Vor 200 Jahren, am 16. August 1815, wurde Don Bosco geboren
Vor 200 Jahren, am 16. August 1815, wurde Don Bosco geboren
Bischof Stefan Oster
Bischof Stefan Oster

16.08.2015

Bischof Oster zum 200. Geburtstag Don Boscos "Unbedingte Wertschätzung für jedes Menschenleben"

Am 16. August 2015 feiert die katholische Kirche den 200. Geburtstag von Don Bosco. Einen ganz persönlichen Bezug zu ihm hat der Bischof von Passau, Stefan Oster. 1995 schloss er sich den Salesianern Don Boscos an.

domradio.de: Was hat Sie dazu bewegt, sich den Salesianern anzuschließen?

Bischof Stefan Oster:  Das stand im Zusammenhang mit einer grundsätzlichen Wegsuche und der Frage: Was bedeutet mein eigenes Leben unter den Augen Gottes? Ich habe dann Don Bosco entdeckt und seine Art, mit jungen Menschen umzugehen und sie zum Glauben zu führen. Das hat mich so angesprochen, dass ich mich entschieden habe, Salesianer zu werden.

Domradio.de: Was genau an seiner Biografie hat Sie so beeindruckt?

Bischof Oster: Den Impuls, das Buch zur Hand zur nehmen, gaben mir Erinnerungen an meine Zeiten, die ich mit jungen Menschen erlebt habe. Ich war schon 30 Jahre alt, und dann war die erste Geschichte, die ich las, dass Don Bosco als junger Mensch ein Gaukler war und Zirkuskunststücke vorgeführt hat. So hat er junge Menschen dann zum Gebet geführt. Ich dachte mir, das ist ja eigenartig, weil ich damals selbst als Gaukler unterwegs war und mir einen Teil meines Studiums so verdient habe. Und dann habe ich diese Biografie in einem durchgelesen und wusste gewissermaßen innerlich, wohin ich gehöre.

domradio.de: Haben Sie noch mehr Parallelen gefunden?

Bischof Oster: Ja, ich hatte vorher Philosophie studiert und mich immer für die Anthropologie interessiert, also die Frage nach dem Menschen. Was prägt einen Menschen, was bedeutet reifes Menschsein? Und wie hängt das mit unserem Glauben zusammen, mit dem, was Jesus zum Beispiel über die Kindheit sagt? Gleichzeitig habe ich immer viel mit jungen Leuten zu tun gehabt und habe auch beobachtet, dass junges Leben gefährdet ist. Mein eigenes war es ja auch. Ich war ein risikobereiter, junger Mann, und das hätte durchaus auch schief gehen können. Und dieses Menschenbild dahinter und die Art und Weise, mit jungen Menschen umzugehen und sie zu begleiten, das hat mich sehr tief berührt.

domradio.de: Don Bosco wird der Ausspruch zugeschrieben: "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!" Er ist weit mehr als ein netter Satz fürs Poesiealbum. Was steckt dahinter?

Bischof Oster: Wir wissen gar nicht, ob der Satz wirklich von Don Bosco ist. Ich habe ihn auch schon irgendwo gelesen, und es stand Martin Luther drunter. Aber grundsätzlich passt es natürlich zur Lebensart Don Boscos. Es gibt einen alten Satz aus der Philosophie: "Das Tun folgt dem Sein": Gewissermaßen führt die innere Freude aus dem Glauben, aus der Verbundenheit mit Jesus dazu, dass man sein Handeln ändert, also fröhlich ist, Gutes tut und die Spatzen pfeifen lässt. Und der andere Aspekt ist: Wenn man den eigenen Weg verfolgt unter den Augen Gottes, ist das nicht immer nur Spaß. Don Bosco musste viele Anfeindungen in seinem Leben ertragen. Es gab Menschen, die wollten ihn ins Irrenhaus bringen, weil er anders mit jungen Menschen umging, als der Rest des Klerus. "Die Spatzen pfeifen lassen", das klingt sehr nett, aber einen inneren Abstand zu bekommen, zu sagen: "Ich gehe diesen Weg, den ich als wahr und richtig erkannt habe, weiter, und lasse die anderen reden." Das ist schon eine große Herausforderung.

domradio.de: Was war denn das Besondere an der Pädagogik Don Boscos?

