Eingangsbereich des Recollectio-Hauses
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Speiseraum des Recollectio-Hauses
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Gemeinschaftsbereich des Recollectio-Haues
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...ins Recollectio-Haus
Recollectio-Haus

14.10.2019

Eine Frau übernimmt die Leitung des Recollectio-Hauses "Arbeitsbelastung und Frustration nehmen zu"

Die Psychologin Corinna Paeth übernimmt als erste Frau die Leitung des Münsterschwarzacher Recollectio-Hauses. Im Interview spricht sie über neue Angebote, Zielgruppen und die zunehmende Bereitschaft, über geistlichen Missbrauch zu sprechen.

KNA: Im Recollectio-Haus können sich kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter körperlich, psychisch und geistlich-spirituell sammeln, um sich für die Seelsorge zu stärken. Sie übernehmen als erste Frau die Leitung des Hauses. Wie wird man das spüren?

Dr. Corinna Paeth (Leiterin des Münsterschwarzacher Recollectio-Hauses): Ich hoffe, man wird es gar nicht spüren. Die Leitung soll genauso weitergeführt werden wie vorher auch. Ich bin dankbar, dass die Abtei und auch die Diözesen, die das Haus mittragen, so modern denken und das Vertrauen in mich setzen. Es ist eine sehr fortschrittliche Einstellung.

KNA: Und wie reagieren die männlichen Gäste des Hauses? Sie sind ja schon seit dreieinhalb Jahren im Recollectio-Haus tätig.

Paeth: Ich habe immer wieder erlebt, dass es zunächst einmal etwas Neues ist, eine weibliche Psychotherapeutin zu haben. Aber die männlichen Gäste haben sich schnell daran gewöhnt. Das nötige Vertrauensverhältnis hat sich relativ schnell entwickelt. Nach einer Eingewöhnungsphase von etwa einer Woche war es für die Gäste normal.

KNA: Das gesamte Team des Recollectio-Haus wird dann weiblich sein.

Paeth: Jein. Neu ist, dass wir dann drei Psychologinnen sind. Bislang waren mein Vorgänger Ruthard Ott und ich zu zweit, also ein Mann und eine Frau. Bei der zweiten Säule des Recolletio-Hauses ist das geistliche Team mit Patres aus der Abtei überwiegend männlich. Sie bleiben unsere Begleiter. Vor einem Jahr kam Schwester Angela als geistliche Begleiterin dazu. Unser Begleiter, Pater Meinrad Dufner, spricht immer von einem gotischen Fenster: Von der einen Seite kommt die Weiblichkeit, von der anderen die Männlichkeit. Und das stützt sich gegenseitig.

KNA: Die Zahl der Priester und der Ordensmitglieder geht zurück, auch die der kirchlichen Mitarbeitenden, also die Zielgruppe des Recolletio-Hauses. Was wollen Sie dagegen tun?

Paeth: Wenn man sich die Statistiken anschaut, stimmt das. Wir bekommen es aber noch nicht aktiv mit, ganz im Gegenteil: Die Arbeitsüberlastung, das Konfliktpotenzial, auch die Frustration in Bezug auf die Lebensform bei Geistlichen hat tendenziell eher zugenommen. Aber wir wissen, dass die klassische Zielgruppe sinkt.

Deshalb wollen wir uns jenseits der kirchlichen Mitarbeitenden für spirituelle Menschen öffnen. Sollten Plätze in den Kursen frei bleiben, können sie diese buchen. Natürlich erhalten die Mitarbeitenden der beiden Kirchen das erste Zugriffsrecht.

KNA: Gibt es denn weitere Einschränkungen?

Paeth: Es gibt spezielle Angebote für bestimmte Berufsgruppen, etwa der Kurs "Stärkung der Annahme meines Menschseins", der sich an Priester richtet. Der ist natürlich nicht offen für weltliche Interessenten.

KNA: Und gibt es auch Angebote für die neue Zielgruppe außerhalb der kirchlichen Mitarbeitenden?

Paeth: Wir wollen nächstes Jahr damit beginnen, neben unseren regulären Recollectio-Kursen auch Wochen mit ähnlichen Themen anzubieten. Die finden dann aber im Gästehaus der Benediktinerabtei statt. Da geht es dann etwa um Stressbewältigung oder Burn-out-Prophylaxe.

KNA: Wie unterscheiden sich diese von andereren Anbietern?

Paeth: Unsere Besonderheit sind die zwei Säulen: Die Psychotherapie reicht sich mit der spirituellen Begleitung die Hand. Das ist meines Wissens einmalig in Deutschland. Psychologen bieten zusammen mit geistlichen Begleitern Workshops sowie Gruppen- und Einzeltherapie an.

KNA: Im Moment wird auch viel über geistlichen Missbrauch gesprochen, also die spirituelle Abhängigkeit. Spielt das im Recollectio-Haus eine Rolle?

Paeth: Die Bereitschaft, darüber zu sprechen, hat zugenommen, gerade bei den Ordensfrauen. Man erfährt davon nicht mehr nur innerhalb des Therapieprozesses, sondern schon im Vorgespräch. Es kommt auch vor, dass die Gäste die Symptome zeigen, ohne sie benennen zu können. Die Folge von geistlichem Missbrauch kann sogar eine posttraumatische Belastungsstörung sein. Da geht es um immer wiederkehrende Erinnerungen, die man nicht kontrollieren kann, ein immer wieder auftretendes Anspannungsniveau, eine Nervosität und es gibt das Bedürfnis, vor etwas zu fliehen.

Wir geben dem Ganzen dann in der Begleitung einen Namen für seine Symptomatik. Wir entscheiden dann auch, ob wir der richtige Ort für die Behandlung sind, oder erst einmal ein stationärer Klinikaufenthalt nötig ist. Das kommt aber nicht so häufig vor.

Das Interview führte Christian Wölfel.

(KNA)

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