Todesanzeigen in der Zeitung
Todesanzeigen in der Zeitung
Erstellung von Todesanzeigen
Erstellung von Todesanzeigen

07.03.2020

Todesanzeigen werden gefühlvoller, witziger und individueller "Wir vermissen unser Frauchen"

Todesanzeigen von Katzen verfasst, Verstorbene auf Motorrädern und Hinterbliebene "in unendlicher Trauer": Nachrufe in Zeitungen werden einer Psychologin zufolge immer ausgefallener. Man denke nur an den Nachruf für Loriot.

"Lieber Gott, viel Spaß!" So lautete eine Todesanzeige für den 2011 gestorbenen Humoristen Vicco von Bülow, alias Loriot. Wer auf einen sympathischen Nachruf hofft, muss jedoch nicht den Witz zu seinem Beruf gemacht haben.

Humor, Gefühle und private Details kommen seit etwa 30 Jahren in Todesanzeigen vor, wie die Düsseldorfer Psychologin Margit Schröer festgestellt hat. Die Nachrufe werden immer individueller. Rund 40.000 Inserate aus dem gesamten deutschsprachigen Raum hat sie gesammelt. Zusammen mit der Palliativmedizinerin Susanne Hirsmüller hält sie regelmäßig Vorträge über das Thema.

"Unsere Queen Mom", "Danke für das Kind in dir", "Wir haben dich alle unendlich lieb" - mit gefühlvollen und individuellen Anzeigen wollten die Angehörigen sich selbst und den Toten noch einmal darstellen, erklärt Schröer: "Wir sind was Besonderes, der Tote war was Besonderes. Das ist die Botschaft."

Hinterbliebene nur mit Vornamen aufgelistet

Einer der Trends: Die Hinterbliebenen sind nur mit Vornamen aufgelistet und auch bereits Verstorbene oder noch nicht Geborene werden aufgezählt, als ob sie mittrauern könnten. "Man stellt sich nochmal als Familie dar", sagt Schröer. "Je mehr Hinterbliebene man aufführt, desto besser." Insgesamt verschiebe sich die Aufmerksamkeit weg von dem Verstorbenen hin zu den Trauernden. In manchen Anzeigen wird das sogar deutlich geschrieben: "Es gibt keinen Grund, um ihn zu trauern, nur um uns, weil wir ihn verloren haben."

Mit Formulierungen wie "in unendlicher Trauer" zeigen die Angehörigen öffentlich, wie tief der Schmerz sitzt - einerseits. Andererseits stellen die Expertinnen fest, dass bestimmte Formen gesellschaftlicher Trauer unbeliebt werden. Phrasen wie "Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen" weisen darauf hin.

Viele Menschen seien heute mit bewährten Wegen der Trauer nicht mehr vertraut, erklärt Hirsmüller. Christliche Rituale verlieren ihre Bedeutung, Kranke und Alte sterben nur noch sehr selten zuhause. Den ersten Todesfall erleben die meisten erst in ihren Vierzigern oder noch später. "Das treibt seine Blüten", sagt die Palliativmedizinerin.

Haustiere zählen zum Kreis der Trauernden

Ein weiterer Trend: Haustiere zählen zum Kreis der Trauernden. Einige Anzeigen werden sogar im Namen der Vierbeiner verfasst - Partner, Kinder oder Geschwister kommen gar nicht vor. "Unser Frauchen Moni ist tot. Wir vermissen dich sehr", heißt es zum Beispiel in einem Inserat mit stilisierten Katzenpfoten.

Hobbys spielen laut Schröer ebenfalls eine wichtige Rolle. So zeigten Traueranzeigen Motorräder, Wohnwagen oder Angler. "Das Hobby ist die Konstante im Leben", erklärt die Psychologin. Wohnorte und Ehepartner mögen wechseln - die Liebe zum Angeln bleibt.

Solche personalisierten Anzeigen kommen Schröer zufolge eher in Lokalzeitungen vor. Betuchte Familien, die etwa in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" inserieren, bevorzugen konventionelle Anzeigen.

Adlige legen Wert auf Tradition und wählen Formulierungen wie "Gott, dem Herren, hat es gefallen, unsere liebe Mutter aus diesem Leben abzuberufen".

Kryptisch gehaltene Todesanzeigen

Nicht häufig, aber immer wieder entdeckt Schröer kryptisch gehaltene Todesanzeigen. "Giacomo" steht da mittig auf weißem Grund, rechts oben das Wort "ewig". Keine Lebensdaten, kein Hinweis auf eine Trauerfeier. Hier stelle sich die Frage, warum die Hinterbliebenen überhaupt inserieren, sagt die Psychologin. "Aber das kann man nie ganz aufklären."

Nur selten wird nachgetreten. Ein verstorbener Philosophieprofessor sei vor einigen Jahren als "Personifizierung geistigen Hochmuts und menschlichen Versagens" bezeichnet worden, so Hirsmüller. "Ich glaube, der Angehörige hat danach viel Kritik bekommen."

Zwischen Tod und Verfassen der Anzeige haben die Hinterbliebenen meistens wenig Zeit. Die Expertinnen raten deshalb dazu, die eigene Todesanzeige noch zu Lebzeiten zu formulieren - vielleicht sogar gemeinsam mit der Familie. Das nehme den Druck und gebe allen Beteiligten die Möglichkeit, sich frühzeitig mit dem Sterben auseinanderzusetzen, sagt Schröer und zitiert den Schriftsteller Erich Kästner: "Liebe das Leben und denk an den Tod."

Anita Hirschbeck
(KNA)

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