21.03.2019

Wald-Perspektiven nach dem "Katastrophenjahr" 2018 Bestandsaufnahme zum Tag des Waldes

Für viele Menschen ist der Wald ein Sehnsuchts- und Erholungsort. Der Dürresommer 2018 hat mutmaßlich Spuren hinterlassen. Zum Internationalen Tag des Waldes an diesem Donnerstag eine Bestandsaufnahme und ein Blick nach vorn.

Sechs Monate fiel im Sommer 2018 in weiten Landesteilen kaum ein Tropfen Regen. Rekordhitze und extreme Trockenheit sorgten für ideale Lebensbedingungen für den Borkenkäfer. Der Wald hat dadurch schweren Schaden genommen. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, werden nun im großen Stil Kiefern gefällt. Manch einer wird im Frühling "seinen" Wald kaum wiedererkennen.

Katastrophenjahr 2018

Der Deutsche Forstverein spricht vom "Katastrophenjahr 2018" mit Stürmen, Trockenheit und Käferplage. Dabei fällt eine Bestandsaufnahme schwer, schließlich gehört der deutsche Wald nicht nur Kommunen, dem Staat, den Ländern oder Kirchen, sondern zu 48 Prozent Privatpersonen.

"Ein einheitliches System, auf dessen Basis die Schäden im Wald erfasst werden, ist unbedingt erforderlich", sagt Marcus Kühling, Abteilungsleiter im neu gegründeten Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (KIWUH) in Gülzow-Prüzen. Geplant ist eine satellitenbasierte Fernerkundung des Waldes; auch Drohnen könnten eingesetzt werden.

Bei 11,2 Millionen Hektar Wald sei das aber nicht flächendeckend möglich. Kühling spricht von "signifikanten" Schäden, deren ganzes Ausmaß sich aber wohl erst in einigen Jahren zeigen werde, "das Ökosystem Wald reagiert nicht sofort".

Bislang besteht der deutsche Wald zu 57 Prozent aus Nadelbäumen, darunter überproportional vielen Fichten. Förster und Buchautor Peter Wohlleben gibt zu bedenken, dass diese Nadelbäume eigentlich in Gebirgslagen gehören. "Ihnen ist es bei uns immer schon zu warm und zu trocken gewesen; Nadelbäume passen hier einfach nicht hin."

Leichte Beute für den Borkenkäfer

Gerade Fichten werden leichte Beute für den Borkenkäfer. Deshalb sind sich alle Experten einig, dass der Fichtenanteil reduziert werden muss hin zu mehr Misch- oder reinen Laubwäldern.

Viele der heutigen Fichtenwälder sind Nachkriegsaufforstungen, weiß Kühling. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs und auch danach sei es zu "großflächigen Waldzerstörungen" gekommen, erklärt er. "Kahlschlag war die Folge, Bodenerosion und Verlust der Bodenfruchtbarkeit drohten."

Es wurden deshalb schnell wachsende Holzarten wie Fichten und Kiefern gepflanzt. Neben Trümmerfrauen in Städten habe es in ländlichen Regionen Pflanzfrauen gegeben, "sie haben buchstäblich ihren Wald wieder gepflanzt". Daran erinnere auch das kniende Mädchen auf dem früheren 50-Pfennig-Stück, das eine Eiche setzt.

Kein Wunder also, dass viele Menschen einen emotionalen Bezug zum Wald haben. Sie bekämen Angst, wenn wie 2007 nach Sturm Kyrill statt Wald nur noch Kahlflächen zu sehen sind. "Mancher fragt uns: 'Warum tut Ihr nichts?'", sagt Kühling. Die Forstwirtschaft sei aber nicht untätig. Allerdings sei ein Wald, "kein Acker, auf dem man innerhalb eines Jahres säen und ernten kann".

Besser für den Klimawandel wappnen

Forstleute seien schon seit 30 Jahren dabei, den Wald durch das Setzen von mehr Laubbäumen besser für den Klimawandel zu wappnen. Aber das Vorhaben "geordneter Waldumbau" hin zu einem stärkeren Mischwald erleidet auch Rückschläge. "Ein großer Teil unserer Anpflanzungen aus dem Jahr 2018 ist abgestorben, weil die Setzlinge in den Dürremonaten vertrocknet sind."

Dennoch ist Kühling überzeugt, dass Deutschland nicht "waldfrei" werden wird. Auch das Dürrejahr 2003 habe der Wald überstanden; "die Bäume, die das überlebt haben, sind besser gewachsen denn je". Mehrere Dürrejahre in Folge könnten allerdings ein Problem werden. "Wenn Petrus den Wasserhahn im März zumacht und erst wieder im November aufdreht, dann haben wir verloren."

Ohne Wald aber würden Menschen nicht nur einen wichtigen Erholungsraum und Rohstofflieferanten verlieren. Denn er sichert auch das Überleben. Wald- und Klimaschutz hängen zusammen, wie Kühling betont. "Der Wald ist nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern hilft, dessen Auswirkungen zu mildern."

Derzeit stellt das Bundeslandwirtschaftsministerium rund 50 Millionen Euro für forstliche Präventionsmaßnahmen bereit. Damit soll die zeitnahe Pflanzung von klimatoleranten, möglichst heimischen Baumarten unterstützt werden, etwa Buche, heimische Weißtanne oder Douglasie. Damit kann der Mensch laut Kühling seinen Teil dazu beitragen, "den Wald als Ökosystem zu erhalten".

Angelika Prauß
(KNA)

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