26.11.2018

Erzbistum Freiburg will palliative Versorgung verbessern "Begleitung von Sterbenden gehört zum Grundauftrag der Kirche"

Die Zeiten, wo ein Pfarrer selbstverständlich am Sterbebett vorbeikam, sind vorbei. Das Erzbistum Freiburg will mit einem "Palliative Care Forum" die Sterbebegleitung deshalb ausbauen – unter anderem mit ambulanten Palliativdiensten.

Die katholische Kirche im Südwesten will die Begleitung Sterbender in Kliniken, Pflegeheimen und Zuhause verbessern. Dazu haben Katholische Akademie Freiburg, der diözesane Caritasverband und das kirchliche Seelsorgeamt ein "Palliative Care Forum" gegründet. Die Initiative will eine Wertediskussion über die Chancen und Qualitätsmerkmale einer guten Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden anstoßen.

Angelaufen sind Pilotprojekte für eine bessere Palliativversorgung, beispielsweise in Pflegeheimen und durch ambulante Pflegedienste. Zum Start organisiert das Forum am Mittwoch in Freiburg unter dem Leitwort "Sterben geht uns alle an" eine Infotagung. Erwartet werden rund 200 ehrenamtliche und hauptberufliche Pflegekräfte, Mediziner, Seelsorger und zu Hause Pflegende.

Sterbekultur verändern

"Letztlich ist unser Ziel eine Kulturveränderung. Hin zu einer sorgenden Gemeinschaft, die den Tod nicht ausblendet, sondern ein würdiges, gutes Sterben ermöglicht", sagt Projektleiterin Verena Wetzstein. Dabei wollen Wetzstein und ihre Kollegin Jutta Link nicht das Rad neu erfinden, sondern das in den vergangenen Jahren gewachsene Bewusstsein für palliative Versorgung fördern.

Dabei meint "Palliative Care" die Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, beispielsweise Krebs oder Demenz. Neben der Schmerztherapie spielen auch die psychologische und spirituelle Begleitung von Patienten und ihren Angehörigen eine wichtige Rolle.

Im ersten Projekt des Palliative Care Forums kooperieren die Expertinnen mit einem Freiburger Pflegeheim. "Wir sprechen mit den Mitarbeitern, bringen Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen, um so die Qualität der Begleitung zu erhöhen", beschreibt Link. Ein entsprechendes Konzept, das Ehrenamtliche der Hospizbewegung einbezieht und die Bedürfnisse der Angehörigen in den Blick nimmt, könnte dann Modell für andere Einrichtungen sein.

Wie lange ist künstliche Ernährung sinnvoll? 

Ein ambulantes Palliativnetzwerk aus Singen im Landkreis Konstanz hat sich an das Forum gewandt, um Hilfestellungen bei der Entscheidung ethisch schwieriger Fragen am Lebensende zu erhalten: Wie lange ist künstliche Ernährung sinnvoll? Wie verhalten wir uns, wenn Patienten über die Schweizer Grenze schauen, wo ärztliche Suizidbeihilfe im Unterschied zu Deutschland legal ist? Das Forum bietet Orientierung an und greift dabei auch auf die Expertise eines Projektbeirats zurück, dem unter anderen Theologen und Mediziner angehören.

"Wichtiges Prinzip unseres Forums ist dabei, dass wir für alle Interessierten offen sind. Wir wenden uns bewusst auch an nichtkirchliche Träger", sagt Wetzstein. Und gleichzeitig ist die Theologin davon überzeugt, dass das christliches Menschenbild, Glaube und Spiritualität in der Begleitung Sterbender viel anzubieten hat. Dies soll auch über die Internetseite oder in Informationsveranstaltungen und Vorträgen deutlich werden.

Angestoßen durch Erzbischof Burger

In einem weiteren Projekt finanziert das Erzbistum daher auch drei Seelsorgerstellen für ambulante Palliativdienste. "Die Zeiten, wo ein Pfarrer selbstverständlich am Sterbebett vorbeikam, sind vorbei", sagt Wetzstein. Es gehe darum, neue Wege zu finden.

Angestoßen wurde die Initiative wesentlich von Erzbischof Stephan Burger. Er sieht die Begleitung Kranker und Sterbender als kirchlichen Grundauftrag. Das Forum habe das Ziel, "durch Impulsprojekte mit Modellcharakter Anstöße zu geben und Dialogangebote für eine Gesellschaft zu machen, die auch schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in einer sorgenden Haltung begegnet".

Volker Hasenauer
(KNA)

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