Eine Amsel auf einem Grabstein
Eine Amsel auf einem Grabstein

09.11.2017 - 00:00

Symposium zur Zukunft der Friedhöfe Gegen das "Friedhofssterben"

Auf deutschen Friedhöfen gibt es immer mehr freie Flächen. Auch in Zukunft wird weniger Platz zum Beerdigen benötigt, als heute insgesamt vorhanden ist. Ein Problem auch für Kommunen und Kirchen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Bestattungskultur in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Die Zahl der Feuerbestattungen nimmt weiter zu, auch Bäume als letzte Ruhestätte sind zunehmend gefragt. Das hat Auswirkungen auf die Friedhöfe. Denn der Trend hin zu den kleineren und damit günstigeren Urnengräbern führt auch dazu, dass weniger Platz auf den Friedhöfen benötigt wird.

Viele Flächen liegen brach. Für zahlreiche Kommunen, aber auch für die Kirchen ist das schon jetzt ein Problem.

Symposium zur Zukunft der Friedhöfe

Ein Symposium des Bundeslandwirtschaftsministeriums und des Julius Kühn-Instituts für Kulturpflanzen hat sich deshalb in Berlin mit der Zukunft von Friedhöfen beschäftigt. Dabei spielte vor allem die Bedeutung der Friedhöfe für das Stadtumfeld eine Rolle. Denn neben ihrer Funktion als Begräbnisstätten sind gerade in den Städten die oft großen Friedhofsflächen Bestandteil des Stadtgrüns. Nicht selten ähneln sie Park- und Gartenanlagen oder sind mit alten Baumbeständen bestückt.

Dies dürfe nicht verloren gehen, warnten Experten und forderten deshalb zum Handeln auf: "Wenn wir kein Update machen oder nicht über ein Update der Friedhöfe nachdenken, haben wir bald ein Relikt, das überflüssig ist", befürchtet der Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft, Klaus Neumann.

Vielfältige Gründe für "Friedhofssterben"

Die Gründe für das "Friedhofssterben" sind laut Neumann vielfältig. So spiele eine zunehmende Mobilität gerade in ländlichen Gebieten eine entscheidende Rolle. "Junge Leute ziehen dahin, wo sie Arbeit finden", so der Landschaftsarchitekt. Die Gräber von Angehörigen auf den Dorffriedhöfen könnten deshalb oft nicht mehr gepflegt werden.

Viele entschieden sich dafür, Steinplatten zu verwenden, deren Pflege weniger Arbeit mache. Urnengräber - eingelassen in eine große Rasenfläche -  bräuchten weniger Platz als das traditionelle Einzelerdgrab.

Zudem sind es die mit einer Bestattung verbundenen Kosten, die dafür sorgen, dass es immer mehr kleinere und günstigere Urnengräber gibt.

Alternative Bestattungsformen wie die sogenannte Diamantbestattung oder die seit 2015 in Bremen geltende Lockerung der Friedhofspflicht, wonach die Asche von Verstorbenen auf Privatgrundstücken und festgelegten öffentlichen Flächen verstreut werden darf, führen dazu, dass immer weniger Platz auf den Friedhöfen benötigt wird.

Über Nutzung nachdenken

Doch die Flächen der bundesweit knapp 32.000 Friedhöfe, von denen laut der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas rund 11.500 in kirchlicher Hand sind, einfach verkommen zu lassen, kommt für die Experten nicht infrage. "Wir müssen diese Flächen füllen und darüber nachdenken, wie wir sie nutzen können", so Neumann.

Der Trend zu kleineren und günstigeren Gräbern hat aber noch eine weitere Auswirkung: Er führt bei den Friedhofsbetreibern zu einem erhöhten Kostendruck, erklärte der Geschäftsbereichsleiter Grün der Stadt Wolfsburg, Götz Stehr. Deshalb seien etwa in Wolfsburg einige Friedhöfe aus der Trägerschaft evangelischer Kirchengemeinden an Kommunen abgegeben worden.

Lebensräume für bedrohte Arten schaffen

Eine solche Entwicklung betrachtet Reinhard Benhöfer von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover kritisch: "Wir dürfen die Friedhöfe auf keinen Fall aufgeben." Im Gegensatz zu den Kommunen hätten die Kirchen einen Verkündigungsauftrag. Auf die christliche Friedhofskultur dürfe nicht verzichtet werden: "Wir müssen uns fragen, was wir tun können, damit die Friedhöfe nicht pleitegehen."

Die hannoversche Landeskirche hat dazu das Projekt "Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen" ins Leben gerufen. Seit 2014 wird dabei an der ökologischen Aufwertung kirchlicher Friedhöfe gearbeitet. "Das ist eine riesige Chance, um Lebensräume für bedrohte Arten zu schaffen", so Benhöfer. So könnten freie Flächen etwa zu bunten Blumenwiesen werden. Das werte oftmals die Friedhöfe auch optisch auf und lade zum Verweilen ein. Das macht Hoffnung, denn 2014 ergab ein Forschungsprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dass Friedhöfe "eine ruhige Alternative zu stark frequentierten öffentlichen Parks" seien. Besucher nutzten die Stille auch, um zu lesen, zu walken oder sich auf Bänken zu sonnen.

Dana Kim Hansen
(KNA)

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