Dr. Rainer Hagencord
Dr. Rainer Hagencord: Auch Tiere sind Bündnispartner Gottes

Rainer Hagencord (* 1961 in Ahlen, Kreis Warendorf) ist katholischer Priester und Zoologe. Er leitet gemeinsam mit Anton Rotzetter das Institut für Theologische Zoologie in Münster. Es ist der erste Studiengang mit einer Verbindung von Theologie und Naturwissenschaft.

10.06.2015

Theologe Hagencord begrüßt Friedhöfe für Mensch und Tier Weg vom Zweiklassensystem

Die Bestattung von Mensch und Haustier in einem gemeinsamen Grab - das ist nun möglich. Damit hat der katholische Theologe und Biologe Rainer Hagencord kein Problem. Wohl aber mit dem Umgang mit Tieren zu Lebzeiten.

epd: Was halten Sie von den neuen Friedhöfen für Mensch und Tier, ist das theologisch vertretbar?

Hagencord: Ja, ich begrüße das. Denn hier kommt die Erfahrung zum Ausdruck, dass wir Menschen ohne Tiere nicht leben können. Theologisch geht es aber auch um die Frage, ob es zwischen beiden wirklich so fulminante Unterschiede gibt, dass der Mensch als "Krone der Schöpfung" bezeichnet werden kann. Ich würde sagen nein, denn laut erster Schöpfungserzählung ist dies der Sabbat. Der Mensch trägt als "Ebenbild Gottes" Verantwortung für das Lebendige, das unterscheidet ihn vom Blauwal oder vom Hund, ansonsten sind beide gesegnete und beseelte Geschöpfe Gottes.

epd: Sie fordern schon seit langem einen Perspektivwechsel, was bedeutet das konkret?

Hagencord: Diese neuen Friedhöfe sollten eine Debatte anregen, die den Blick weitet: Von den geliebten Haustieren, die wir über den Tod hinaus an unserer Seite haben wollen, bis hin zu den Tieren in Agrarfabriken und Schlachthöfen, die dort ein elendes Dasein fristen.

Man muss auch über Puten, Hühner, Schweine und Rinder nachdenken. Wir sollten Konsequenzen ziehen und sagen: Wenn wir unseren Hund oder unsere Katze so liebevoll bestatten, sollten wir nicht gleichzeitig all das Billigfleisch kaufen und essen, das so viel Leid und Umweltschäden verursacht.

epd: Das heißt, wir sollten kein Zweiklassensystem für Tiere haben?

Hagencord: Ja, genau. Der Kulturkritiker Rupert Sheldrake hat sinngemäß sagt: "Wir haben nur noch zwei Kategorien von Tieren: Die einen verwöhnen wir mit Haustierfutter und die anderen werden dazu verarbeitet." Mit Blick auf die Bestattung denke ich, es gibt auch eine übertriebene Tierliebe, der Hund ist für manche der bessere Mensch. Aber das ist er nicht, ein Hund bleibt immer ein Hund. Das ist die eine Fehlsicht auf Tiere. Die andere Fehlsicht ist es, Puten, Hühner und Kühe nur als seelenlose Rohlinge der Fleisch-, Eier- und Milchindustrie zu sehen. Tiere galten ja bis 1996 sogar im deutschen Gesetz nur als "bewegliche Sache".

epd: Sollen Hund, Katze und Co denn genau so eine kirchliche Beerdigungsfeier bekommen wie ein Mensch?

Hagencord: Nein, sicher nicht, da müssen wir theologisch differenzieren. Beim Menschen geht es immer auch um das Thema Schuld und Erlösung, beim Tier ist das überhaupt kein Thema, denn es wird niemals schuldig. Darum müsste man andere Rituale entwickeln. Ich würde am Grab auch nicht um Erlösung oder Vergebung bitten - das brauchen Tiere nicht. Da halte ich es mit dem großen Thomas von Aquin, der sagt: "Tiere haben eine Gottunmittelbarkeit, die wir Menschen verloren haben."

epd: Gibt es historische Vorbilder dafür, Mensch und Tier zusammen zu begraben?

Hagencord: Im Alten Ägypten gab es tatsächlich Bestattungskulte auch für Tiere und sogar Tierfriedhöfe. Man findet noch heute bei Ausgrabungen viele mumifizierte Katzen, die als Gottheit galten. Beim Preußenkönig Friedrich dem Großen war seine Tierliebe sogar oftmals größer als seine Menschenliebe. Er wollte unbedingt neben seinen Hunden begraben werden. In Sanssouci sieht man die Grabplatten für seine Hunde direkt neben seinem eigenen Grab.

Das Interview führte Bettina von Clausewitz.

(epd)

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