Blühender Raps vor schmauchendem Kraftwerk
Blühender Raps vor schmauchendem Kraftwerk

26.10.2018

Was tut die katholische Kirche für den Klimaschutz? Brennpunkt Schöpfung

Am Rande der Jugendsynode fordern die kontinentalen Vereinigungen der Bischofskonferenzen in einem Appell, mehr Verantwortung im Klimaschutz zu übernehmen. Die Forderung wendet sich an Regierungen, Politiker – und die Kirche selbst.

DOMRADIO.DE: Die Bischöfe haben in dem Appell ihre Selbstverpflichtung zu mutigen Schritten in Richtung Nachhaltigkeit bekräftigt. Wie mutig sind denn die Diözesen in Deutschland?

Mattias Kiefer (Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der deutschen Diözesen und Umweltbeauftragter des Erzbistums München und Freising): Die Auseinandersetzung der deutschen katholischen Kirche mit dem Thema Klimawandel reicht nun schon einige Jahre zurück. 2006 wurde ein relativ umfangreiches Positionspapier der Deutschen Bischofskonferenz mit dem schönen Titel "Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit" veröffentlicht. Dieser Untertitel fasst die Grundthese des Dokuments sehr prägnant zusammen, dass es sich bei der globalen Erderwärmung tatsächlich um eine fundamentale Gerechtigkeitsfrage handelt.

Schon in diesem Papier haben sich die Bischöfe in die Pflicht genommen. In den Jahren seither ist – wenngleich in sehr unterschiedlichen Intensitäten und Geschwindigkeiten – versucht worden, dieses Anliegen in den deutschen Bistümern aufzugreifen und in die Praxis umzusetzen. Einen Schub hat das Ganze 2015 durch die Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus erhalten.

Aktuell wurde auf der letzten Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz Ende September in Fulda einstimmig eine Arbeitshilfe beschlossen. Damit haben die Bischöfe sich und ihre eigenen Bistümer in die Pflicht genommen, um die Schöpfungsverantwortung noch viel systematischer und energischer in Angriff zu nehmen, als es bislang der Fall war. Wir sehen insgesamt eine deutliche Entwicklung. Deswegen glaube ich, dass die deutschen Bischöfe so einen Appell, wie er von der Jugendsynode kommt, guten Gewissens unterschreiben können, weil Sie wissen, dass in ihren eigenen Bistümern bereits etliches passiert und dass die Verpflichtung zu noch weitreichenderen Schritten gegeben ist.

DOMRADIO.DE: Auch der Ausstieg aus Investitionen in fossile Energie gehört zu den nötigen Schritten, wie es in dem Appell heißt. In Deutschland debattieren wir gerade viel über den Kohleausstieg. Wie steht es denn um die deutschen Diözesen?

Kiefer: Ich kann Ihnen jetzt keinen Überblick über das Anlageverhalten der 27 deutschen Bistümer geben, auch weil dieses nicht immer offengelegt ist. Ich weiß aus etlichen Gesprächen mit Verantwortlichen aus unterschiedlichen Ordinariaten bzw. Diözesanfinanzkammern, dass das Thema ethisches Investment seit Längerem praktiziert wird. Beim Anlageverhalten der Bistümer werden, soweit ich das von außen wahrnehme, zunehmend die Kriterien eingearbeitet, nicht mehr in fossile Energieträger zu investieren bzw. bestehendes Vermögen aus solchen Anlagen abzuziehen.

DOMRADIO.DE: Also, gibt es nach wie vor tatsächlich noch Investitionen und Anlagen in fossile Energie?

Kiefer: Die Vermutung ist, dass es nach wie vor so ist.

DOMRADIO.DE: Das sollte dann aber der nächste Schritt sein, oder wie würden Sie das einschätzen?

Kiefer: Das ist einer der nächsten Schritte und das Thema Anlageverhalten ist auch in den Handlungsempfehlungen der Bischöfe an die Bistümer mitenthalten.

DOMRADIO.DE: In der Debatte um den Kohleausstieg und die Energiezukunft in Deutschland melden sich hauptsächlich die Laiengruppen zu Wort. In der öffentlichen Debatte halten sich die deutschen Bistümer dann doch eher zurück. Woran liegt das?

Kiefer: Was ich wahrnehme, ist, dass sich die Bischöfe im Vorfeld zu den großen internationalen Klimaverhandlungen prononciert zu Wort gemeldet hatten. Die letzten Male, soweit ich mich erinnere, auch ökumenisch. Und ansonsten ist es so, dass sich die Laiengruppierungen einerseits zu Wort melden, aber unter anderem auch das Bischöfliche Hilfswerk Misereor eine ganz eindeutige Position zum Thema Kohleausstieg in Deutschland vertritt.

DOMRADIO.DE: Wenn es um den sozialverträglichen Strukturwandel geht, dann ist es aber Aufgabe der Kirche, klar Stellung zu beziehen, oder?

Kiefer: Ich erinnere mich an eine Pressemitteilung von Bischof Dieser aus Aachen. Da hat er unter anderem auf die Arbeit und die Aufgaben der Kulturkommission der Bundesregierung verwiesen, die ja genau diesen Auftrag hat, bis Ende dieses Jahres ein Ausstiegsszenario für die deutsche Kohlenutzung aufzuzeigen. Das trägt einerseits dem Klimaschutz Rechnung, beinhaltet aber andererseits ganz klar den Auftrag, ein entsprechendes Szenario zu entwerfen, dass es für die Beschäftigten in der jeweiligen Industrie, aber natürlich auch für die betroffenen Regionen sozialverträglich abläuft. Der Auftrag ist dezidiert an diese Fachkommission vergeben worden und ich denke, wir werden sehen, zu welchem Ergebnis diese Kommission kommen wird.

(DR)

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