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29.01.2020

Religionsvertreter diskutieren europäischen Green Deal EU-Vizepräsident: Religionen wichtig bei ökologischem Wandel

Beim Dialog zwischen Religionsgemeinschaften und EU-Institutionen im Europaparlament in Brüssel begrüßten die Religionsvertreter den "Green Deal". Kann Religion ein starker Treiber für radiakle Veränderungen sein?

Der Ansatz des geplanten europäischen Green Deal ist von Vertretern aus Religion und Philosophie begrüßt worden. Augusto Zampini Davies, Theologe der vatikanischen Entwicklungsbehörde, forderte, die Natur selbst ins Zentrum der Debatte zu stellen. Die Natur sei "der vergessene Akteur in diesem Deal", und auch die Religionen seien Teil des Problems. "Wir müssen damit aufhören, uns selbst ins Zentrum zu stellen", so Zampini Davies. Er forderte am vergangenen Dienstag bei der Veranstaltung im Europaparlament in Brüssel auch ein Mitspracherecht für Arbeiter im ökologischen Wandel. Ungleicher Zugang und ungleiche finanzielle Mittel gehörten zu den größten Herausforderungen bei der Umsetzung des "Green Deal".

Menschen verstehen sich mehrheitlich als religiös

Es brauche eine radikale Veränderung, sagte Zampini Davies mit Blick auf Klimawandel und Umweltzerstörung. Religion könne dafür ein starker Treiber sein. Die meisten Menschen änderten sich schließlich nicht, einfach weil sie einen Bericht läsen, sondern aufgrund von tiefverwurzelten Werten und Glaubensüberzeugungen, erklärte Zampini Davies. Umgekehrt könne man sich nicht leisten, für einen neuen Umgang mit der Umwelt auf die Religion zu verzichten, da sich 80 Prozent der Menschen weltweit als religiös verstünden.

Der von der EU-Kommission unter Ursula von der Leyen vorgeschlagene Green Deal ist eine Strategie zum klima- und umweltfreundlichen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Hauptziel ist die Klimaneutralität der EU bis 2050.

Sozial gerechte Klimaschutzmaßnahmen

Der Orthodoxe Costas Papastavros machte darauf aufmerksam, dass die Folgen des Klimawandel vor allem Arme beträfen. Die Diskussion über Klimapolitik kreise noch zu sehr um Themen wie Energie, Technologie und Finanzen und zu wenig um soziale Belange, urteilte Papastavros im Namen des Komitees der Vertreter der Orthodoxen Kirche bei der EU.

Aus Sicht des Humanismus rief Marc Davidson die EU bei ihrer Klima- und Umweltpolitik zu Transparenz und Beteiligung der Betroffenen auf. Aus humanistischer Sicht sei eine paternalistische Politik nicht akzeptabel.

Der Europaabgeordnete Pascal Canfin beschrieb die Problematik des Klimawandels als eine, die mit grundlegenden Fragen von Religion und Philosophie zu tun habe. Hier wie dort gebe es Grenzen, etwa die Grenzen des Menschen, sich die Umwelt zunutze zu machen und sie zu zerstören, und die Beziehungen zum Beispiel zu anderen Arten, erläuterte der Vorsitzende des Umweltausschusses.

Ökologischer Wandel nicht ohne Religionen

Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas hat die Bedeutung des Beitrags der Religionsgemeinschaften für den ökologischen Wandel in der EU betont. "Beim Green Deal geht es nicht nur um Geld und Umweltziele, sondern im Kern um Menschen", sagte Schinas am gestrigen Dienstag beim Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften und EU-Institutionen im Europaparlament in Brüssel.

Das Ziel, 2050 der erste CO2-neutrale Kontinent in der Welt zu sein, könne nicht mit "engstirniger Denkweise" erreicht werden, sagte er; "was wir brauchen, ist ein neues Konzept, ein neues Paradigma, menschliche Ökologie". Wichtig beim Wandel hin zu einer ökologischeren Wirtschaft sei die "soziale Dimension". Die EU-Kommission habe den Klima-Übergangsfonds vorgeschlagen, um diesen Wandel "gerecht" zu gestalten.

"EU-Lebensweise fördern"

Schinas ist in der neuen EU-Kommission für den Austausch mit den Religionsgemeinschaften zuständig. Er kündigte einen Dialog mit ihnen zur europäischen Lebensweise an. Der Ressorttitel "EU-Lebensweise schützen" hatte vor Antritt der neuen Kommission für Diskussionen gesorgt und war in "EU-Lebensweise fördern" umbenannt worden.

(epd, KNA)

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