Bischof Georg Bätzing
Bischof Georg Bätzing

24.03.2021

Vatikanpapier kann laut Bischof Bätzing nicht mit Befolgung rechnen "Ich kann das Unverständnis verstehen"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing hat das Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zu Segnungen homosexueller Partnerschaften kritisiert. "Ich kann das Unverständnis verstehen und teile es ausdrücklich."

Das sagte Bätzing in einem am Mittwoch vom Bistum Limburg veröffentlichten Beitrag. Das Vatikanpapier werde "in der Breite nicht mit einer Akzeptanz und einer entsprechenden Befolgung rechnen können", betonte Bätzing . "Ein Dokument, das sich in seiner Argumentation so eklatant einem Erkenntnisfortschritt theologischer und humanwissenschaftlicher Art verschließt, wird dazu führen, dass die pastorale Praxis darüber hinweggehen wird", sagte Bätzing.

Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral

"Wir brauchen eine Neubewertung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral", betonte der Limburger Bischof. Veränderung habe schon immer zum Wesen der Kirche gehört. "Wer sie verweigert, der gefährdet die Einheit der Kirche."

Beim Thema Segnung homosexueller Paare gehe es "nicht darum, an der Schöpfungsordnung zu rütteln", sagte Bätzing. "Niemand will die Ehe von Mann und Frau und ihre Fruchtbarkeit relativieren." Aber um den besonderen Wert der Ehe herauszustellen, müssten "nicht andere Formen von partnerschaftlichen Lebensgemeinschaften abgewertet werden, die es ja offensichtlich auch gibt".

Laut der am 15. März verbreiteten Erklärung der Vatikanischen Glaubenskongregation hat die katholische Kirche keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Diese Verbindungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen und könnten daher nicht gesegnet werden.

Bätzing hielt dem entgegen, ein "apodiktisches Nein" werde der Verantwortung gegenüber einer so komplexen Fragestellung nicht gerecht. Ihn hätten sehr viele Rückmeldungen auf das Vatikanschreiben erreicht. "Viele werden durch die Kirche jetzt wieder neu verletzt", sagte Bätzing.

Stößt viele Gläubige vor den Kopf

Das Nein aus Rom verletze nicht nur Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, sondern auch Seelsorger. "Und es stößt viele Gläubige vor den Kopf, die in ihren eigenen Familien als Eltern, Großeltern und Geschwister solche Lebenspartnerschaften sehr wertschätzend begleiten."

Wenn von Rom "behauptet" werde, die Kirche habe nicht die Vollmacht, die diesbezügliche Lehre zu verändern, geschehe "eine Selbstimmunisierung gegenüber der Veränderung kirchlicher Lehre".

Eine solche Veränderung sei aber "bekanntermaßen durchaus möglich" und habe "vielfältig stattgefunden", sagte Bätzing. Dadurch, dass der Vatikan seine "vermeintliche Ohnmacht", die Lehre zu ändern, auch noch "machtvoll in die Welt" kommuniziere, erleide "die Autorität der römischen Kurie Schaden", sagte Bätzing.

Bei den Fragen zu Sexualität und Partnerschaft sei "dieser Autoritätsverlust eklatant" und führe dazu, dass den Gläubigen Orientierung in Fragen der Sexualethik fehle. Es reiche nicht, die Menschen in ihren Einzelsituationen zu begleiten. "Gläubige in der Kirche akzeptieren allzu einfache Antworten nicht mehr und fordern Veränderungen", so Bätzing.

Beim Reformdialog Synodaler Weg werde es in Fragen der Sexualethik "zu Beschlüssen kommen", kündigte er an. Es bestehe "kein Zweifel daran, dass wir beim Synodalen Weg in Verbindung mit der Weltkirche bleiben werden", so Bätzing. "Von Rom erbitte ich jedoch auch Respekt für die Ernsthaftigkeit unserer Auseinandersetzung mit wichtigen Themen, vor die wir uns in der hiesigen pastoralen Situation gestellt sehen."

(KNA)

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