Malteser erfüllen Herzenswünsche
Malteser erfüllen Herzenswünsche
Michael Schäfers
Michael Schäfers

02.01.2018

Malteser Hilfsdienst zu Gewalt gegen Rettungskräfte "Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen"

Bundesweit sind in der Silvesternacht Sanitäter und Feuerwehrleute attackiert und zum Teil schwer verletzt worden. Der Malteser Hilfsdiensts rät dennoch zu einer zurückhaltenden Bewertung.

KNA: Waren die Malteser von der Gewalt zum Jahreswechsel auch betroffen?

Michael Schäfers (Leiter für die Rettungsdienste beim Malteser Hilfsdienst): Bei den Silvesterfeiern in Berlin wurden Rettungskräfte mit Schusswaffen bedroht. Wir sind dann als nachrückende Kräfte an den Einsatzort gerufen worden, mussten aber zum Glück nicht eingreifen.

KNA: Eine im November veröffentlichte Studie berichtete von bundesweit verstärkter Gewalt gegen Einsatzkräfte. Können Sie das für Ihren Verband bestätigen?

Schäfers: Ich rate da zu einer nüchternen Betrachtung. Bundesweit gibt es rund 12 Millionen Rettungsfahrten pro Jahr. 2016 kam es dabei zu 4.550 Anzeigen wegen Straftaten gegen Feuerwehr und Rettungsdienste. Statistisch gesehen ist das also ein sehr geringer Wert. Zugleich ist diese Zahl aber gegenüber 2015 um 17 Prozent gewachsen – ein wirklich signifikanter Anstieg. Es bleiben Einzelfälle, aber jeder Einzelfall ist natürlich einer zu viel. Und natürlich gibt es eine Dunkelziffer - insbesondere von Beleidigungen und verbalen Angriffen – die gar nicht angezeigt werden.

KNA: Können Sie solche Fälle beschreiben?

Schäfers: Da ist der Autofahrer, der dem Fahrer eines Einsatzwagens den Stinkefinger zeigt, weil der zum Schutz eines Patienten langsam fährt. Da wird ein Autofahrer nachts aggressiv, weil sein Parkplatz von einem Rettungswagen zugestellt ist. Da bewerfen Jugendliche die Einsatzfahrzeuge mit Flaschen und Steinen. Und da reißt ein alkoholisierter Patient einer Rettungssanitäterin Haare aus, während sie sich um ihn kümmert...

KNA: Spielen Drogen und Gewalt bei den Angriffen eine große Rolle?

Schäfers: Das spielt sicher eine Rolle. Aber es scheint auch so zu sein, dass der Grundwasserspiegel der Aggressivität gestiegen ist – wie man ja auch bei U-Bahn-Attacken in manchen europäischen Städten gesehen hat. Angriffe und Aggressionen kommen aus allen gesellschaftlichen Kreisen, ereignen sich nicht nur in Problemvierteln und unabhängig von der Herkunft der Täter. Sie sind nachts häufiger als tagsüber, ereignen sich häufiger an Wochenenden, Karneval oder Silvester als an normalen Tagen. Rettungseinsätze erfordern in der Regel schnelles und intensives Eingreifen beim Patienten; da bleibt oft wenig Raum für die Kommunikation mit Angehörigen oder Freunden. Deshalb können Missverständnisse und schwierige Situationen entstehen.

KNA: Trägt auch die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit dazu bei, dass mehr Taten angezeigt werden?

Schäfers: Das vermute ich stark. Die Sensibilität ist angestiegen – nicht nur in den Medien, sondern auch bei der Bevölkerung und den Helfern selber. Früher haben sie über Beleidigungen oder tätliche Angriffe häufiger mal hinweggesehen. Heute wird das zum Thema gemacht. Und wir Malteser befördern das auch und raten unseren haupt- und ehrenamtlichen Kräften, sich das nicht gefallen zu lassen.

KNA: Wie kann man gegensteuern?

Schäfers: Der Bundestag hat ja im vergangenen April zum besseren Schutz von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften die möglichen Strafen deutlich verschärft. Täter werden mit bis zu fünf Jahren Haft bedroht. Ich hoffe, das fördert die Einsichtsfähigkeit.

KNA: Spielt die verstärkte Aggressivität auch bei der Ausbildung eine Rolle?

Schäfers: Als eine der ersten Organisationen befassen wir Malteser uns mit dem Thema Gewalt gegen Rettungskräfte schon seit rund zehn Jahren und haben 2010 eine Studie in NRW dazu in Auftrag gegeben. Danach wurden Behinderungen und Beleidigungen von den Rettungskräften als Alltagserfahrungen beschrieben. Über 90 Prozent aller Befragten berichteten, öfter solche Erfahrungen gemacht zu haben. 63 Prozent gaben an, auch schon einmal tätlich angegriffen worden zu sein. Daraus haben wir ein dreistufiges Schulungssystem für Fortbildungen entwickelt. Zwei Module befassen sich mit verbaler und nonverbaler Deeskalation. Da geht es um mehr Kommunikation mit Patienten und deren Umfeld, aber auch darum, ob ich am Einsatzort Rückzugsmöglichkeiten schaffe, beispielsweise Türen zusperre oder offenlasse.

KNA: Und das dritte Modul?

Schäfers: Im dritten Modul lernen die Teilnehmer dann eine einfache Selbstverteidigungstechnik, die beispielsweise israelische Sicherheitskräfte anwenden. Wichtig ist: Es geht um Notwehr. Wir wollen niemanden zum Kämpfer ausbilden.

Christoph Arens
(KNA)

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