Nach einem Burnout wieder Kraft tanken
Nach einem Burnout wieder Kraft tanken
Burnout-Gefahr bei Priestern
Burnout-Gefahr bei Priestern
Wunibald Müller
Wunibald Müller

23.04.2016

Leiter des Recollectio-Hauses geht in Ruhestand "Voll ins Schwarze getroffen"

Wenn Priester unter einem Burnout leiden, finden Sie im Recollectio-Haus in Münsterschwarzach Hilfe. Vor 25 Jahren hat der Theologe Wunibald Müller das Therapiezentrum gegründet. Nun geht er in den Ruhestand und zieht im domradio.de-Interview Bilanz.

domradio.de: Das Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach ist ein in Deutschland einmaliges Therapiezentrum für katholische Geistliche und Kirchenmitarbeiter. Ist das, was Sie sich vor 25 Jahren vorgenommen haben aufgegangen?

Wunibald Müller (Psychologe, Theologe und Leiter des Recollectio-Hauses): Ja, wobei es am Anfang Probleme gab. Aber wenn ich heute zurückblicke, kann ich sagen: Wir haben voll ins Schwarze getroffen. Wir haben gemerkt, dass ein Bedarf da ist, dass die Not da ist und die Männer und Frauen das Angebot des Recollectio-Hauses auch angenommen haben. Ich wusste am Anfang ja nicht, ob das der Fall sein wird.  

domradio.de:  Burnout wird heute nicht mehr als Tabu behandelt - das war vor 25 Jahren sicher noch ganz anders, oder?

Müller: Ja, richtig. Nach wie vor ist es heute manchmal immer noch ein Tabu. Manchmal etwa, wenn man von einem Burnout spricht, liegt in Wahrheit eine Depression vor. Heute sind die Männer und Frauen, die hierher kommen, viel motivierter und dazu bereit, zu ihrer Schwäche und Bedürftigkeit zu stehen. Vor 15 oder 20 Jahren war das noch nicht so.

domradio.de: Ein Seelsorger soll anderen Menschen helfen, stark im Glauben zu sein. Er soll es allen Recht machen. An diesem Anspruch scheitern aber viele und kommen dann mit ihren Problemen zu Ihnen. Wie sehr lassen heutige Seelsorgerinnen und Seelsorger zu, dass auch sie Menschen mit Stärken aber eben auch Schwächen sind?

Müller: Einfach bedingt durch die Tatsache, dass sie immer mehr merken, dass sie an ihre Grenzen kommen, dass sie auch für sich die Erfahrung gemacht haben, dass wenn sie zu ihrer Schwachheit stehen, dass dies auch eine Stärke sein kann. Ich habe den Eindruck, dass die Männer und Frauen, die in der Kirche tätig sind, dies öfter zulassen. Sie erkennen auch, dass sie in besonderer Weise gefährdet sind auszubrennen, weil sie oft sehr idealisierte Menschen sind und sich deswegen oft schwertun, sich abzugrenzen, wo es eigentlich notwendig wäre.

domradio.de:  Es sind ja auch Pfarrer und Diakone zu Ihnen gekommen. Wenn ein Priester seinen Glauben verloren hat oder gezweifelt hat - was konnten Sie dann in einem solchen Fall für ihn tun?

Müller: Zunächst einmal habe ich ihnen einen Raum angeboten, um darüber zu sprechen. Das ist ja auch tabuisiert. Und dann hab ich geschaut, was heißt es denn? Musst du dein Bild von Gott vielleicht überholen? Gibt es Schwierigkeiten in deinem Leben und du merkst: Das, was dich bisher mit Gott verbunden hat, trägt nicht mehr? Dann kann man dabei helfen, die Beziehung zu Gott wieder zu vertiefen und möglicherweise auch ein neues Bild von Gott zuzulassen.

domradio.de: Wie lange hat es eigentlich gedauert, bis die Bischöfe Ihre Arbeit akzeptiert und geschätzt haben?

Müller: Am Anfang gab es so grundsätzliche Vorbehalte. Geht Psychotherapie und Spiritualität zusammen? Wenn sich jemand mit Psychotherapie befasst, wird er dann nicht aufmüpfig oder ist das nicht kontraproduktiv für den Glauben? Aber je länger wir das Haus hier haben, desto mehr hat man hier auch die Erfahrung gemacht - auch seitens der Bischöfe - dass eine gesunde Spiritualität und eine gute Psychotherapie Arm in Arm miteinander gehen können.

domradio.de: Kommen denn die Seelsorger heute mit anderen Fragen und Problemen als noch am Anfang vor 25 Jahren?

Müller: Am Anfang waren es vor allem Themen, die mit Beziehungsproblemen zu tun hatten. Das Thema Zölibat spielte immer wieder natürlich eine große Rolle, und auch die Annahme der Homosexualität. Heute sind es neben den erwähnten Burnout-Symptomen auch die allgemeine Unzufriedenheit in der Kirche. Wie gehe ich damit um, dass es immer weniger Menschen gibt, die von mir als Priester etwas wissen wollen? Das macht natürlich auch etwas mit dem Selbstbewusstsein und dem Selbstwertgefühl der betreffenden Priester, Ordensleute und der kirchlichen Mitarbeiter. Das hat zugenommen in der letzten Zeit.

domradio.de: Sie gehen heute in den Ruhestand. Was sind Ihre Pläne für die kommenden Jahre? Ruhestand bedeutet für viele Menschen nicht unbedingt, dass sie weniger tun. Werden Sie noch mitmischen im Recollectio-Haus?

Müller: Vorerst nicht, weil ich denke, dass jemand, der das Haus gegründet hat, der muss mal für eine Weile weg sein vom Fenster. Auch damit meine Nachfolger ruhig arbeiten können. Ich werde weiterhin hier und dort Gespräche führen, Vorträge halten, Bücher schreiben und mehr Zeit haben für meine Frau und meine Familie.

Das Interview führte Dagmar Peters

(dr)

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