Bischof Oster: Don Bosco hat keinen jungen Menschen für schlecht, verdorben oder verloren betrachtet. Sein Versuch war es immer, in jedem, auch dem scheinbar am meisten verkommenen oder verwahrlosesten Jugendlichen, zu spüren, wo er gut ist. Und dann fragte er: Wo kann ich das Gute wertschätzen, und wie können wir ihn darin bestärken und wachsen lassen? Also diese unbedingte Wertschätzung für jedes Menschenleben, für jeden jungen Menschen, das war schon herausragend. Er entfaltete eine Pädagogik, die den jungen Menschen zuerst mit Liebe und Güte begegnen wollte und nicht, wie es damals üblich war, mit der Androhung von Strafen und Repressionen.

domradio.de: Haben Sie selbst solche Vorbilder gehabt?

Bischof Oster: Ich habe tatsächlich immer Menschen erleben dürfen, die es gut mit mir gemeint haben, die Vertrauen in mich gesetzt haben. Es ist ja manchmal so, dass einer, der zu einem jungen Menschen ein gutes Verhältnis hat, in ihm etwas sieht, was der junge Mensch selbst noch nicht sieht. Und wenn man dann jemanden hat, der sagt: Probier das mal, ich glaube, du kannst das! Und man probiert es dann, und im Gehen des Weges oder im Tun entdeckt man dann tatsächlich, das hat etwas mit mir und meinem Leben zu tun, dann sind das wunderbare Erfahrungen.

domradio.de: Als zweitgrößte Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche sind die Salesianer Don Boscos heute in 132 Ländern aktiv. Gibt es ein Projekt, das Sie am meisten beeindruckt?

Bischof Oster: Ich habe einen Mitbruder, Lothar Wagner. Er ist nach Sierra Leone gegangen, in eines der schwierigsten, ärmsten und korruptesten Länder der Welt: Dort wütet bis heute die Ebola-Seuche, und er ist da mit seinem ganzen Einsatz dort und kümmert sich zurzeit vor allem um Ebola-Opfer und um die Prävention. Jetzt scheint die Seuche einigermaßen überstanden zu sein, und es geht um die Aufräumarbeiten, auch die seelischen: Viele Kinder und Jugendliche sind traumatisiert, sie haben die Krankheit selbst überstanden oder ihre Eltern verloren. Da gibt es viele Wunden. Und darüber hinaus kümmert er sich um Straßenkinder, um Mädchen, die in die Prostitution gezwungen werden, oder andere junge Menschen in Notlagen. Das ist wirklich ein sehr beeindruckendes Projekt. Und ein sehr beeindruckender Mensch.

domradio.de: An diesem Sonntag wird der 200. Geburtstag von Don Bosco gefeiert. Welche Botschaft sollte von dem Jubiläum ausgehen? 

Bischof Oster: Ich wünsche mir, dass Kinder und Jugendliche wieder in den Blickpunkt kommen als diejenigen, die die Zukunft unserer Gesellschaft sind, und dass wir die Themen Bildung, Ausbildung und Zuwendung unter ökonomischem Druck nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Ich habe auch meine Not, wenn es darum geht, Mütter, Frauen, so schnell wie möglich in den Produktionsprozess einzubinden. Die Tiefenpsychologie, die Bindungstheorie, alle wissen, wie wichtig es ist, dass kleine Kinder möglichst lange bei der Mutter sind und aufwachsen. Dass man gewissermaßen für junge Menschen Verhältnisse schafft, in denen sie ein normales Leben führen, gut aufwachsen können und Begleitung finden von Menschen, die es gut mit ihnen meinen und ihnen einen Weg in den Glauben eröffnen.

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

(dr)

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