Kerzen und Blumen vor einem geschlossenen und abgesperrten Geschäft in der Würzburger Innenstadt
Kerzen und Blumen vor einem geschlossenen und abgesperrten Geschäft in der Würzburger Innenstadt
Pfr. Burkhard Hose
Pfr. Burkhard Hose

26.06.2021

Seelsorger in Würzburg sucht nach Formen der Trauer "Es braucht Raum, den Gefühlen Ausdruck zu geben"

Die Würzburger Messerattacke am Freitagabend hat drei Menschen das Leben gekostet, mehrere Menschen sind verletzt, einige davon schweben in Lebensgefahr. Burkhard Hose schildert, wie eine Stadt dieses Geschehen verarbeitet.

DOMRADIO.DE: Wo waren Sie, als sich die Tat ereignet hat und als Sie es gehört haben?

Pfarrer Burkhard Hose (Katholische Hochschulgemeinde Würzburg): Ich hatte gestern einen Klausurtag mit dem Würzburger Flüchtlingsrat bei uns in der Hochschulgemeinde, das ist so knapp 10 Minuten vom Tatort entfernt.

DOMRADIO.DE: Was waren Ihre ersten Gedanken?

Hose: Wir haben zuerst Signale von Polizeiwagen gehört. Aber dann habe ich zwei Nachrichten von Freunden aus Berlin und aus Hamburg bekommen, die sich erkundigt haben, wie es mir geht. Und da wurde mir eigentlich bewusst, was sich ereignet hat.

DOMRADIO.DE: Wie ist das jetzt gerade mit den Menschen bei Ihnen in der Stadt, mit denen Sie im Austausch sind? Wie fühlen sie sich?

Hose: Gestern Abend war es schon so, gerade als ich dann nach Hause gelaufen bin, dass da eine ganz eigene Starre und auch Stille über der Stadt lag. Es war ja Freitagabend, eigentlich ein schöner Abend. Viele Menschen sehnen sich jetzt auch wieder danach, nach draußen zu gehen und sich zu treffen.

Es waren aber viel weniger Menschen in der Stadt und ich wohne direkt am Main. Es war eine ganz eigene und beklommene Atmosphäre. Ich habe dann auch für mich nach Formen gesucht, darauf zu reagieren und habe eine Kerze ins Fenster gestellt. Das haben dann – glaube ich – auch viele andere Menschen gemacht oder nach anderen Formen gesucht.

Das ist so das Erste, wenn eine Stadtgesellschaft getroffen wird. Ich habe ja niemanden persönlich verloren wie die Menschen, die ihre Liebsten verloren haben. Trotzdem gibt es so etwas wie einen kollektiven Schockzustand und auch eine Trauer. Und dafür braucht es einfach auch angemessene Formen.

DOMRADIO.DE: Sie sind als Seelsorger im Austausch mit den Menschen und sprechen mit ihnen über ihre Sorgen. Worauf kommt es da jetzt in dieser sehr schwierigen Situation an?

Hose: Zum einen waren ja auch Notfallseelsorger und Seelsorgerinnen relativ schnell vor Ort. Es ist ja eine sehr belebte Straße, ein Treffpunkt, wo auch viele Leute in Busse steigen. Es hat sich also nicht irgendwo in der Peripherie ereignet, sondern tatsächlich im Zentrum. Und von daher sind viele Menschen – glaube ich – auch davon berührt und betroffen gewesen, auch Augenzeugen.

Es braucht Raum, um sprechen zu können und erst einmal darüber zu sagen "Was habe ich erlebt? Wie geht es mir gerade?", dass Menschen damit nicht allein sind. Und da gibt es Gott sei Dank auch Angebote, ob Telefonseelsorge oder Notfallseelsorge, die da greifen. Das andere, was ich jetzt so erlebe, ist, dass jetzt schon Kerzen und Blumen an dem Ort abgestellt werden.

Ganz in der Nähe ist die Augustinerkirche. Die haben gestern schnell auch über die sozialen Netzwerke gesagt, dass ihre Kirche geöffnet ist, man kann da Kerzen anzünden. Es braucht einen Raum, um auch irgendwo dem, was da an Gefühlen ist, Ausdruck zu geben.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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