Depression rechtzeitig erkennen
Depression rechtzeitig erkennen

29.01.2015

Caritas kann bei Anzeichen auf Depression Rat geben Alarmsignale erkennen

Depressionen sind auf dem Weg zur Volkskrankheit. Von 2000 bis 2013 nahmen die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen um fast 70 Prozent zu. Noch sind viele Fragen zu den Ursachen ungeklärt. Die Caritas hilft mit ihren Angeboten.

Nur niedergeschlagen oder schon depressiv? Der Übergang von einer ständigen psychisch-seelischen Belastung wie Stress zu einer Erkrankung mit einer deutlich körperlichen Komponente ist offensichtlich fließend. Behandelt werden die Patienten von Medizinern und Psychologen denn auch sowohl mit direkt auf den Körper wirkenden Medikamenten (Antidepressiva) als auch mit auf Seele und Geist wirkender psychotherapeutischer Betreuung.

Dieser fließende Übergang ist denn auch schwer zu greifen. Das könne durchaus dazu führen, dass der eine oder andere eine Depression diagnostiziert bekomme, obwohl er gar nicht krank, sondern einfach nur traurig ist, erläutert der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, bei der Vorstellung des TK-Depressionsatlasses. Demnach ist die Zahl der Fehltage im Job wegen Depressionen von 2000 bis 2013 um rund 70 Prozent gestiegen.

Zweithäufigster Grund für Krankschreibungen

Für 2013 verzeichnete die Kasse fast 4,3 Millionen Fehltage aufgrund chronischer Depressionen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland entspricht dies laut "Depressionsatlas" mehr als 31 Millionen Tagen. Nach Erkältungen seien Depressionen demnach der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen.

Die Diagnostik sei zwar inzwischen besser geworden, sagt Baas. Allerdings habe man immer noch ein bisschen Bauchschmerzen bei der Qualität der Diagnosen. Gerade die Befunde zu psychischen Problemen aus dem hausärztlichen Bereich müssten zumindest mal hinterfragt werden.

Anlaufstelle Caritas

Schlecht gestimmt ist jeder einmal. Doch wenn schöne Erlebnisse nichts an der gedrückten Stimmung ändern, das Aufstehen zur Qual wird und das Leben sinnlos scheint - dann könnte das eine Depression sein. Der Deutsche Caritasverband nennt in einer Checkliste die häufigsten Alarmsignale für Depressionen. Wer sie bei sich feststellt, sollte einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufsuchen.

Wer an einer langandauernden psychischen Erkrankung leidet, kann sich beim Sozialpsychiatrischen Dienst des Caritasverbandes in seinem Kreis oder seiner Stadt melden. Dort beraten Fachleute, die auch den Kontakt zu weiteren Hilfsangeboten der Caritas und anderer Träger herstellen. Bei Stress mit dem Vermieter oder der Agentur für Arbeit bemühen sie sich ebenfalls um eine Lösung.

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, ist  gelernter Mediziner. Er verweist zur Definition von Depressionen auf neueste Klassifikationen der amerikanischen psychiatrischen Gesellschaften. Danach fällt zum Beispiel Traurigsein zwei Wochen, nachdem ein naher Angehöriger gestorben ist, schon unter die Rubrik "psychiatrische Erkrankung".

Depressionen kommen häufig nach belastenden Erlebnissen wie dem Verlust eines Angehörigen oder Beziehungsproblemen auf. Auch einschneidende Veränderungen wie die Pensionierung können ein Auslöser sein - jeder kennt solche Fälle in seinem persönlichen Umfeld. Und gerade weil die Erkrankung nicht als körperliche wie Magengeschwüre oder Herzinfarkt zu erkennen ist, wird sie sehr häufig unterschätzt.

Besonders häufig betroffen sind Callcenter-Agenten und Altenpfleger

Weil viele Fragen offen sind, sei auch nicht eindeutig erkennbar, weshalb gerade Callcenter-Agenten, Altenpfleger, oder Erziehungs- und Sicherheitsmitarbeiter besonders häufig in Depressionen verfallen. Dagegen können Stress oder ähnliche Belastungen Vorständen, Geschäftsführern, Unternehmensberatern, Software-Entwicklern oder Ärzten nach der Statistik offenbar weitaus weniger anhaben. "Wir vermuten, aber das ist an den Daten nicht ablesbar, da scheint schon ein gewisser Faktor Selbstbestimmung eine Rolle zu spielen", argumentiert Baas.

Auch kann er nicht erklären, weshalb im Norden mehr Menschen mit Depressionen zu Hause bleiben als im Süden. Ebenso wenig eindeutig ist, weshalb Menschen im Osten weniger Antidepressiva schlucken als im Westen. Allerdings gebe es in beide Richtungen Annäherungen.

Eines scheint indessen klar zu sein: Die Zunahme der depressiven Erkrankungen hat auch etwas mit der deutlich gestiegenen gesellschaftlichen Akzeptanz zu tun. Es gebe eine Reihe Prominenter, die ihre Depressionen öffentlich gemacht haben - wie der Skispringer Sven Hannawald oder der Ex-Fußball-Profi Sebastian Deisler. "Das heißt, es ist nicht mehr eine Krankheit, wo man sich schämen muss", sagt Baas. Der ehemalige Nationaltorwart Robert Enke behielt seine Depressionen für sich. Die Krankheit trieb ihn offensichtlich in den Suizid.

Ältere mit Depressionen werden oft nicht ausreichend versorgt

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisiert die TK-Studie in diesem Punkt: "Die Verbindung zwischen Depression und Suizid müsste auch der Krankenkasse bekannt sein." Im Übrigen erfasse sie keine Rentner. Dabei sei die Zunahme von Depressionen gerade im Alter gravierend. "Und hier geschehen 35 Prozent aller Suizide."

Auch das Kuratorium Deutsche Altershilfe kritisiert, dass ältere Menschen mit Depressionen oft nicht ausreichend versorgt werden. Sowohl Psychotherapien als auch Kombinationsbehandlungen mit Antidepressiva und Psychotherapie erhielten ältere Patienten so gut wie gar nicht mehr, kritisierte KDA-Geschäftsführerin Heike Nordmann.

Insbesondere zwischen 55 bis 60 Jahren sowie bei den über 80-Jährigen würden vermehrt Depressionen diagnostiziert. Ab einem Alter von 60 Jahren litten vier von fünf Betroffenen an einer chronischen Depression. "Doch nur zehn Prozent von ihnen werden angemessen versorgt", erklärte Nordmann.

Elene Zelle und Ruppert Mayr
(dpa, KNA, epd, Caritas)

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