Vatikan richtet Corona-Nothilfe-Fonds für arme Länder ein
Symbolbild Reichtum

22.02.2020

Über die Folgen von immensem Reichtum Milliarden und die Frage nach der Moral

Vor 2.000 Jahren ging ein reicher Mann traurig von Jesus weg, als er dessen Anforderungen für das Reich Gottes gehört hatte. Heute laufen Wertpapierhändler davon, wenn Reichtum kritisch hinterfragt wird.

Gut 130 Milliarden Dollar schwer ist Jeff Bezos. Der Gründer und CEO von Amazon ist laut dem US-Magazin "Forbes" der reichste Mensch auf der Welt. Das war vor zwei Tagen der letzte Stand, wie Ingrid Robeyns sagt, vielleicht sind wieder ein paar Dollar mehr dazugekommen. Die gebürtige Belgierin hat seit 2014 den Lehrstuhl für Ethik an der niederländischen Universität Utrecht inne. Am Dienstagabend ist sie in München zu Gast, um auf Einladung der Katholischen Akademie in Bayern und der Jesuiten-Hochschule für Philosophie zu klären, ob es verwerflich sei, reich zu sein.

Der 47-Jährigen wurde auch das bis Juli 2022 laufende EU-geförderte "Fair Limits Project" übertragen. Es untersucht, inwiefern es moralisch gebotene Obergrenzen geben und wie viele Ressourcen eine Person oder eine Gruppe besitzen sollte. "Ich bin nicht gegen Kapitalismus", betont Robeyns, aber es müsse erlaubt sein, die Frage nach Moral und sozialer Verträglichkeit zu stellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei etwa das Ziel der europäischen Länder gewesen, den Wohlstand und die Chancengleichheit für alle zu erhöhen.

Der Motor der Wirtschaft?

Seit den 1980er Jahren hätten sich die Dinge aber verändert. Ein unreguliertes Modell des Kapitalismus' habe sich durchgesetzt. Die Spitzensteuersätze sanken, die Erbschaftssteuer wurde in vielen Ländern abgeschafft. Gleichzeitig kümmert sich eine Heerschar von Anwälten darum, das Geld ihrer vermögenden Mandanten dem Fiskus und damit der Gemeinschaft zu entziehen. Auch Donald Trump gehört zu jener Klientel und rühmte sich deshalb, besonders "smart" zu sein.

Eigentlich gebe es nur zwei Standardreaktionen auf Superreiche, weiß Robeyns. Eine ist: "Richtig so! Sicherlich hat derjenige hart gearbeitet und verdient das." Der Rest der Gesellschaft sollte dankbar sein, denn solch erfolgreiche Menschen seien der Motor der Wirtschaft. Die zweite Antwort lautet, niemand verdiene es, so reich zu sein. "Es mag in Ordnung sein, wenn einige etwas mehr verdienen als andere, weil sie härter arbeiten oder mehr Risiken eingehen, aber es gibt Grenzen dafür, wie viel Ungleichheit eine Gesellschaft verträgt."

Die Schere zwischen Reich und Arm

Letzterer Haltung stimmt Robeyns zu, auch wenn sie einige Ungleichheiten für gerechtfertigt hält. Die Wissenschaftlerin will zudem nicht alle Superreichen über einen Kamm scheren. Es gebe Vertreter, die ein einfaches Leben führten und ihrer sozialen Verantwortung nachkämen. Doch sie sagt: Kein Vermögen werde von einer Person allein erwirtschaftet. Es brauche immer viele Menschen, die etwas dazu beitrügen. Manchmal seien auch illegale Wege im Spiel.

Zudem seien Superreiche in der Lage, demokratische Werte zu untergraben, ja Wahlen zu beeinflussen. Die Schere zwischen Reich und Arm werde durch sie zunehmend größer. Vermögenskonzentration ziehe Unsicherheit und Verwundbarkeit der Mittelschicht und der Armen nach sich. Der Sozialstaat werde abgebaut und lasse so einen Nährboden für Sündenböcke entstehen. Am Ende werde der Schrei nach autoritären Führungspersönlichkeiten lauter.

Kapital und Schöpfung

Der Einsatz der Superreichen sei unter anderem beim Klimaschutz gefragt, findet die Ethikerin. Das wäre nur gerecht, denn die Menschen in armen Ländern, die an der Entwicklung wenig Schuld hätten, könnten sich die Ausgaben dafür nicht leisten. Dieser Tage hat Amazon-Chef Bezos wirklich angekündigt, zehn Milliarden Dollar in den Kampf gegen den Klimawandel zu investieren. Seine Mitarbeiter reagierten darauf eher verhalten: Er solle zunächst seine Lieferautos von Diesel auf E-Antrieb umstellen.

Auch Bill Gates engagiert sich für soziale Projekte weltweit. Einer wie der US-Großinvestor Warren Buffett will sogar mehr Steuern zahlen. "Wir müssen darüber reden, dass es nicht nur um die Wirtschaft geht, sondern auch um Politik und insbesondere Moral", fordert Robeyns. Das war einem Wertpapierhändler im Publikum wohl zuviel. Er verlässt demonstrativ den Saal. Zuvor betont er noch: Er habe auch ein wenig Philosophie studiert, sein Vertrauen in die Märkte sei jedoch ungebrochen. Den Anwesenden wirft er vor, die Börse einfach nicht zu verstehen.

Barbara Just
(KNA)

Gottesdienste Kar- und Osterwoche

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste der Kar- und Osterwoche auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Alle Übertragungen im Überblick (pdf).

Himmelklar Podcast

WBS-Weggeleit

DURCH-ATMEN - Der neue Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 08.04.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Corona: aktuelle Lage in Deutschland
  • Beerdigung von Johannes Paul II.
  • Karwoche und Pessach: Jerusalem unter Einfluss von Corona
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gottesdienste in Autokinos
  • Lock-Down in Südafrika
  • Wie kann man Jugendliche in Corona-Zeiten unterstützen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gottesdienste in Autokinos
  • Lock-Down in Südafrika
  • Wie kann man Jugendliche in Corona-Zeiten unterstützen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Podcast "Himmelklar" - Bischof Stefan Oster
  • Heilige Messe aus dem Kölner Dom
  • Bücherplausch
  • Rechtsextremismus in Zeiten von Corona - Gespräch mit Professor Jürgen Wilhelm
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Podcast "Himmelklar" - Bischof Stefan Oster
  • Heilige Messe aus dem Kölner Dom
  • Bücherplausch
  • Rechtsextremismus in Zeiten von Corona - Gespräch mit Professor Jürgen Wilhelm
18:30 - 19:30 Uhr

Gottesdienst

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…