06.10.2019

Erntedank in Zeiten des Klimawandels Landlust und Landfrust

Ernährung ist politisch geworden. Landwirte haben wiederholt mit der Dürre zu kämpfen und 2019 war kein gutes Erntejahr. In Zeiten des Klimawandels bekommt das Erntedankfest eine völlig andere Note.

Volle Brotkörbe, Sonnenblumen, mit Weintrauben gefüllte Butten, pure Landlust: Zum Erntedankfest bieten viele ländliche Regionen Deutschlands ein Stückchen heile Welt. Auch in vielen Kirchen lassen sich am Sonntag farbenprächtige Bilder sammeln: mit Früchten geschmückte Altäre, mit Ähren, Stroh und Blumen gewundene Erntekränze. Aber der Dank für die Ernte und die Bitte ums tägliche Brot, die zum Erntedankfest dazugehören, sind in diesem Jahr nicht unbeschwert.

In Zeiten des Klimawandels ist die Ernährung wieder politisch geworden. Für die Rinderzucht in Deutschland wird der Amazonas-Regenwald zerstört. Dem Agrarsektor wird ein hoher Anteil am Klimawandel zugesprochen. Und während im vergangenen Jahr weltweit mehr als 821 Millionen Menschen hungern mussten, wandern in Deutschland jährlich rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel auf den Müll.

Landwirte bekommen Klimaveränderungen zu spüren

Dazu hatten die Landwirte in vielen Regionen das zweite Jahr in Folge mit Dürre zu kämpfen. Die Erträge seien erfreulicherweise besser als im Vorjahr, das für viele Höfe ein "Katastrophenjahr" gewesen sei, hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) im August erklärt. Dennoch war 2019 kein gutes Erntejahr. Die Getreideernte lag bei 45 Millionen Tonnen, knapp 18 Prozent mehr als im Dürrejahr 2018, aber rund sechs Prozent weniger als der Durchschnitt der Ernten 2013 bis 2017.

Das galt auch für Obst und Gemüse, wie der Bauernverband mitteilte. Für den Wein allerdings sagte Präsident Joachim Rukwied eine "sehr gute Qualität" voraus, wenngleich die Erntemenge nicht an die Rekordzahlen des vergangenen Jahres heranreichen werde. Die Landwirte spürten die Klimaveränderungen nun "schon im dritten Jahr", so der Bauernpräsident. Die Wetterextreme nähmen zu; das sei für manche Betriebe existenzbedrohend.

Landwirtschaft hat Einfluss auf Umweltschutz

Vor diesem Hintergrund verhandeln die EU-Staaten derzeit über eine Agrarreform - denn schließlich hat die Landwirtschaft einen großen Einfluss auf Klima- und Umweltschutz. Etwa 58 Milliarden Euro an Fördergeldern - rund 40 Prozent des EU-Budgets - fließen derzeit jedes Jahr in den Sektor. Ein Großteil geht dabei als Direktzahlungen an die Bauern, und zwar nach Größe der bewirtschafteten Fläche.

Das soll anders werden. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Staaten mehr Freiheiten bekommen, wie sie eine Reihe von vorgegebenen Zielen erreichen wollen - etwa die Erhaltung der Natur, Klimaschutz und die Sicherung der Lebensmittelqualität. Dazu sollen sie jeweils nationale Pläne erstellen, die von der Kommission genehmigt werden müssten. Die Größe der Flächen soll dabei deutlich weniger gewichtet werden.

"Radikale Abkehr von der industriellen Fleischproduktion"

Das weckt Widerstände - und geht Umweltorganisationen wie Greenpeace lange nicht weit genug. Nationale Regierungen und die EU müssten den Landwirten helfen, von der industriellen Landwirtschaft wegzukommen hin zu nachhaltigerer, ökologischer Produktion, fordert Greenpeace-Agrarexperte Sebastien Snoeck. "Dafür ist eine radikale Abkehr von der industriellen Fleischproduktion nötig."

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor fordern eine stärkere Orientierung der EU-Agrarpolitik an Umwelt- und Klimaschutz, Tierwohl und Beschäftigung. Das Bistum Münster lädt deshalb am Sonntag zu einem «weltkirchlichen Erntedankfest» auf dem Münsteraner Domplatz ein, um für die Bewahrung der Schöpfung zu werben.

Erntedankumzug in Herzebrock-Clarholz

Gesprächsstoff genug also, wenn am Sonntag Deutschlands vermutlich größter Erntedankumzug im ostwestfälischen Herzebrock-Clarholz bei Gütersloh startet. Erwartet werden 20.000 Gäste, hofft Monika Jasper vom Vorbereitungskomitee. Der Umzug beginnt mit Erntedankgottesdiensten in der katholischen und evangelischen Kirche.

Auf farbenfrohen Motiv- und Blumenwagen sorgen Tausende Dahlienblüten und Sonnenblumen für leuchtende Farben. Seit 1951 lassen die Veranstalter mit heimischen Gemüse- und Obstsorten geschmückte Wagen und Kornbilder entstehen. Rund 1.000 Mitwirkende beteiligen sich. 57 Wagen und Fußgruppen - von Polizei und Rotem Kreuz bis zum Reiterverein und Schulklassen - ziehen hinter der Erntekrone durch den Ort. Thematisiert wird dabei auch der Klimawandel.

Christoph Arens
(KNA)

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