Bäume waren schon in der Bibel von großer Bedeutung
Bäume waren schon in der Bibel von großer Bedeutung
Theresia Wittemann
Theresia Wittemann

20.10.2019

Die spirituelle Bedeutung der Bäume für den Menschen und in der Bibel "Wir brauchen die Bäume"

Bäume sind für den Menschen nicht nur wichtig, weil sie lebenswichtigen Sauerstoff erzeugen. Die spirituelle Kraft der Bäume und ihre symbolische Bedeutung, ganz speziell auch für Christen, erklärte Schwester Dr. Theresia Wittemann.

DOMRADIO.DE: Haben Sie einen Lieblingsbaum?

Schwester Dr. Theresia Wittemann (Referentin in der Hauptabteilung Seelsorge im Bistum Augsburg): Kann ich gar nicht sagen. Ich mag sie einfach alle. Ich bin in einer Großstadtwohnung im dritten Stock aufgewachsen, und da können Sie sich vorstellen: Da war kein Baum. Deswegen sind Bäume für mich immer verbunden mit Freiheit, Freizeit – und Natur, die ich so nicht hatte als Kind.

DOMRADIO.DE: Was fasziniert Sie an Bäumen?

Schwester Theresia: Ich bin ganz fasziniert von dem Wechselspiel zwischen Licht und Laub. Und das habe ich besonders vertiefen können, als ich in Kaiserslautern stationiert war. Drei Jahre Pfälzerwald prägt einen, glaube ich, fürs Leben. Da sind sehr viele Laub-Mischwälder, und die sind auch für sich genommen überhaupt nicht dunkel oder irgendwie bedrohlich, sondern man fühlt sich als Mensch total geborgen.

DOMRADIO.DE: Die andere Seite gibt es aber auch, oder?

Schwester Theresia: Ja, die gibt es auch. Die liebe ich auch. Allerdings eher im Winter. Verschneite Tannen zum Beispiel finde ich im Winter unheimlich schön.

DOMRADIO.DE: Sie sind Seelsorgerin. Warum tun Bäume der menschlichen Seele einfach gut?

Schwester Theresia: Bäume tun ja zuerst einmal der Schöpfung gut. Dem Leib, indem sie Sauerstoff produzieren. Und wenn es unserem Leib gut geht, dann kann sich auch die Seele wohlfühlen. Das sagte schon meine Namenspatronin, Teresa von Ávila. Und ich denke, dass es uns immer, weil wir ganzheitliche Menschen sind, unmittelbar betrifft, wenn unser Leib sich entspannen kann, wenn die Augen ins Grüne schauen und wir dann auch zu uns selber kommen können. Bäume zeigen ja auch, dass man sich auf sich selber zurückbesinnen soll. Sie sind ganz individuell. Sie haben auch eine eigene Geschichte, die man an der Rinde erkennen kann. Ich liebe zum Beispiel besonders die Bäume, die unter widrigen Umständen wachsen. Zum Beispiel im Schatten einer Mauer oder wenn sie zuerst einen Stein zerbrechen müssen, damit sie in die Höhe wachsen können.

DOMRADIO.DE: Eigentlich kein Wunder, dass es in vielen Religionen und Kulturen heilige Bäume gibt, oder?

Schwester Theresia: Heilige Bäume haben wir ja im Christentum nicht, aber wir entdecken gerade den Baum und die Pflanzen und die Tiere als unsere Mitgeschöpfe wieder. Im Markusevangelium gibt es eine Lieblingsstelle von mir. Im achten Kapitel wird ein Blinder von Jesus geheilt, und Jesus fragte ihn: Was siehst du?

Er ist wohl noch nicht ganz mit dem Sehen vertraut und sagt: Ich sehe Menschen, denn ich sehe etwas wie Bäume, die umher gehen. Und das finde ich so wunderbar, weil dieser gerade erst sehen lernende Mensch den Baum unmittelbar mit dem Menschen verbindet. Und die Gestalt des Baumes, der seine Äste nach oben bringt, die würde uns Menschen, gerade uns Gläubigen, auch immer guttun. Wir wissen das ja von Leibesübungen, beispielsweise vom Yoga: Es tut uns gut, uns einfach dem Himmel entgegen zu strecken. Das möchte ich eigentlich als Seelsorgerin auch den Menschen immer wieder empfehlen. Die alte Orantenhaltung, die es im Christentum gibt, die könnte man wieder lebendig machen.

