Jugendliche tanzen auf den Straßen Panamas
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Beda Maria Sonnenberg
Beda Maria Sonnenberg

24.05.2019

Abt spricht über Auswirkungen der Seelsorge auf die Umwelt Der Weltjugendtag als ökologische Katastrophe?

Kirche und Klima. Geht das zusammen? Abt Beda Maria Sonnenberg von den Benediktinern beschäftigt sich im Interview auch mit der Frage, wie beispielsweise kirchliche Großveranstaltungen ökologisch gerechtfertigt werden können.

KNA: Sollte man der Messe lieber fernbleiben als mit dem Auto hinzufahren?

Beda Maria Sonnenberg (Abt des Benediktinerklosters Plankstetten): Wenn möglich sollte man zu Fuß hingehen oder das Fahrrad nehmen. Man würde nicht nur weniger die Umwelt belasten, sondern auch etwas für seine Gesundheit tun. Früher kamen die Gläubigen mit der Kutsche oder dem Schlitten zur Kirche. Für Kranke oder Gebrechliche sollten Soziale Medien besser eingesetzt werden, und die Kommunion könnte in guter Tradition vom Pfarrer gebracht werden. Aber wer fit ist, sollte zum Gottesdienst kommen, indem er sich selbst bewegt, "auto-mobil" wird. So würde nicht nur die Umweltbelastung verringert, auch der Weg zur Messe würde schon zum Gottesdienst.

KNA: Wie meinen Sie das?

Sonnenberg: Ständig beten wir zum "Schöpfer des Himmels und der Erde". Wenn wir das ernst nähmen, müssten wir die Natur anschauen, uns ihr aussetzen und sie wertschätzen - und nicht motorisiert durch sie hindurchrasen. Wir müssten die Natur als Offenbarungsquelle betrachten - als eine, die womöglich untrüglicher ist als alle Formen menschlicher Verschriftlichungen. Die Natur zeigt uns Gott in bisher wenig beachteten Kontexten! Dann würden wir erkennen, dass wir Menschen nicht losgelöst auf der Erde leben, sondern dass wir mit allen Tieren, Pflanzen, Steinen ein großes Ganzes bilden. Die Umwelt wird zur Mitwelt.

KNA: Welche Konsequenz sollten Gläubige daraus ziehen?

Sonnenberg: Wir billigen der Schöpfung einen Wert in sich zu. Wir behandeln sie nicht länger wie ein sich immer wieder von allein auffüllendes Lager zur Stillung unserer Bedürfnisse. Das ist sie nicht, was wir ja angesichts des derzeitigen Klimawandels und Artenschwunds auch zunehmend merken. Wichtig ist daher neben einem Umdenken bei der Mobilität auch die Hinwendung zur ökologischen Landwirtschaft, wie wir sie in unserem Kloster betreiben.

KNA: Und was sollte speziell die Kirche tun?

Sonnenberg: Sie sollte ein Öko-Vorreiter sein und dabei keine falsche Rücksicht etwa auf Verbände, Parteien und Zusammenschlüsse nehmen und auch Traditionen und Gewohnheiten hinterfragen. Wenn Tausende von Leuten quer durch die Welt zu einem Weltjugendtag fliegen, ist so ein Termin nicht eine ökologische Katastrophe und daher lieber abzuschaffen?

KNA: Ginge dann nicht auch eine große Strahlkraft verloren?

Sonnenberg: In Form von Schlagzeilen, ja. Aber die eigentliche Strahlkraft von Kirche geht doch davon aus, dass sich Gläubige um ihre kranken Nachbarn kümmern, auch wenn darüber niemand berichtet. Aber zurück zur Öko-Rolle: Kirche sollte auch buchstäblich aus sich herausgehen. Wir zählen nur noch Gottesdienstbesucher und beklagen uns über rückgängige Zahlen. Wäre es nicht besser, neue Formen von Gottesdienst auszuprobieren? Zur Sonntagspflicht sollte auch der Kirchgang gemacht werden, wo wir die Dynamik, Fülle und Pracht von Gottes Schöpfung erleben, indem wir uns bei Wind und Wetter auf den Weg zur Kirche machen!

KNA: Und dann?

Sonnenberg: Dann kann ich erfahren, dass da draußen nur scheinbar alles chaotisch kreucht und fleucht und wächst. Dass die Natur in Wahrheit eigenen - nicht menschlichen - Regeln folgt. Und gleichwohl funktioniert, auch wenn ich das System dahinter nicht verstehe. Das kann mich lehren, dass nicht ich es bin, der das Leben in der Hand hat, sondern Gott allein. Das Geheimnis des Glaubens finden wir nicht nur im Gottesdienst, sondern auch in der Schöpfung. Zum Kirchesein gehört über die Gemeinschaft der Gläubigen das Staunen in der Schöpfung und ein adäquater Umgang mit ihr.

KNA: Was sagen Sie Kritikern, denen das zu sehr nach Grünen-Wahlprogramm klingt?

Sonnenberg: Was den Umgang mit der Natur angeht, müsste in der Tat jeder Gläubiger "grün" sein, weil es um die Sicherung eines Ausdrucks Gottes geht. Derart positioniert, könnte Kirche auch zugänglich für Menschen werden, die mit Religion erst einmal nichts am Hut haben, aber an Fragen der Schöpfung interessiert sind. Für diese Leute könnte Kirche zu einer missionarischen Sammelbewegung werden.

KNA: Sie denken, wenn "Ökos" merken, dass die Kirche sich für ihre Interessen einsetzt, glauben sie plötzlich an Jesus?

Sonnenberg: So glatt dürfte es bei den Wenigsten laufen. Aber vielleicht erkennen sie über kurz oder lang, dass sie, wenn sie "ökologisch" handeln, auch christlich handeln, und werden so offen für die Frohe Botschaft. Auf der anderen Seite sollten wir uns vom Thema des ökologischen Fußabdrucks in der Seelsorge nicht verschrecken lassen. Denn das ist nicht etwa Zeitgeist-Gefasel, sondern eine Rückbesinnung aufs Allerälteste. Jedenfalls waren Petrus und Paulus nicht in klimatisierten Limousinen unterwegs.

Das Interview führte Christopher Beschnitt.

(KNA)

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