Demonstranten vor der UN-Klimakonferenz in Bonn
Demonstranten vor der UN-Klimakonferenz in Bonn
Tomás Insua, Geschäftsführer des "Global Catholic Climate Movement"
Tomás Insua, Geschäftsführer des "Global Catholic Climate Movement"

17.11.2017

Internationale katholische Klimabewegung blickt nach vorne "Wir müssen auch ausüben, was wir predigen"

Die katholische Kirche war vielfältig bei der Weltklimakonferenz in Bonn vertreten. Neben der Delegation des Vatikan und den kirchlichen Hilfswerken, war auch eine internationale katholische Klimabewegung dabei.

domradio.de: Das "Global Catholic Climate Movement" ist auch hier beim COP23 vertreten. Worum geht es bei Ihnen?

Thomás Insua (Geschäftsführer des Global Catholic Climate Movement): Das "Global Catholic Climate Movement", ist ein globales Netzwerk von katholischen Institutionen. Wir sind 650 katholische Institutionen von allen Kontinenten. Wir arbeiten daran, die Botschaft von "Laudato Si" in den Kirchen zu realisieren, um diese Botschaft zu leben. Wir wollen "Laudato Si" zum Leben erwecken. Wir sind hier bei der "COP23", viele unserer Mitglieder und Organisationen sind hier und auch viele weitere katholische Organisationen, um diese Botschaft der Regierung näher zu bringen. Die Botschaft, dass der Klimawandel für uns Katholiken wichtig ist und, dass wir zum Klimaschutz aufrufen wollen.

domradio.de: Papst Franziskus ruft ebenfalls dazu auf, aktiv zu werden. Er sagt, dass das nur gemeinsam gelingen kann. Denken Sie, dass seine Worte die internationalen Delegierten dazu bewegen, jetzt etwas zu tun?

Insua: Ja. Papst Franziskus drückt sich sehr deutlich aus in seinem Aufruf, aktiv zu werden. "Laudato Si" ist eine sehr dringender Aufruf. Das Wort "Dringlichkeit" ist eins der bekanntesten Wörter in "Laudato Si". Ich denke, dass seine Botschaft auf jeden Fall gehört wird. Die Regierung und alle verhandelnden Parteien hier bei der "COP23", alle wissen, was "Laudato Si" ist. Sie alle wissen, dass Papst Franziskus zu dringender Tätigkeit aufgerufen hat. Aber was wir erreichen wollen ist, dass nicht nur der Papst sondern die ganze Kirche aktiv wird.

Wir müssen Bischofskonferenzen, Diözesen und Pfarreien und die Menschen an der Basis mobilisieren, weil Regierungen und Politiker sich immer automatisch um Grenzen kümmern. Wir müssen nach den Worten, die vom Vatikan kommen, gehen. Wir müssen aber sichergehen, dass diese Nachrichten auch vermittelt, betont und dringlich gemacht wird von der Basis der Kirche, den Bischöfen und so weiter.   

domradio.de: Im Rückblick auf die zwei Wochen der Verhandlungen: Was nehmen Sie mit? Würden Sie sagen, dass Sie etwas erreicht haben? 

Insua: Das ist schwer zu sagen. Die Wahrheit ist, dass es nicht besonders inspirierend ist, wie die Regierung aktiv wird. Manche von ihnen sind aktiv, manche aber auch nicht. Was ich mitnehme, ist, dass die nicht staatlichen Akteure sehr wichtig sind. Wir wissen, selbst wenn die Regierung nicht tut, was sie tun sollte, dass andere Akteure, keine Staaten, zum Beispiel Städte, die regionale Ebene, subnationale Ebene, die zivile Gesellschaft, Konfessionen, Firmen, andere verschiedene Gruppe der Gesellschaft, sehr mutig handeln. Das tun sie ungeachtet davon, was die Regierung dazu sagt. Und hoffentlich versuchen sie Druck auf die Regierung auszuüben, indem sie aktiv werden.

Das ist der Punkt, an dem wir Katholiken eine sehr wichtige Rolle spielen, indem wir auch aktiv werden. Die überwältigende Mehrheit katholischer Pfarreien benutzt immer noch keine saubere Energie, sie benutzen immer noch schmutzige Energie. Sie sind sehr ineffizient. Wir müssen auch ausüben, was wir predigen. "Laudato Si" ist sehr deutlich und die Position der katholischen Kirche ebenfalls. Aber wir müssen das auch in konkrete Aktionen umsetzen. Das ist es, was wir bei "GCCM" tun. Wir wollen zeigen, dass Katholiken sich sorgen und aktiv werden für unser gemeinsames zu Hause. 

domradio.de: Polen wird die nächste Station sein. Polen ist sehr katholisch. Denken Sie, dass dort etwas erreicht werden kann, das die Emissionen reduziert werden und so die Schöpfung bewahrt wird?

Insua: Ich hoffe es. Das ist etwas, an dem wir arbeiten. Wir wollen mit vielen Akteuren der katholischen Kirche in Polen sprechen. Wir haben eine Konferenz nächste Woche Dienstag in Polen über Glauben und Ökologie. Ich weiß nicht, wie die "COP24" enden wird und was das Ergebnis sein wird. Wir arbeiten aber daran, dass das Ergebnis ein positives wird. Und wir hoffen, dass die polnische Kirche helfen wird, die Botschaft von "Laudato Si", die übrigens vom polnischen Papst Johannes Paul II kommt, zu verkünden. Die besagt, dass wir uns um die Schöpfung kümmern müssen, dass wir etwas gegen die ökologische Krise tun müssen. Das ist es, was wir erreichen wollen.

Das Interview führte Jann-Jakob Loos.

(DR)

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