Solaranlagen auf den Dächern des Vatikan
Solaranlagen auf den Dächern des Vatikan

27.09.2017

Katholische Bischöfe machen den Klima-Check Energiesparlampen und Wärmedämmung

Auf der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist es eines der wichtigsten Themen: der Klimaschutz. Denn die Kirchen sehen Klimakatastrophen schon lange nicht mehr als Strafe Gottes.

Erntedankfeste, ökologisch wirtschaftende Klöster, Autofasten: Ein guter Umgang mit der Schöpfung ist für die Kirchen schon lange ein Thema. Seit den 1980er Jahren haben sie sich gemeinsam und europaweit die "Bewahrung der Schöpfung" auf die Fahnen geschrieben. Evangelische Kirchentage und Katholikentage werben mit dem Etikett "klimaneutral". Und die kirchlichen Hilfswerke wie Adveniat, Misereor und missio engagieren sich weltweit für Klima- und Umweltschutz.

Papst Franziskus setzt 2015 ein wichtiges Zeichen

Die 2015 veröffentlichte Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus hat neuen Schub gebracht: Sie hat das Thema auch auf eine lehramtliche Ebene gehoben. "Das macht uns das Leben leichter", loben engagierte katholische Umweltschützer in Deutschland und verweisen auch auf den vom Papst eingeführten "Weltgebetstag für die Schöpfung" am 1. September. Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer, hält allerdings der Kirche weiterhin mangelndes Öko-Engagement vor. "Im Alltagsbewusstsein der Gemeinden und in der Ausbildung der Priester sind diese Themen noch wenig präsent", sagt der frühere Jesuit.

Es geht um Glaubwürdigkeit - und auch um die Fähigkeit, als politischer Akteur Einfluss nehmen zu können. Bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda wollen die katholischen Bischöfe jetzt den Praxis-Check machen: Am Mittwoch soll es in einem Studientag um Energiesparlampen, Windräder und Wärmedämmung gehen - und um die Frage, was die 27 Bistümer tun können.

Leuchtturmprojekte gibt es einige: Seit 2008 hat der Dom in Osnabrück eine Erdwärmeheizung. Die 2015 geweihte Leipziger Propsteikirche - Solarzellen am Turm und auf dem Dach - ist das europaweit erste Gotteshaus, das weitestgehend nach ökologischen Maßstäben errichtet wurde. Seit 2009 bildet der Deutsche Caritasverband Langzeitarbeitslose bundesweit zu Stromspar-Helfern aus, um ärmeren Bundesbürgern zu helfen, Energiekosten zu sparen.

Öko-Bewusstsein nicht nur bei Kirchengebäuden

Mühsamer ist es, den Klimaschutz im kirchlichen Alltag zu verankern. Vielen der mehr als 24.000 katholischen Gotteshäuser, den Pfarr- und Bildungshäusern stünde eine Modernisierung von Heizung und Wärmedämmung gut an. Öko-Bewusstsein können kirchliche Kindergärten, Schulen und Bildungshäuser auch bei der Ernährung und der Beschaffung von Möbeln, Papier oder Elektrogeräten beweisen. Die Erzdiözese Freiburg hat einen Teil der Dienstwagen durch Elektrofahrzeuge ersetzt. Auch kirchliche Friedhöfe und landwirtschaftliche Flächen ermöglichen konkretes Engagement.

Immer mehr Diözesen schaffen dafür die Strukturen: In 20 von 27 Bistümern gibt es Umweltbeauftragte - allerdings sind die Hälfte von ihnen nur ehrenamtlich oder mit einem geringen Stundenkonto für diese Aufgabe abgestellt. "Die Kirche ist im Umweltbereich personell deutlich zu gering ausgestattet", sagt ein Experte. Dazu kommt, dass jedes Bistum und jeder Verband für sich arbeitet. Es fehle an einer bundesweit koordinierenden Stelle, bemängeln Beobachter.

Ehrgeizige Ziele in den kommenden Jahren

Manche Bistümer und Einrichtungen haben sich auf Klimaschutzziele festgelegt, sich den Anforderung von Öko-Siegeln unterworfen oder - auch im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums - Klimaschutzkonzepte erarbeitet: Bis 2021 etwa will das Bistum Trier rund 30 Prozent, bis 2040 rund die Hälfte der Kohlendioxid-Emissionen bezogen auf 2010 einsparen. Das Bistum Rottenburg-Stuttgart hat allein seinen Gemeinden zwischen 2007 und 2014 rund 17,5 Millionen Euro für energieeinsparende Maßnahmen zur Verfügung gestellt.

Auch haben die beiden evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer in Baden-Württemberg ihre Energieversorgung selbst in die Hand genommen und 2008 eine eigene Gesellschaft zur Energieversorgung gegründet. Sie bietet atomfreien Strom aus Wasser- und Windkraftanlagen.

Zugleich ist Bildung ein wichtiges Thema: In der Erzdiözese München und Freising etwa haben sieben große Bildungshäuser nicht nur ihren CO2-Ausstoß innerhalb von zwei Jahren um mehr als ein Viertel gesenkt. Gleichzeitig absolvierten 19 Mitarbeiter eine Ausbildung zum Kirchlichen Umweltauditor; sie kennen sich aus mit Energieverbrauch und bewusstem Einkaufen.

Christoph Arens
(KNA)

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