22.07.2016

Teresa Enke über Depression und Telefonseelsorge "Es wird wieder gut"

Fast sieben Jahre nach dem Suizid von Nationaltorhüter Robert Enke engagiert sich seine Witwe Teresa für die Telefonseelsorge. domradio.de traf sie beim Weltkongress der Telefonseelsorge in Aachen.

Sie frage sich, so Teresa Enke in Aachen, wie sie heute auf die Depression ihres Mannes reagieren würde. "Ich konnte Robert leider nicht retten", sagte sie bei dem Kongress, bei dem sich 1600 Telefonseelsorger am Freitag mit der Suizidprävention auseinandersetzten. Robert Enke, der damals bei Hannover 96 spielte, litt unter Depressionen und hatte sich am 10. November 2009 an einem Bahnübergang bei Hannover das Leben genommen.

Für sie sei es noch immer schwer, sich in eine Depression hinein zu fühlen, wenn Menschen morgens nicht mehr aufstehen könnten und keine Lebensfreude mehr hätten. Sie sei auch mal wütend auf ihren Mann gewesen und habe gedacht: "Du hast Dich einfach weggemacht und mich hier in diesem Chaos allein gelassen. Aber er war krank", sagte Teresa Enke. Der Tod ihres Mannes werde sie immer begleiten, bis zum Tod. "Aber es wird besser. Es wird wieder gut", sagte sie. Ihr gehe es heute gut.

Depression als Volkskrankheit

Es tue ihr um den Lokführer leid, der "diese Bilder" im Kopf habe. "Robert war jemand, der nie jemandem schaden wollte, aber er war verzweifelt", sagte die Frau im Gespräch auf einer Bühne mit Professor Frank Schneider, der auch Autor des Ratgeber-Buches "Depressionen im Sport" ist.

Man sollte gucken, dass man etwas Positives aus der Situation mache, sagte Enke. "Ich habe eine Tochter, die soll glücklich aufwachsen." Teresa Enke hatte nach dem Tod ihres Mannes die Robert-Enke-Stiftung gegründet zur Aufklärung, Erforschung und Behandlung von Depression als Volkskrankheit und im Sport sowie von Kinderherzkrankheiten. "Ich bin nicht allein. Da gibt es so viele Menschen, die sich engagieren", sagte die Frau, die sich auch für die Telefonseelsorge engagiert, weil dies ein sehr niederschwelliges Hilfsangebot sei. "Man kann anonym anrufen. Man kann sich öffnen, aber man muss sich nicht öffnen", sagte sie gegenüber domradio.de.

Angebot der Telefonseelsorge noch bekannter machen

Depression sei heute kein Tabuthema mehr. "Die Menschen reden offener darüber. In den Medien wird über Prominente berichtet, die darunter gelitten haben und wieder zurückgekommen sind. Es gibt aber natürlich auch Fälle, die uns alle sehr betroffen machen. Das ist aber bei anderen Erkrankungen auch der Fall. Nicht jeder, der Krebs hat, besiegt den Krebs. Das gehört dazu, da müssen wir uns nichts vormachen. Die Krankheit Depression kann zum Suizid führen." Aber, So Enke weiter, es gebe auch ganz viele positive Beispiele.

Für die Zukunft habe sie es sich zur Aufgabe gemacht, dabei zu helfen die Telefonseelsorge weiter auszubauen und noch bekannter zu machen. "Viele Menschen kennen diese Möglichkeit der Hilfe noch gar nicht. Und die Diskussion über diese Krankheit sollte noch mehr Präsenz in der Gesellschaft bekommen."

(DR, dpa)

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