Justitia et Pax-Vorsitzender Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann

13.03.2016

Aufarbeitung von Missbrauchsfällen kommt voran Anträge von rund 1.600 Betroffenen

Die Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche kommt nach Darstellung ihres Missbrauchsbeauftragten Bischof Stephan Ackermann voran.

Er bekräftigte, dass das Forschungsprojekt der Bischofskonferenz dazu "eine quantitative und qualitative Übersicht" ermitteln werde. Es werde kommendes Jahr Ergebnisse liefern, sagte der Trierer Bischof im Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Möglicherweise gebe es bereits in diesem Jahr einen Zwischenstand.

1.600 Anträge auf Anerkennung und materielle Leistungen

Zur Zahl möglicher Opfer und Täter sagte Ackermann, bis jetzt hätten rund 1.600 Betroffene Anträge auf Anerkennung und materielle Leistungen gestellt. "Wie viele Täter sich dahinter verbergen, können wir erst mit der Studie sagen", sagte er weiter. Gegenstand der Studie sei auch die Frage, wie viele Täter aus ihren Ämtern entlassen wurden.

Kirche habe sich bei diesem Thema verändert

Ackermann betonte, die Kultur in der Kirche habe sich bei diesem Thema "verändert bis hin zur Spitze". Er räumte aber ein, es bestehe durchaus die Gefahr, dass das Thema in Gesellschaft und Kirche wieder als weniger wichtig wahrgenommen werde, "deshalb müssen wir an dem Thema dranbleiben." Hinter den erreichten Standards, etwa bei Fortbildungen, dürfe nicht wieder zurückgefallen werden. Die deutschen Bistümer hatten als Folge des Missbrauchsskandals ihre Richtlinien 2013 deutlich verschärft, ihre Mitarbeiter geschult und Ansprechpartner für Betroffene benannt.

Forschungsprojekt der katholischen Deutschen Bischofskonferenz

Das Forschungsprojekt der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zum Thema "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen" soll Ende 2017 abgeschlossen werden. Es ist bereits das zweite Aufarbeitungsvorhaben, nachdem ein erstes Projekt mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert war.

Im Januar 2010 war durch einen Zeitungsbericht der jahrzehntelange sexuelle Missbrauch an Schülern am Berliner Canisiuskolleg bekannt geworden. Der Fall hatte eine Welle weiterer Enthüllungen ins Rollen gebracht, verbunden mit einer bundesweiten Debatte über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in katholischen und anderen Einrichtungen. Die Enthüllungen sorgten für eine massive Vertrauenskrise in der katholischen Kirche, Zehntausende traten aus der Kirche aus.

(epd)

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