Pfauenauge und Bienen
Pfauenauge und Bienen

20.04.2018

Wildtierstiftung fordert Umdenken gegen Insektensterben "Im Sinne der Natur wirtschaften"

75 Prozent weniger Insekten als vor 30 Jahren schwirren in Deutschland durch die Luft. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung betont, dass das auch schädlich für die Landwirtschaft ist - und dass diese mehr für Insekten tun muss.

domradio.de: Was zeigen die neuen Untersuchungsergebnisse zum Insektensterben?

Dr. Andreas Kinser (Jagd- und Forstreferent bei der Deutschen Wildtierstiftung): Sie bestätigen im Grunde das, was wir seit einigen Jahren schon vermutet haben: Dass die flugfähigen Insekten - nicht nur Bienen, sondern zum Beispiel auch Schmetterlinge - in den vergangenen 30 Jahren in Deutschland drastisch weniger geworden sind.

domradio.de: Wie wurde das festgestellt?

Kinser: Es gibt sogenannte Malaise-Fallen, in denen die flugfähigen Insekten gefangen werden. Dann misst man einfach, wie viele es waren. Es wird aber weniger die Anzahl gemessen, sondern schlichtweg wie schwer die Biomasse dieser Insekten gewesen ist. Über all die Jahre hat man unglaublich viele Insekten gefangen. Man weiß, wie viel Biomasse an Insekten man vor 30 Jahren gefangen hat. Und heute war das 75 Prozent weniger.

domradio.de: Heißt das denn, dass es heute weniger Insekten sind oder waren die früher einfach dicker?

Kinser: Nein, es heißt, dass es weniger geworden sind. Die Arten haben sich nämlich nicht verändert, sie sind nicht mutiert und deutlich größer geworden. Die Anzahl der Tiere ist extrem geschrumpft. Dabei geht's aber gar nicht mal um die Artenanzahl. Die Biodiversität hat zwar auch abgenommen, aber bei weitem nicht so drastisch wie die Biomasse.

domradio.de: Welche Gründe hat das Insektensterben?

Kinser: Die Studie hält das ein bisschen offen. Aber sie sagt ganz klar, dass die Veränderung der Landschaft, die wir draußen alle sehen - dass die Hecken verschwunden sind zum Beispiel, Wegränder nicht mehr da sind -, nicht der alleinige Grund sein kann. Die Autoren der Studie diskutieren in Richtung des Pestizid-Einsatzes in der Landwirtschaft. In der Tat haben wir da ja gerade bei den Insektiziden - also bei den Mitteln, die gegen Insekten wirken - Mittel im Einsatz, die hochtoxisch und hochaktiv sind. Die haben mit Sicherheit zum Teil zum Insektensterben beigetragen. 

domradio.de: Aber mit Bestimmtheit sagen kann man das nicht?

Kinser: Es ist durch diese Studie noch kein Zusammenhang bestätigt worden. Aber wenn man sich vorstellt, wie toxisch die Mittel sind, die mittlerweile in der Landwirtschaft eingesetzt werden, dann ist es ein Stück weit logisch, dass das Insektensterben damit zusammenhängt.

domradio.de: Was sind die Konsequenzen für uns Menschen?

Kinser: Die Auswirkungen sind natürlich dramatisch. Zum einen brauchen wir in der Landwirtschaft die Bestäuber. Ich glaube, 80 Prozent, die die Hauptnahrung des Menschen ausmachen, werden durch Insekten bestäubt. Das heißt, wenn die Insekten nicht mehr bestäuben, haben wir am Ende auch keine Nahrungsmittel mehr.

Aber wir merken ja auch schon am Verlust der Artenvielfalt der größeren Tiere - gerade der Agrarvögel da draußen -, dass denen das Futter fehlt. Ein Beispiel: Das Rebhuhn ist europaweit seit 1980 um 94 Prozent zurückgegangen. Das Rebhuhn ist auf Insekten gerade in den ersten Lebenswochen unbedingt angewiesen. Wenn die Küken keine Insekten finden, verhungern sie schlichtweg. Das hängt mit dem Insektensterben natürlich zusammen.

domradio.de: Gibt es Ansätze, was man gegen das Insektensterben machen kann?

Kinser: Gerade bei den Insektiziden wird im Moment viel geforscht. Ich glaube, wir müssen aber auch aufpassen, dass wir nicht so lange forschen bis es am Ende nichts mehr zu forschen gibt. Wir fordern als Deutsche Wildtierstiftung und als Naturschutzverbände auch, dass ein Umdenken in der Agrarpolitik stattfindet.

Wir brauchen einfach eine Honorierung von Landwirten, die im Sinne der Natur wirtschaften. Wir müssen es einfach schaffen, dass Natur- und Artenschutzmaßnahmen für Landwirte zu einem echten Einkommenseffekt werden. Ein Beispiel: Wenn sich ein Landwirt bereit erklärt, kein Weizen oder kein Mais anzubauen, sondern eine Blühfläche, dann muss sich das für ihn wirtschaftlich lohnen, beziehungsweise es darf ihn auf keinen Fall bestrafen. Soweit sind wir leider noch nicht. Deswegen fordern wir, dass mehr Geld für die Förderung solcher Maßnahmen zur Verfügung gestellt wird.

Das Interview führte Uta Vorbrodt im Oktober 2017.

(DR)

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