Weltklimakonferenz COP25 in Madrid
Weltklimakonferenz COP25 startet

02.12.2019

Erwartungen der Kirche an die Klimakonferenz "Industrieländer müssen die Verantwortung übernehmen"

Nachdem das EU-Parlament am den Klimanotstand ausgerufen hat, startet am Montag die UN-Klimakonferenz (COP25). Daran nimmt auch Misereor, das Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche, teil, und hat große Erwartungen.

DOMRADIO.DE: Wie viel Mitspracherecht hat die katholische Kirche bei der aktuellen Klimakonferenz?

Anika Schroeder (Misereor-Referentin Klimawandel): Der Vatikan hat als Staat einen Beobachterstatus. Das heißt, wir haben Zugang zu allen, auch internen, Verhandlungsrunden, wir haben Rederecht, aber kein Stimmrecht. Gleichwohl sind viele Verhandler katholisch, hören durchaus auf die vatikanische Stimme. Und so ist dann auch häufiger zu beobachten, dass die Statements des Vatikans am Ende das Zünglein an der Waage ausmachen. Zum Beispiel haben wir jetzt wohl einen - wie man zumindest aus Verhandlerkreisen hört - entscheidenden Beitrag dazu leisten können, dass das sehr ambitionierte Klimaziel von 1,5 Grad Celsius im Pariser Klimavertrag verankert werden konnte.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn als Vertreter der katholischen Kirche bestimmte Forderungen, die Sie anbringen können?

Schroeder: Wir sind als Vertreter der katholischen Hilfswerke und Anwaltschaft für unsere Partnerorganisationen vor Ort hier und arbeiten eng mit anderen katholischen Organisationen zusammen, die auch hier vertreten sind. Da haben wir zwei Möglichkeiten, unsere Erfahrung einzubringen: einmal dahingehend, dass die Gelder, die jetzt für Klimaschutz und den Umgang mit den Folgen des Klimawandels bereitgestellt werden, sinnvoll eingesetzt werden. Da bringen wir also die Erfahrung aus ihren Projekten ein.

Andererseits hat das letztlich auch Wirkung in die Länder hinein, weil ja auch viele Ministerienvertreter aus Entwicklungsländern hier sind, die in Agrarministerium und Umweltministerium vor Ort auch die nationale Politik beeinflussen. Und wenn es uns dann, so wie morgen, gelingt, einen Bauern aus Malawi sprechen zu lassen - in einem technischen Workshop, wie man die Gelder für den Klimawandel einsetzt im Bereich Agrar, dann können wir doch erheblich Einfluss nehmen.

DOMRADIO.DE: Welche Aufgabe hat Kirche, wenn es um den Stopp des Klimawandels geht? Was kann man tun?

Schroeder: Kardinäle aus aller Welt haben erst kürzlich betont, dass das Nicht-Handeln ein Verbrechen an Natur und Menschheit sei und die Klimakrise dringend Handeln erfordert. Und da sehe ich die Stärke der Kirche, einfach auch noch mal Mahner zu sein, andere Bevölkerungsgruppen zu erreichen, zum Beispiel Umweltverbände oder Wissenschaftler; und einfach immer wieder darauf hin zu drängen, dass wir eine moralische Verantwortung für alle Menschen auf dieser Welt, aber auch für die Schöpfung selbst haben, die Klimakrise auszuhalten und vor allem beim Klimaschutz immer wieder im Blick zu behalten, dass es darum geht, die Ärmsten der Ärmsten vor dem Klimafolgen zu schützen und nicht nur die Industriegebiete.

DOMRADIO.DE: Der Klimanotstand ist ausgerufen worden. Laut Geschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, muss die EU aktiv werden. Der Ausruf dürfe nicht nur Symbolpolitik sein, sagt er. Was genau muss passieren?

Schroeder: Enorm viele Maßnahmen, kein Geld mehr für Kohlekraft, Abschalten von Kohlekraftwerken, klimaschädliche Subventionen herunterfahren. Aber neben diesen ganzen Maßnahmen geht es, denke ich, aus Sicht von uns darum, eine ganz neues Entwicklungsparadigma einzuleiten. Und mit diesem Klimanotstand ist der erste Schritt geschehen, nämlich, zu sagen: Entscheidungen machen wir nicht nur daran fest, ob es dem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes dient, sondern, ob es dem Welt-Gemeinwohl dient und wirklich alle Facetten des Lebens positiv voranbringt. Und das setzt sozusagen diesen Vorbehalt: Nur wenn es dem Klima dient, dann werden Maßnahmen auch umgesetzt.

DOMRADIO.DE: Schauen wir aufs Ende der Klimakonferenz und auf Ihrer Erwartungen an die COP 25. Welche Überschrift wünschen Sie sich denn über den Artikeln zu den Ergebnissen der Konferenz?

Schroeder: Ich picke mal einen Bereich raus, der auf der Tagesordnung steht, nämlich "Was machen wir mit den nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten, also wenn Inseln untergehen, wenn Land vom Meer überschwemmt wird, wenn Grundwasserreserven so versalzen, dass sie einfach nicht mehr nutzbar sind? Und dafür braucht es einen dringenden Mechanismus zur Finanzierung. Und so wäre es doch mein Wunsch, wenn hier aus Madrid eine Überschrift mit diesem Tenor herauskäme: "Industrieländer übernehmen Verantwortung für die Schäden durch den Klimawandel und stellen Gelder bereit."

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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