EKD veröffentlicht Grundsatzpapier "Nutztier und Mitgeschöpf! Tierwohl, Ernährungsethik und Nachhaltigkeit aus evangelischer Sicht"
Das Schächten von Schafen während des islamischen Opferfestes gilt als religiöses Gebot

21.08.2018

Millionen Muslime feiern Opferfest Schächten wie Abraham?

Für mehr als eine Milliarde Muslime hat am Dienstag das Opferfest begonnen. Im Mittelpunkt des höchsten aller islamischen Feste steht unter anderem das Schächten von Tieren: Für die einen ein brutales Schlachten, für die anderen eine heilige Pflicht.

Blut fließt in den Bosporus. Die Meerenge, die sonst in so vielen verschiedenen Blautönen die Menschen in Istanbul verzaubert, wird in diesen Tagen wieder stellenweise von einem dunklen Blutrot durchsetzt werden. Es ist das Blut von Lämmern, Schafen oder Rindern, die dem Messer traditionsbewusster Muslime zum Opfer fallen. Denn das islamische Opferfest hat begonnen – und damit auch das Schächten von mehreren Millionen Tieren weltweit. 

Vier Tage lang feiert mehr als eine Milliarde Muslime das Opferfest, das auf Türkisch "Kurban Bayrami" und auf Arabisch "Eid al Adha" heißt. Es ist unumstritten das wichtigste Fest im Islam, orientiert sich am Mondkalender und findet jedes Jahr zum Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka (Haddsch) statt.

Sunniten und Schiiten gedenken dem Stammvater Abraham, der im Islam "Ibrahim" heißt. Wie das Alte Testament überliefert auch der Koran jene biblische Erzählung, wonach Abraham von Gott auf die Probe gestellt wurde: Er sollte seinen einzigen Sohn, Isaak – im Koran ist die Rede von dhabih – zum Brandopfer auf einem Berg hingeben.

Auch wenn Abraham diesen Wunsch nicht verstehen konnte – hatte er doch jahrelang bei Gott um ein Kind gebeten und dann Isaak bekommen – brach er mit seinem Sohn in die Berge auf. Erst als Isaak auf dem Opferaltar festgebunden war und Abraham das Messer zückte, um sein Kind zu schlachten, rief Gott ihm zu, dass er den Jungen leben lassen solle. Aus Dankbarkeit opferte Abraham daraufhin einen Widder.

Opfern ist quasi eine Pflicht

In dieser Tradition aus bedingungsloser Loyalität zu Allah steht das islamische Opferfest. Jeder Muslim, der es sich finanziell leisten kann, muss ein Tier opfern und ihm mit einem Messer den Hals durchschneiden. Für viele Muslime ist das Schächten eine heilige Pflicht, auch wenn der Koran keine verbindlichen Aussagen dazu trifft. 

Wenn Opferfest ist, steht das öffentliche Leben in muslimisch geprägten Ländern jedenfalls fast still. Viele Geschäfte, öffentliche Einrichtungen und sogar die Börse haben in diesen Tagen geschlossen. Letzteres erlaubt zumindest der Türkei, deren Währung seit Jahresbeginn rund 40 Prozent zum Dollar verloren hat, eine kleine finanzielle Verschnaufpause.

Schlachtungen auch in Deutschland?

Auch in Deutschland begehen Muslime das Opferfest. Kinder islamischen Glaubens dürfen sich dafür in den meisten Bundesländern vom Schulunterricht befreien lassen. Die Tiere für das Fest können muslimsiche Familien zum Beispiel per eBay bestellen: Dort werden schon Wochen vorher Schafe, Lämmer oder Hühner angeboten.

Zwar ist das private Schlachten von Tieren in Deutschland grundsätzlich verboten, es gibt zum Opferfest aber Ausnahmen. Wie das Landwirtschaftsministerium in Hannover am Montag mitteilte, wurde zum Beispiel einem Schlachtbetrieb erlaubt, eine niedrige dreistellige Zahl von Tieren zu schächten. Der Großteil des Fleisches für die in Deutschland lebenden Muslime wird aber importiert.

Mehr als nur Schlachten von Tieren

Auch wenn große Werbetafeln mit Rindern, Ziegen und Schafen in den Tagen vor dem Opferfest die Straßen mancher muslimischer Länder säumen: Das Opferfest ist mehr als nur ein zum Teil barbarisches Schlachten unschuldiger Lämmer und anderer Tiere. Tägliche Festgebete, Verwandtenbesuche und Spenden gehören genauso dazu. So wird mindestens ein Drittel des nach islamischem Ritus geschlachteten Fleischs an Arme und Bedürftige verteilt, ein weiteres Drittel geht an die Verwandtschaft.

In der Türkei sammelt außerdem Kizilay – das ist der Rote Halbmond, also das türkische Pendant zum Roten Kreuz – die Häute der Tiere als Spende ein. Verbände weltweit organisieren zum Opferfest zudem Spendenaktionen, zum Beispiel für Opfer von Naturkatastrophen oder sie sammeln Geld, um davon wiederum Tiere für Familien zu kaufen, die es sich nicht leisten können.

Gefährliches Fest 

Am medien- und wirtschaftswirksamsten ist jedoch die Tradition des Schächtens. Wenn Möchtegern-Metzger dann ihre Messer schwingen, bleiben kleinere oder größere Unfälle nicht aus. Nicht zuletzt deswegen steht öffentliches Schlachten in der Türkei mittlerweile unter Strafe. 

Noch gefährlicher als der Übermut so mancher Amateur-Schlächter ist der Straßenverkehr zu Bayram, dem Opferfest. Das liegt nicht nur an den mit Autos und Lastern verstopften Straßen, sondern auch an Tieren, die ihrem Schlachter weggelaufen sind und den Verkehr lahmlegen. In der Türkei setzt die Polizei deswegen inzwischen Drohnen ein, um über die Feiertage nach entlaufenen Vierbeinern regelrecht zu fahnden.​

Eine andere Lösung soll sich so mancher Schächter überlegt haben: Damit die Tiere ihrem Tod durch Ausbluten nicht entkommen können, sollen Medienberichten zufolge manchen Bullen in diesem Jahr –zumindest in der Türkei – die Beine durchgeschnitten worden sein.

Mit Schächten und Opferfest hat das nichts mehr zu tun. 

"Fahrt vorsichtig!"

Wie in jedem Jahr haben auch dieses Mal die türkischen Behörden die Bevölkerung vor den Gefahren rund um "Kurban Bayrami" gewarnt: "Vergesst nicht, vorsichtig zu fahren!", eine Erinnerung, die vielleicht schon zum Opferfets gehört wie das Schächten und die Festgebete. Im letzten Jahr kamen im Opferfest-Verkehr nach Medienangaben mehr als 120 Menschen zu Tode. 

"Die Straßen sind wieder zu Blut geworden", schrieb die türkische Tageszeitung Hürriyet nach den Feiertagen. Es ist also nicht nur der Bosporus, der sich in Bayram-Zeiten stellenweise blutrot färbt. 

Marion Sendker
(DR)

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