Auf dem Alten Friedhof in Bonn
Auf dem Alten Friedhof in Bonn

21.10.2015

Initiative will Unesco-Status für deutsche Friedhofskultur Nicht irgendeine Arbeit

Bestatter, Steinmetze, Verwalter - Friedhöfe sind Arbeitsplätze für viele Berufsgruppen. Sie wollen die deutsche Friedhofskultur nun als Welterbe eintragen lassen. Die Bewerbung bei der Deutschen Unesco-Kommission läuft.

Eine Rose auf Marmor, leuchtend rot vor dem hellbraunen Hintergrund, neben ihr ein Todesdatum: 20. Januar 2001. Dieses Bild findet sich auf dem Internetauftritt der "Initiative Kulturerbe Friedhof", der seit kurzem abrufbar ist. Das Ziel: Die Initiative möchte die deutsche Friedhofskultur auf die Unesco-Liste des Immateriellen Welterbes bringen. Ende der kommenden Woche endet die diesjährige Bewerbungsfrist - und Sprecher Tobias Pehle ist "sehr optimistisch", was die Aufnahme angeht.

Die Deutsche Unesco-Kommission (DUK) äußert sich im laufenden Verfahren nicht zu den Chancen einzelner Bewerber. Mit einem Überblick rechne man im November, hieß es. Die deutsche Liste des Immateriellen Erbes umfasst bislang 27 lebendige Kulturformen wie Brotbacken, den Orgelbau oder die Morsetelegrafie. Ergänzend zu den berühmten Welterbestätten geht es hier darum, Alltagskulturen und -traditionen zu erhalten. Weltweit fördert die Unesco ihren Erhalt seit zwölf Jahren.

Gesellschaftliche Wertschätzung für die Friedhofskultur

Das Verfahren ist zweistufig: Jedes Land baut ein Verzeichnis auf, im nächsten Schritt können Vorschläge für die weltweite Unesco-Liste eingereicht werden. Frühestens Ende 2016 kann die erste deutsche Tradition zum internationalen Kulturerbe eingetragen werden. Kommende Woche stellt die Hamburger Initiative ihr Anliegen auf dem Ohlsdorfer Friedhof vor, dem größten Parkfriedhof der Welt. Der Antrag bezieht sich jedoch nicht auf einzelne Orte, sondern darauf, "was wir Menschen tun", erklärt Pehle. Die Initiative wolle "eine gesellschaftliche Wertschätzung" für die Friedhofskultur erlangen. Bis zum 30. Oktober soll die Bewerbung über die Hamburger Kulturbehörde eingereicht werden.

Dafür haben sich mehrere große Verbände zusammen getan: der Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands, der Bundesverband deutscher Bestatter mit dem Kuratorium deutsche Bestattungskultur, der Verein zur Förderung der Friedhofskultur, der Verband deutscher Natursteinverarbeiter sowie der Bund deutscher Grabmalhersteller. Zahlreiche weitere Vereine, Innungen und Genossenschaften unterstützen die Bewerbung, darunter der Arbeitskreis Friedhof und Denkmal, zu dem das Kasseler Museum für Sepulkralkultur gehört.

Man wolle ein Zeichen setzen, "dass auf Friedhöfen nicht irgendeine Arbeit geleistet wird", so Pehle. Das Immaterielle Erbe umfasst Sitten und Bräuche, gestalterische und handwerkliche Tätigkeiten. "All das geschieht auf Friedhöfen", meint Pehle. Zudem gehörten die Gottesacker zu den meistbesuchten Grünflächen in Deutschland.

Ziel: Aufwertung der Erinnerungskultur

Wie Friedhöfe Menschen bewegen und Gesellschaft prägen könnten, werde kaum gesehen. «Über Friedhöfe wird viel gesprochen, aber oft in negativen Zusammenhängen: Sie seien teuer und würden viel Arbeit machen», so fasst Pehle die Beobachtungen aus der Gruppe zusammen. Für neue Ideen und Entwicklungen brauche es jedoch mutige Initiativen - jenseits von Streuwiesen und Urnenwäldern, die den klassischen Friedhof eher gefährdeten.

Insofern geht es der Initiative auch um eine Aufwertung der Erinnerungskultur. Der Begriff "Land der Dichter und Denker" spiele beispielsweise auf Künstler an, deren Werke das kulturelle Selbstbild der Deutschen prägen, heißt es in ihrem Antrag. "Die Erinnerung an diese Menschen lebt im besonderen Maße auf den Friedhöfen - wie die vielen Besuche der berühmten Gräber täglich aufs Neue belegen."

Auch die Gedenkkultur, die Rückbesinnung jedes Einzelnen auf die eigenen Vorfahren, trage zu dieser identitätsstiftenden Wirkung von Friedhöfen bei, betont Pehle. Dies spiegele sich beispielsweise in Feiertagen wie Allerheiligen, an denen das gesamtgesellschaftliche Gedenken eine zentrale Rolle spiele. Zugleich erklärt der Sprecher, dass die Auszeichnung als kulturelles Erbe den Friedhof nicht romantisieren solle. "Sie könnte allerdings signalisieren, dass Friedhöfe voller Leben stecken - auch kulturellem Leben."

Paula Konersmann
(KNA)

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