DOMRADIO.DE: Das könnte ja ein abendfüllendes Programm sein: Bäume in der Bibel. Aber ganz kurz gesagt: Welche Bedeutung hat der Baum im Buch der Bücher?

Schwester Theresia: Der Baum ist ganz existenziell wichtig, denn schon im ersten Buch Genesis wird ja vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gesprochen. Und die Menschen übertreten nach dieser Erzählung auch das Gebot Gottes. Sie werden einsichtig, sie erkennen Gut und Böse, indem sie sich von der Frucht dieses Baumes ernähren. Gleichzeitig ist da natürlich auch die Entstehung der menschlichen Freiheit, der Entscheidungsfähigkeit mitgegeben.

Und in der Bibel gibt es im Alten Testament auch die Jotamfabel im Buch der Richter. Die finde ich persönlich gerade heute sehr aktuell. Da suchen die Bäume nach einem König und alle nützlichen Bäume sagen: Nein, ich habe schon meine Aufgabe. Nur der Dornbusch, der ist bereit, König zu sein, denn für ihn wäre es ja eine Aufwertung. Und das ist eine ganz aktuelle Kritik auch an der Versuchbarkeit des Menschen hinsichtlich der Macht. Jeder, der sich nützlich fühlt, muss nicht Macht haben. Das ist eine ganz wichtige Fabel, die man immer wieder meditieren sollte.

DOMRADIO.DE: Daran sieht man auch: Der Baum ist für Christen, Lebe- und Sterbebaum zugleich. Welche symbolische Kraft steckt noch in ihm?

Schwester Theresia: Er ist Lebensbaum, insofern, dass Jesus Christus den Verbrechertod am Holz des Kreuzes gestorben ist. Damit glauben wir als Christen daran, dass er uns von der Schuld, die Adam und Eva biblisch gesprochen auf sich geladen haben, erlöst. Er schenkt uns neues, ewiges Leben, und wir singen im Exsultet der Osternacht: "Glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!" Zudem ist es auch so, dass Christen aller Jahrhunderte, besonders in Verfolgungszeiten, immer das Kreuz unmittelbar angesprochen haben: Ave crux spes unica – sei gegrüßt, o Kreuz, einzige Hoffnung. Das Kreuz und der Blick auf das Kreuz schenken Trost, Mut und Hoffnung. Und das ist immer mit dem Holz des Kreuzes, also mit dem Baum verbunden.

DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt, wir entdecken so langsam wieder die Pflanzen und Bäume. Welche Verantwortung haben wir da als Christen für den Wald, für den Baum?

Schwester Theresia: Wenn man das Buch Genesis genau liest, dann erkennt man da auch den Auftrag, dass der Mensch in den Garten Eden gepflanzt ist, wie alle anderen Geschöpfe auch, um Hüter dieses Gartens zu sein. Und ich glaube, das ist eine Erzählung, die auch wieder aktuell wird und der sich immer mehr Menschen anschließen können, ganz egal, ob sie gläubig oder nicht gläubig sind, weil sie einfach sehen, dass unsere Ressourcen auf der Welt begrenzt sind. Und wir brauchen die Bäume. Das war jetzt spätestens auch wieder in den Medien durch die Waldbrände im Amazonasgebiet erkennbar. Es werden immer mehr Menschen solidarisch im Kampf um den Erhalt unserer Schöpfung. Und das ist, finde ich, ein ganz wichtiger Aspekt, der auch zu tun hat mit dem christlichen metanoia – also umdenken, umkehren, und zwar zu Gott und zu seinem Willen für uns. Was dann immer auch zum Heil der Menschen allgemein wird.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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