Regenwald im Amazonasgebiet in Gefahr
Regenwald im Amazonasgebiet in Gefahr

27.04.2018

Kinder und Jugendliche ziehen in Kolumbien vor das Oberste Gericht - und haben Erfolg Jugend-Power im Regenwald

Die kolumbianische Regierung sieht sich nach einem historischen Urteil in der Pflicht - und muss nun einen Plan zum Schutz Amazoniens vorlegen. Das Beispiel könnte Schule machen.

Jugend gewinnt Zukunft: Bis Anfang August muss die Regierung in Kolumbien einen Aktionsplan gegen die Abholzung in Amazonien liefern, um den Regenwald für kommenden Generationen retten. Erzwungen haben dies Kinder und Jugendliche des südamerikanischen Landes. Sie zogen bis vor das Oberste Gericht - und das stellte sich in einem historischen Urteil hinter die Klage gegen Umweltzerstörung und Klimawandel.

Pakt zwischen den Generationen

Das Urteil mache deutlich, dass junge Leute durchaus Einfluss auf die große Politik nehmen können, sagt die Studentin Valentina Rozo, die zusammen mit 24 weiteren jungen Landsleuten zwischen sieben und 26 Jahren klagte. "Wir haben gezeigt, dass es Mittel und Wege gibt, unsere Rechte und die zukünftiger Generationen erfolgreich zu verteidigen", erklärte die Studentin nach der Urteilsverkündung Anfang April.

Der Richterspruch zielt auf einen Pakt zwischen den Generationen. Ohne sofortige Schritte gegen die Umweltzerstörung sei die Zukunft gefährdet. Die Regierung ist damit verpflichtet, das Amazonasgebiet besser zu schützen.

Die höchsten Richter definierten Amazonien sogar als juristisches Subjekt, das mit eigenen Rechten ausgestattet ist und deswegen besondere Schutzrechte genießt. Auch lokale Regierungen werden verpflichtet, auf ein Ende der Abholzung hinzuarbeiten und effektive Maßnahmen zum Klimaschutz einzuleiten.

Rückenwind für Umweltbewegungen

Die Kläger stammen aus verschiedenen Regionen und verstehen sich als Zeugen verheerender Umweltzerstörung und des voranschreitenden Klimawandels. Unterstützt wurden sie von der nichtstaatlichen Organisation Dejusticia. Sie feiern das Urteil als Rückenwind für die Umweltbewegungen in Kolumbien, dessen biologische Vielfalt so reichhaltig wie in wenigen anderen Ländern sei.

Das Gericht erklärte ohne Umschweife, dass Absichtserklärungen von politisch Verantwortlichen nicht ausreichten, um den Klimawandel aufzuhalten: "Trotz zahlreicher internationaler Verträge und Verpflichtungen hat es der kolumbianische Staat versäumt, effizient gegen das Problem der Entwaldung in Amazonien vorzugehen."

Gut möglich, dass das Urteil in der Region Schule macht und in Zukunft auch andere Regierung zu mehr Anstrengungen beim Klimaschutz angehalten werden. Auch in weiteren Amazonasstaaten wie Brasilien oder Peru dürfte der Druck von Umweltschützern und Anwohnern wachsen.

Illegaler Koka-Anbau und Waldbrände

Der tropische Regenwald in Kolumbien entspricht fast der doppelten Fläche Deutschlands. Der Raubbau schreitet stetig voran. Laut Dejusticia nimmt die Abholzung eher zu als ab - allein zwischen 2015 und 2016 stiegt die Entwaldung demnach um 44 Prozent an.

Umweltminister Luis Gilberto Murillo räumte kürzlich ein, dass das offizielle Ziel, den Verlust von Amazonas-Urwald bis zum Jahr 2020 auf null zu senken, kaum zu erreichen sein werde.

Vor allem die Ausbreitung der Landwirtschaft und der Bergbau setzen der lange unberührten Natur zu. Hinzu kommen der illegale Koka-Anbau und Waldbrände. Aber auch der Friedensprozess trägt zu dem Problem bei. Der Abzug der inzwischen entwaffneten Farc-Guerilleros, die riesige, oft unzugängliche Gebiete jahrzehntelang kontrolliert hatten, führte dort zu einem Boom ungeregelter wirtschaftlicher Aktivitäten.

Abbau von Bodenschätzen als Motor des Wachstums

Die Regierung hat es bislang nicht geschafft, diese Gebiete unter wirksame staatliche Aufsicht zu stellen. Illegaler Bergbau breitet sich aus, und Großgrundbesitzer nehmen einfach Land in Beschlag. Gemeinden und Menschenrechtler klagen über eine Zunahme von Gewalt und Verfolgung.

Präsident Juan Manuel Santos hat indes erklärt, dass der Friedensprozess auch die Wirtschaft ankurbeln werde. Der Abbau von Bodenschätzen und große Infrastrukturprojekte sind für ihn ein Motor des Wachstums. Der höchstrichterliche Spruch stellt diese Strategie infrage, weil die Erschließung von Urwaldregionen an ökologische Auflagen geknüpft werden muss.

Für die Umweltstiftung WWF ist das Urteil eine wichtige Stärkung der Zivilgesellschaft. "Dieser Richterspruch ist ein Meilenstein für den Schutz der Amazonasregion und wird Kolumbien dabei helfen, seine Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen auch wirklich umzusetzen", erklärt Landesdirektorin Mary Lou Higgins.

Andreas Behn

(epd)

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