US-Präsident Donald Trump
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Kohlekraftwerk in Washington D.C.
Kohlekraftwerk in Washington D.C.

02.06.2017

Germanwatch: Langfristig werden USA für Klimaschutz gebraucht "Die USA hätten noch riesige Schritte zu tun"

Die Ankündigung von US-Präsident Trump, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen, ist "zynisch und dumm". Das sagt Lutz Weischer von Germanwatch gegenüber domradio.de. Trump treffe die Ärmsten und riskiere Arbeitsplätze in den USA.

domradio.de: Wie dramatisch ist die Ankündigung von Donald Trump, aus dem Klimaabkommen auszusteigen?

Lutz Weischer (Germanwatch, Teamleiter für Internationale Klimapolitik bei der Entwicklungs- und Umweltorganisation): Es ist eine schockierende Ankündigung, weil es einerseits zynisch ist, es ist eine Aufkündigung der Solidarität mit den Ärmsten und Verletzlichsten, die schon heute die Auswirkungen des Klimawandels weltweit spüren. Und andererseits ist es eine dumme Ankündigung auch aus amerikanischer Sicht. Die Arbeitsplätze in den Klima-Technologien sind die Arbeitsplätze der Zukunft. Arbeitsplätze in den Branchen von Sonnen- und Windenergie sind in den USA in den letzten Jahren zwölfmal so schnell gewachsen wie der Durchschnitt des Arbeitsmarkts. Und da jetzt zu sagen: 'Von dieser Entwicklung - die ja auch die ganze Welt macht - und von den wirtschaftlichen Chancen koppeln wir uns ab' - das ist eine dumme Entscheidung.

domradio.de: Trump sagt ja auch: Die USA sind Vorreiter, was Klimaschutz angeht, und werden durch das Abkommen bestraft. Was ist da dran?

Weischer: Das ist falsch. Die USA sind kein Vorreiter. Wenn man sich die nackten Zahlen anschaut: Es ist richtig, dass auch in den USA in den vergangenen Jahren Klimaschutz passiert ist. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist zurückgegangen. Aber die USA haben pro Kopf immer noch einen CO2-Ausstoß, der über den Durchschnittswerten in Europa und vor allem über dem Durchschnitt dessen liegt, was in Entwicklungsländern und in China und Indien ausgestoßen wird. Die USA hätten insofern noch riesige Schritte zu tun.

domradio.de: Was bedeutet die Ankündigung von Donald Trump, dass die USA beim Klimaschutz nicht mehr mitmachen?

Weischer: Das bedeutet, dass die Ausstiegsformalitäten angekündigt sind, aber es noch fast vier Jahre dauern wird, bis der Ausstieg überhaupt rechtlich möglich ist. Trump will das Abkommen nachverhandeln. Man muss schauen, wie sich die USA in diesen Jahren in den internationalen Klimaverhandlungen verhalten werden. Aber es haben ja schon eine Reihe von Regierungs- und Staatschefs klar gemacht: Eine Neuverhandlung wird es mit uns nicht geben.

domradio.de: Können die 194 anderen Staaten, die den Vertrag unterzeichnet haben, die vereinbarten Ziele ohne die USA schaffen?

Weischer: Ich gehe davon aus, dass das, was uns fehlt, in den nächsten Jahren erst einmal ausgeglichen werden kann. Und zwar erst einmal innerhalb der USA. Wir haben eine Reihe von Bundesstaaten und großen Städte in den USA - New York, Los Angeles, Chicago - und Tausende von Unternehmen, die in den letzten Monaten und gestern wieder gesagt haben: Wir machen weiter Klimaschutz. Da die Bundesstaaten und Städte in den USA viel Macht haben, können die auch selber eine Menge machen. Dazu kommt der Rest der Welt, der auch sagt, wir machen weiter. Die neuesten Berichte sagen, dass China und Indien bis 2030 viel mehr erreichen werden, als sie mal zugesagt haben. Das gleichen wir also in den nächsten Jahren aus. Aber langfristig ist richtig: Die Klimakrise bekommen wir nicht in den Griff, wenn die US-Regierung nicht wieder beim Klimaabkommen mitmacht.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(dr)

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