Gedenktafel für das Loveparade-Unglück
Gedenktafel für das Loveparade-Unglück

05.04.2016

Pfarrer: Prozessabsage für Loveparade-Opfer schwer zu ertragen Wunsch nach Gerechtigkeit

Für viele Angehörige und Überlebende der Loveparade-Katastrophe wird die Absage an einen Prozess schwer zu ertragen sein. Das glaubt der Notfallseelsorger und Pfarrer, Uwe Rieske.

"Denn ihr Bedürfnis nach Gerechtigkeit wird damit nicht erfüllt." Uwe Rieske ist Landespfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Helfer hätten in den Jahren nach dem Unglück von vielen Betroffenen das Bedürfnis gehört, dass es einen Prozess geben werde, in dem Verantwortung benannt werde.

Seelsorger: Juristische Aufarbeitung nur ein Baustein

Die Verarbeitung laufe für die Betroffenen auf verschiedenen Ebenen, sagte Rieske. "Der Weg der juristischen Aufarbeitung ist nur ein Baustein für den Weiterlebensprozess und für die Integration des Verlustes in das eigene Leben."

Rieske äußerte auch Zweifel an der heilenden Wirkung eines Gerichtsverfahrens: "Selbst wenn es jetzt zum Prozess gekommen wäre, weiß ich nicht, ob dieses Bedürfnis nach Gerechtigkeit am Ende erfüllt worden wäre."

Die landesweit tätigen Notfallseelsorger betreuten die Angehörigen noch zwei Jahre nach dem Unglück, anschließend wurde an die örtliche Duisburger Notfallseelsorge übergeben.

Kraft: Gerichtsentscheidung zu Loveparade schwer zu begreifen

Auch Hannelore Kraft (SPD) erklärte am Dienstag in Düsseldorf, der Beschluss des Duisburger Landgerichts bedeute für die Angehörigen, Familien und Freunde der Opfer zusätzliches Leid. Sie könne die Entscheidung des Landgerichts Duisburg "nur sehr schwer begreifen", keinen Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe zu eröffnen.

Kraft äußerte sich ausdrücklich als Privatperson und nicht als NRW-Ministerpräsidentin. Die Angehörigen hätten schon so viel Leid erlitten und erwartet, dass vor Gericht geklärt werde, "was geschehen ist und wer schuld ist", sagte die SPD-Politikerin. Nun aber rücke die Antwort auf diese Fragen erneut in weite Ferne.

Nach Krafts Worten hat die Staatsanwaltschaft Duisburg angekündigt, gegen den Beschluss des Landgerichts Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einzulegen. Auch das bedeute erneut mehr Zeit. "Das wird dazu führen, dass die Wunden weiterhin nicht heilen werden", sagte Kraft. Sie betonte, sie habe das "nicht als Ministerpräsidentin, sondern als Mensch" gesagt. Als Regierungschefin von NRW achte und wahre sie selbstverständlich die Unabhängigkeit der Justiz.

Gericht: Zentrales Gutachten mit Mängeln

Das Landgericht Duisburg hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass es die Anklage der Staatsanwaltschaft zum Loveparade-Unglück nicht zulässt. Das zentrale Beweismittel, das Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still, weise "gravierende inhaltliche und methodische Mängel" auf, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier Mitarbeitern der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Bediensteten der Stadt Duisburg unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Bei dem Techno-Festival am 24. Juli 2010 waren 21 Menschen bei einer Massenpanik im Tunnel eines ehemaligen Güterbahnhofes ums Leben gekommen, über 500 wurden verletzt.

 

(dpa, epd)

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