leid anpasse.

Karin Wollschläger
(KNA)

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