Symbolbild: Anwalt sortiert Akten
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22.01.2021

Erzbistum Berlin stellt Gutachten über sexuellen Missbrauch vor Strukturen aufdecken

Jetzt zieht auch das Erzbistum Berlin nach: Nach anderen katholischen Diözesen stellt auch das Erzbistum Berlin kommende Woche ein Gutachten über Fälle von sexuellem Missbrauch durch Seelsorger in seinem Bereich seit 1946 vor.

Es sind die Ergebnisse einer Untersuchung durch die Anwälte Sabine Wildfeuer und Peter-Andreas Brand der Kanzlei Redeker Sellner Dahs, wie das Erzbistum am Freitag ankündigte. Das Gutachten soll am 29. Januar vorgestellt werden.

Nach Angaben des Erzbistums hat die beauftragte Kanzlei "die Vorfälle sowie den Umgang damit innerhalb des Erzbistums anhand der vorliegenden Akten aufarbeiten". So gehe es darum, "Strukturen aufzudecken, die in der Vergangenheit sexuellen Missbrauch innerhalb des Erzbistums ermöglicht oder erleichtert und dessen Aufklärung und Ahndung erschwert haben".

Zudem sei zu prüfen, "in welchem Umfang - unabhängig von den Verfahren der staatlichen Justizbehörden - kirchliche Strafverfahren stattgefunden haben oder noch eingeleitet werden müssen".

Das Erzbistum hatte die Kanzlei im November 2018 damit beauftragt, die "Verdachtsmomente" bei Priestern, Diakonen und männlichen Ordensangehörigen im Bereich des Erzbistums zu überprüfen, die bei der MHG-Studie bekannt geworden waren.

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz hatte die Studie von Forschern aus Mannheim, Heidelberg und Gießen (MHG) für den Zeitraum von 1946 bis 2014 bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe durch mindestens 1.670 Priester und Ordensleute ermittelt. Die Zahlen erfassen nach Einschätzung von Experten nur einen Teil der Fälle.

Letzte Statistik aus dem Jahr 2019

Nach der vorerst letzten Statistik des Erzbistums Berlin zu diesem Thema lagen bis März 2019 insgesamt 86 Meldungen über Vorwürfe sexuellen Missbrauchs oder sexueller Übergriffe vor. Demnach wurden bis zu diesem Zeitpunkt 55 Geistliche beschuldigt, gegen 24 von ihnen seien zu Lebzeiten strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden. 33 beschuldigte Priester waren demnach bis März 2019 bereits verstorben.

Laut Erzbistum handelte es sich nicht in allen bekannt gewordenen Verdachtsfällen um Straftaten. In den Tatvorwürfen seien sowohl Grenzüberschreitungen unterhalb der Strafbarkeitsschwelle als auch Fälle von schwerem Missbrauch aufgeführt. Teilweise sei in Bezug auf einen Geistlichen ein Verdachtsfall gemeldet worden, teilweise hätten sich mehrere Opfer in Bezug auf denselben Beschuldigten gemeldet.

Dem Erzbistum Berlin gehören rund 400.000 Katholiken in Berlin, Teilen Brandenburgs und Vorpommern an.

(KNA)

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