Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, Initiatorin der "Fridays for Future"-Klimademonstration
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, Initiatorin der "Fridays for Future"-Klimademonstration
Bischof Heiner Wilmer
Bischof Heiner Wilmer
Bischof Heinrich Timmerevers
Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen
Erzbischof des Erzbistums Speyer: Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick
Bischof Gebhard Fürst
Bischof Gebhard Fürst
Franz-Josef Overbeck, Bischof im Bistum Essen
Bischof Franz-Josef Overbeck
Heiner Koch, Erzbischof von Berlin
Heiner Koch, Erzbischof von Berlin

17.04.2019

Bischöfe zu Thunberg: Kirche muss "Anwalt" der Klima-Bewegung sein "Klimaschutz geht alle an"

Greta Thunberg trifft den Papst. In den Augen manch eines Beobachters begegnen sich damit am Mittwoch gleich zwei Ikonen. Aus Deutschland erhält die junge Klimaaktivistin jedenfalls viel kirchlichen Segen.

Vor einem Besuch der Klimaaktivistin Greta Thunberg bei Papst Franziskus haben mehrere katholische Bischöfe in Deutschland die weltweiten Schülerproteste für mehr Umweltschutz gelobt. "Ich bin der Ansicht, die Kirche muss Anwalt der "Fridays for Future"-Bewegung sein", sagte der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer der Deutschen Presse-Agentur.

"Klimaschutz geht alle an. Deshalb müssen auf Worte und Absichtserklärungen auch Taten folgen. Daran erinnern Greta Thunberg und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter die Politik völlig zu Recht."

"Mahnung der Jugendliche muss uns wachrütteln"

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers zeigte sich ebenfalls beeindruckt von der Klima-Bewegung. "Die Jugendlichen, die Woche für Woche unter dem Motto auf die Straße gehen, imponieren mir", sagte das geistliche Oberhaupt des Bistums Dresden-Meißen. "Auch wenn sich über die Form des Protests vortrefflich diskutieren lässt, muss die Mahnung der Jugendlichen uns wachrütteln", sagte Timmerevers. "Nicht allein sie tragen Verantwortung für die Zukunft, auch wir müssen konsequent für das Morgen einstehen."

Dass weltweit Tausende Schüler freitags auf der Straße für mehr Klimaschutz protestieren, anstatt in die Schule zu gehen, sorgt nach wie vor für Diskussionsstoff. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick betrachtet die Sache pragmatisch: "Natürlich ist auch die Schulpflicht, das Lernen und sich Bilden ein hohes Gut", sagte er. "Durch das entschiedene und baldige Handeln der Politiker und aller Verantwortungsträger weltweit können die Anliegen der Schülerinnen und Schüler und die Schulpflicht in Einklang gebracht werden."

"Ich bewundere Greta Thunberg"

Der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, ist ebenfalls Thunberg-Fan. "Ich bewundere Greta Thunberg, und ich finde es gut, dass der Papst sie trifft", sagte er. Ihm gehe es nicht nur um den Klimaschutz und eine Verminderung des Treibhausgases CO2, sondern auch um drängende Fragen des Artensterbens und des Ressourcenverbrauchs.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck unterstützt ebenfalls die "Fridays for Future"-Demos. "Es ist beeindruckend, mit welchem Engagement die Schülerinnen und Schüler das Thema Klimaschutz in die Öffentlichkeit tragen - auch wenn es zuweilen einige Pädagogen und Juristen aus verständlichen Gründen ärgert", teilte der katholische Bischof auf Nachfrage mit. "Dieser Protest ist zugleich ein Aufruf an uns alle, unsere Lebensweise zu prüfen und notwendige Änderungen konkret umzusetzen."

"Klimakrise geht nicht in Urlaub"

Thunberg trifft an diesem Mittwoch Papst Franziskus bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Am Freitag will die 16-Jährige zudem an einem Schulstreik in Rom teilnehmen. "Ich weiß, dass das ein Feiertag ist, aber weil die Klimakrise nicht in Urlaub geht, werden wir das auch nicht tun", schrieb sie auf Twitter. Karfreitag, der Freitag vor Ostern, ist in Schweden ein gesetzlicher Feiertag, nicht aber in Italien. Seit Monaten protestiert die Schülerin freitags für mehr Klimaschutz.

Tausende Schüler sind ihrem Beispiel bereits gefolgt. Der Berliner Bischof Heiner Koch sorgte zuletzt für Aufsehen, indem er das Engagement der Schüler und Thunbergs in die Nähe biblischer Überlieferungen von Jesus Christus rückte. Die Freitagsdemos erinnerten ihn "ein wenig an die biblische Szene vom Einzug in Jerusalem", sagte er am Sonntag im RBB-Radio. Zwar gehe es ihm nicht darum, die Schwedin zu einem weiblichen Messias zu machen. Er wolle aber daran erinnern, "dass unsere Gesellschaft und auch unsere Kirche von Zeit zu Zeit echte Propheten braucht, die auf Missstände und Fehlentwicklungen hinweisen und Lösungswege vorschlagen".

Papst: Klimawandel-Leugner sind dumm

In der vergangenen Woche wurde nach Angaben einer Sprecherin der Bewegung "Fridays for Future" allein in 90 Orten in Deutschland demonstriert. Zudem hatten Schüler der Bewegung in Berlin zuletzt einen Katalog mit konkreten Forderungen an die Politik präsentiert.

So fordert das Bündnis beispielsweise, ein Viertel der deutschen Kohlekraftwerke noch in diesem Jahr abzuschalten, und eine CO2-Steuer auf klimaschädliche Treibhausgase einzuführen. Der Papst engagiert sich ebenfalls für den Klimaschutz. 2015 veröffentlichte er mit "Laudato Si" eine Enzyklika zu Umweltfragen und bezeichnete Leugner des Klimawandels als "dumm".

(dpa)

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