16.08.2018

​Vor 25 Jahren nahm das Bundesamt für Naturschutz die Arbeit auf Längst kein Randthema mehr

Insektensterben, Plastikmüll im Meer, Verschwendung von Lebensmitteln: Manche Umweltthemen beschäftigen viele Menschen. Andere sind weniger bekannt. Eine Bundesbehörde in Bonn behält seit 25 Jahren den Überblick.

Mitten im Villenviertel im Bonner Süden hat es seinen Hauptsitz: das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Aus dem Jahr 1906 stammt das Schulgebäude der "Rheinischen Obst- und Gartenbauanstalt für Frauen", 1986 kam ein Neubau hinzu. In der Idylle wird handfeste wissenschaftliche und politische Arbeit betrieben: Die Behörde berät das Bundesumweltministerium und fördert Projekte und Forschung im Bereich Naturschutz.

Sie gibt die Roten Listen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten heraus, verleiht einen Preis für "Nature Writing" und vernetzt Umweltverbände, Bürger und Religionsgruppen. Vor 25 Jahren, am 16. August 1993, wurde das BfN gegründet.

"In der Gesellschaft angekommen"

Verändert hat sich seither vor allem die öffentliche Wahrnehmung, sagt BfN-Präsidentin Beate Jessel. Die Landespflegerin ist seit elf Jahren im Amt. Naturschutz, sagt sie, sei "kein Randthema mehr, mit dem sich einige 'Käferzähler' befassen, sondern er ist breit in der Gesellschaft angekommen." 

1906 wurde in Danzig die Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege gegründet - aus Sicht des BfN war damit der Grundstein des behördlichen Naturschutzes in Preußen gelegt. 1952 entstand daraus eine Bundesanstalt. Mit der breiten Umweltschutzbewegung der 1980er Jahre erhielt das Thema neuen Aufwind.

Herausforderungen bleiben

Die Aufmerksamkeit für den Naturschutz mag gewachsen sein - Herausforderungen bleiben. Als wichtigste aktuelle Aufgabe nennt Jessel eine Wende in Agrar- und Forstwirtschaft sowie Fischerei, hin zu mehr Naturverträglichkeit. Das könne allerdings nicht das Bundesumweltministerium allein erreichen, erklärt sie: "Auch andere Ressorts sind gefragt." Ähnlich sei es bei Themen wie Verkehr, Netzausbau oder erneuerbare Energien. Das Bundesamt sieht sich hier als Netzwerkpartner, der in verschiedenen Bereichen auf Naturschutz pocht, informiert und Akteure zusammenbringt.

Entsprechend vielfältig sind die Themen beim BfN. Es geht um Buchenwälder und Bodenbeschaffenheit, es gibt regelmäßige Berichte über den Zustand des Grünlands oder der Auen. Auch die großen politischen Debatten machen sich in der Arbeit bemerkbar: Seit der Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011 und der "Energiewende" beschäftigt der Ausbau der erneuerbaren Energien das Bundesamt verstärkt.

"Politische Weichenstellungen nötig"

Die Deutschen lieben die Natur - das war 2010 das Ergebnis der ersten bundesweiten Bewusstseinsstudie, die das BfN gemeinsam mit dem Naturschutzbund durchführte. Sie wird alle zwei Jahre wiederholt.

Viele Menschen sind laut Jessel durchaus bereit, etwas für die Umwelt zu tun: zum Beispiel durch den Kauf regionaler Produkte oder einen insektenfreundlich gestalteten Garten oder Balkon. Allerdings betont sie, "dass uns der Einsatz des Einzelnen nicht von notwendigen politischen Weichenstellungen entbindet".

Plakativ und anschaulich

Zudem erhalten nicht alle Probleme gleich viel Aufmerksamkeit. Beim Stichwort Insektensterben stehen die Bienen als Honigproduzenten stark im Fokus. Die Schwebfliege, die ebenfalls eine wichtige Bestäuberin ist, oder die Köcherfliegenlarve, die entscheidend zur Gewässerreinigung beiträgt, haben dagegen einen ausbaufähigen Bekanntheitsgrad. Plakative Bilder und anschauliche Geschichten bleiben eher hängen als komplexe Zusammenhänge - das gilt auch für den Naturschutz.

Im Bildungsbereich bleibt viel zu tun, so die naheliegende Schlussfolgerung des BfN. Immer wieder ist zu lesen, dass viele junge Menschen keine Gemüsesorten mehr erkennen. Derzeit bereitet das Bundesamt eine Studie zum Naturbewusstsein bei Jugendlichen vor. Angebote, die sich speziell an Kinder richten - etwa die Internetplattform naturdetektive.de - gibt es schon länger.

Nicht zuletzt sei die Wahrnehmung der Natur eine wichtige Quelle des menschlichen Wohlergehens, betont Jessel. Der Schriftsteller Siegfried Lenz formulierte es beim Deutschen Naturschutztag einmal so: "Landschaft gibt es nicht ohne den Menschen. Ohne unseren Blick, unsere Empfindungen, ohne unsere Unruhe und unsere Sehnsucht wäre das, was Landschaft genannt wird, nur ein charakteristischer Ausschnitt der Erdoberfläche."

Paula Konersmann
(KNA)

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