Frau im Gebet
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08.03.2017

Hildegardis-Verein fordert mehr Frauen in kirchlichen Führungspositionen "Sie stehen bereit"

An den Kirchenmauern scheint die Emanzipation weitgehend abgeprallt zu sein. Hinter den Altären und auf den Kanzeln stehen - je nach Konfession - mehrheitlich oder ausschließlich Männer. Das möchte der Hildegardis-Verein ändern.

domradio.de: Was streben Sie an? Frauen hinter den Altar?

Birgit Mock (Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins, familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken): Wir haben im Hildegardis-Verein ein Programm entwickelt, dass "Frauen in kirchlichen Leitungspositionen" heißt. Wir streben in der katholischen Kirche an, den Anteil von Frauen in katholischen Leitungspositionen deutlich zu erhöhen.

domradio.de: Sie bereiten Frauen auf kirchliche Leitungsaufgaben vor. Wie tun Sie das?

Mock: Wir führen ein Mentoring-Programm durch, was inzwischen in 14 katholischen Bistümern angekommen ist. Wir machen zentrale Seminare, Trainings, aber vor allem auch individuelle Begleitung, bei der Mentorinnen und Mentoren jungen Nachwuchskräften auf ganz konkrete Fragen Antworten bereithalten und ihnen zur Seite stehen. Es geht zum Beispiel um die Frage, wie die eigenen Führungsvorbilder aussehen. Welche Führungsqualität erwartet man als junge Nachwuchskraft von einer Führungsperson in der katholischen Kirche? Zudem geht es auch um die Frage, welche Führungsqualitäten man an sich selber weiterentwickeln möchte.

domradio.de: Seit über 100 Jahren unterstützt Ihr Verein die akademische Aus- und Weiterbildung von Katholikinnen. Es geht dabei besonders um die Steigerung des Anteils von Frauen in kirchlichen Führungspositionen. Wie erfolgreich sind Sie damit? Was hat sich verändert?

Mock: Eine Teilnehmerin in unserem Programm hat unlängst gesagt, wenn sie sich verändere, verändere sich alles. Insofern würde ich jetzt schon sagen, dass unser Programm aus meiner Sicht ganz außerordentlich erfolgreich ist, weil die jungen Frauen sich allein schon durch die Bewerbung in dem Programm in der Kirche sichtbar gemacht haben. Sie haben gesagt, hier sind sie und sie wollen in der katholischen Kirche Verantwortung übernehmen. Sie stehen bereit. Die jungen Nachwuchskräfte treten damit auch dem Vorwurf entgegen, es gebe gar keine Frauen, die man nehmen könne. Wir merken, dass dieses Programm systemisch wirkt, weil jetzt auch die Bistümer gefragt sind, was sie für eine Personalentwicklung haben, was sie für Leitlinien haben, wenn man über Führungskräfte spricht und wie eigentlich die Organisationskultur mit welchem Frauenbild aussieht.

domradio.de: Sie stehen auch in enger Kooperation mit 14 deutschen Bistümern und der Deutschen Bischofskonferenz. Wie stehen die Bischöfe zu diesem Thema?

Mock: Die deutschen Bischöfe haben sich diese Aufgabe selbst zu Eigen gemacht. Es gab im Jahr 2013 einen Studientag im Rahmen einer Vollversammlung in Trier, wo es genau um diese Fragen ging und wo am Ende eine Erklärung verabschiedet wurde, wo einer der fünf Verabschiedungspunkte lautete, dass man den Anteil von Frauen in kirchlicher Leitung deutlich erhöhen wolle. Insofern wissen wir die Bischofskonferenz an unserer Seite. Das ist im Grunde auch unser Erfolgsgeheimnis. Wir müssen dieses Projekt auch gemeinsam angehen. Es ist insgesamt im Sinne der katholischen Kirche, dass wir den Arbeitsplatz Kirche gerade auch für Frauen deutlich attraktiver machen.

domradio.de: Mitte Juni dieses Jahres organisieren Sie ein Frauenforum in Bonn. Da können sich führungsinteressierte Frauen aller Generationen treffen und sich die Frage stellen: Will ich persönlich eine Leitungsfunktion überhaupt anstreben? Viele Frauen sind da ja eher zurückhaltend, oder?

Mock: Ja. Das ist natürlich auch eine Frage, die sich die Frauen selber stellen können. Das ist vor allem aber auch eine Frage, die wir der Organisationskultur der Kirche stellen wollen. Ist die Kirche als Arbeitsplatz interessant für Frauen? Finden die Frauen das, was sie selber für eine solche Aufgabe suchen? Hier wollen wir die Organisationskultur und die interessierten Führungskräfte auch noch einmal zusammenbringen. Das ist ein generationsübergreifendes Treffen. Wir wollen auch explizit katholische Frauen als Führungskräfte einladen, die eben nicht in der Kirche arbeiten, sondern sich als Katholikinnen an anderen Orten unserer Gesellschaft führend einbringen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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