domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen in Berlin
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03.08.2017

Kommentar zum Ergebnis des Diesel-Treffens Das ist doch der Gipfel!

Auf dem Dieselgipfel zur Vermeidung von Fahrverboten haben Bund und Länder sich mit minimalen Zugeständnissen der Autoindustrie zufrieden gegeben. Für domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen eine Farce.

Wer in diesen Sommermonaten in den Bergen ist und eine "Gipfeleroberung" in seinem Urlaub vor Augen hat, der weiß, was ihn erwartet: Eine mühsamer, schweißtreibender Aufstieg wird in der Regel mit einem wunderbaren Ausblick belohnt. Auf vielen Berggipfeln erinnert manchmal auch noch das Gipfelkreuz daran, dass man selber nicht unbedingt der Größte ist und mahnt ein wenig zur Demut. Dem Diesel-Gipfel dieser Woche hätte also ein Kreuz zweifelsohne sehr gut getan. Den Spitzenvertretern der hochgelobten deutschen Autoindustrie und den Vertretern der Politik ging es angeblich um saubere Luft. Doch die gefassten Beschlüsse verschaffen bestenfalls den Verantwortlichen eine kleine Verschnaufpause. Eine Farce.

Jahrelang haben deutsche Automobilhersteller getäuscht und getrickst – gekungelt und gelogen. Was technisch machbar gewesen wäre, wurde aus Profitgier nicht umgesetzt, bestenfalls in Hochglanzprospekten versprochen. Und auch jetzt wirken die gefassten Beschlüsse nicht so, als ob die Autobosse wirklich verstanden hätten. Dass die Politik und staatliche Kontrolle in Zeiten des Vorwahlkampfes auch nur halbherzig agiert, macht die Sache nicht besser. Nein, viel zu lange wurde weggeschaut, wurden auch notwendige Kontrollmechanismen nicht nur in Autos automatisch abgeschaltet. Wenn die Automanager ihre Softwareupdates jetzt als großen Erfolg verkaufen, so ist das doch der Gipfel! Sich rühmen für Leistungen, die Kunden längst bezahlt haben – oder für saubere Abgaswerte, die man umweltbesorgten Bürgern immer vorgaukelte, ist  der  Gipfel der Unverschämtheit. Aber auch, dass die zuständigen Politiker in Land und Bund jahrelang weggeschaut haben, statt dafür zu sorgen, dass die verabschiedeten EU-Grenzwerte eingehalten werden, ist wahrlich keine saubere Glanzleistung.

Viel schlimmer ist aber, dass Autobosse und Politiker den Diesel-Gipfel und die mediale Aufmerksamkeit nicht dafür genutzt haben, einen sauberen Schlussstrich zu ziehen – sich frei und offen für die Fehler zu entschuldigen – und dann auch mutige Schritte (die vielleicht auch wehtun) nach vorne gemacht haben, um verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Steuerhinterzieher, Bank-Manager und leider auch so manche Oberhirten können ein Lied davon singen, wie schwer das fällt. Dass jetzt auch die Spitzenbosse der deutschen Vorzeige-Industrie in diesem Chor mitsingen müssen, stimmt traurig. Wo steuert ein Land hin, wenn die Vorbilder und Eliten nicht mehr die sonnigen Gipfel im Blick haben, sondern in dunklen Tälern im Trüben fischen und so durch ihr Vorbild das gesellschaftliche Betriebsklima verpesten?

 

(dr)

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