27.11.2018

Vorsichtiges Herantasten an das Phänomen der Nahtoderfahrung Ungeklärte Grenzerfahrungen

Wie es ist, wirklich tot zu sein, weiß keiner. Dennoch gibt es Menschen, die medizinisch gesehen dem Tod ganz kurz sehr nah gekommen sind - ein prägendes Erlebnis, wie ein Abend in der Hochschule für Philosophie zeigte.

Die Hochschule für Philosophie ist ein gefragter Ort, an dem sich schlaue Köpfe über Gott und die Welt Gedanken machen. Am Montagabend ging es in der Einrichtung der Jesuiten in München im Rahmen der Ringvorlesung über Grenzfragen der Medizin um das Thema Nahtoderfahrung. Ein Phänomen, das die Menschen stets aufs Neue fasziniert.

Für den Anästhesisten Ulrich Fauth ist die Beschäftigung damit "mein Hobby". Der Chefarzt am Rot-Kreuz-Krankenhaus Kassel macht keine Selbstversuche wie Julia Roberts und Kiefer Sutherland als Medizinstudenten in dem Film "Flatliners" (1990). Solche Experimente wären ethisch auch problematisch. Fauth nimmt sich lieber die Fachliteratur vor, wobei es, wie er einräumt, schwierig bleibt, sich objektiv damit auseinanderzusetzen. Denn die Belege, dass der- oder diejenige tatsächlich den Tod geschaut hat, sind wissenschaftlich schwer überprüfbar.

Erlebnisse von Menschen weisen Ähnlichkeiten auf

In den 1970er und 1980er Jahren sei darüber noch häufiger gesprochen worden, erinnerte der Mediziner. Damals hatten Leute wie der "Löffel-Verbieger" Uri Geller die Lust an paranormalen Dingen in der Gesellschaft befördert. Die Zeit, mit Drogen zu experimentieren, mag das Ihrige dazugetan haben. Interessant ist dennoch, dass die geschilderten Erlebnisse von Menschen, die solche Nahtoderfahrungen machten, Ähnlichkeiten aufweisen.

Schon 1892 notierte der Züricher Geologe und Alpinist Albert Heim in seinen "Notizen über den Tod durch Absturz", wie sein Leben bei einem solchen Sturz an ihm vorbeizog, er aber keine Angst, sondern Frieden spürte. Allerdings trieb ihn um, dass er seine fünf Tage später angesetzte Antrittsvorlesung als Privatdozent nicht mehr halten könnte. Andere schilderten, dass sich ihnen ein Tunnel mit Licht am Ende aufgetan habe. Häufig kommt es vor, dass Notfallpatienten erleben, wie sie aus ihrem Körper heraustreten und sich von oben liegen sehen. Sie beschreiben später Raum und Personen, die um ihr Leben kämpften.

Mitunter entstehen Nahtoderfahrungen bei medizinischen Versuchen, die anderes im Sinn führten. So bedauerten junge, gesunde Männer nach einem solchen, fast schiefgelaufenen Experiment, dass sie wieder aufgewacht seien, so schön sei die von ihnen gemachte Erfahrung gewesen. Doch was ist es, was diesen Zustand auslöst, der eintreten dürfte, wenn die Versorgung des Gehirns nach 10 Sekunden nicht mehr ausreichend gegeben ist oder nach gut 90 Sekunden komplett ausbleibt?

Schutzmechanismus des Gehirns?

Erklärungsversuche gibt es einige, ohne Beweise. Psychologisch betrachtet, könnte es sich um eine Schutzmechanismus des Gehirns handeln, um Aspekte des Lebensbedrohenden abzuwehren. Für die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross waren solche ihr geschilderten Erlebnisse der Hinweis auf ein Leben nach dem Tod. In dem medizinischen Journal "The Lancet" meinte 1989 jemand, die Antwort auf das oft genannte "bright light" (starkes Licht) zu haben. Das liege daran, dass dem Patienten mit einer Lampe in die Augen gestrahlt werde, um Reaktionen zu überprüfen.

Der Jesuit und Philosophieprofessor Godehard Brüntrup, Jahrgang 1957, überraschte mit einem persönlichen Bekenntnis. Er selbst habe in den 1980er Jahren eine Nahtoderfahrung gemacht. Mit einem LSD-Trip habe das Ganze nichts zu tun gehabt. Vielmehr habe sich sein Leben so verändert, dass er zur Philosophie gefunden habe. Ihn treibt um, dass in einer Phase, wo dem Gehirn der nötige Sauerstoff fehlt, eine "ultrarealistische Wahrnehmung" einsetze: "Ich haben noch nie so klar gedacht und in tiefsten Schichten mich selbst geschaut." Brüntrup weiß, dass eine wissenschaftliche Erklärung bisher fehlt.

Abfinden will er sich nicht damit, dass solche Phänomene immer ein Rätsel bleiben werden. Vielleicht müsse erst ein Paradigmenwechsel in der Wissenschaft kommen, der alles über den Haufen werfe. Deshalb plädiert er für ein ergebnisoffenes Forschen, speziell dort, "wo unsere bisherigen Theorien nicht mehr funktionieren".

Barbara Just
(KNA)

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