Kollektenkörbe
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Markus Perger, Leiter des Referates Mission, Entwicklung und Frieden (r.)
Markus Perger, Leiter des Referates Mission, Entwicklung und Frieden (r.)
Die Renovabis-Pfingstaktion 2021 unter dem Leitwort „DU erneuerst das Angesicht der Erde. Ost und West in gemeinsamer Verantwortung für die Schöpfung“
Die Renovabis-Pfingstaktion 2021 unter dem Leitwort „DU erneuerst das Angesicht der Erde. Ost und West in gemeinsamer Verantwortung für die Schöpfung“

23.05.2021

Renovabis-Pfingstaktion leidet unter Corona-Maßnahmen Auf Spenden angewiesen

Die diesjährige Renovabis-Pfingstaktion findet coronabedingt vor allem online statt. Eine große Herausforderung, meint der Leiter des Referates Mission, Entwicklung, Frieden im Erzbistum Köln, da das Hilfswerk auf Spenden angewiesen ist.

DOMRADIO.DE: In diesem Jahr ist das Schwerpunktthema der Renovabis-Pfingstaktion "DU erneuerst das Angesicht der Erde". Was ist damit gemeint?

Markus Perger (Leiter des Referates Mission, Entwicklung, Frieden im Erzbistum Köln): Das ist die deutsche Übersetzung des lateinischen Namens des Werks "Renovabis faciem terrae". Und wie bei Adveniat "Dein Reich möge kommen" oder Misereor "Es erbarmt sich", steht diese lateinische Überschrift für eine gewisse Programmatik.

Renovabis gibt es ja jetzt erst im 28. Jahr. Nach der großen Wende, nach dem Zusammenfall des kommunistischen Regimes in der ganzen ehemaligen UdSSR, war der Impuls der deutschen Kirche zu sagen: Nach den wirklich verheerenden Zerstörungen auf allen möglichen Ebenen geht es jetzt um eine Erneuerung.

Natürlich war der Osten - Osteuropa bis in die asiatischen Teile hinein - immer schon christlich-orthodox geprägt. Das heißt, es gab durchaus auch eine Tradition, an die man anknüpfen konnte. Es ist aber natürlich durch die lange Herrschaft des Kommunismus auch sehr viel verloren gegangen.

Man kennt dieses Wort der "Batscha", der Großmutter. Diese war es oftmals, die in den Familien, wo die Kinder nicht mehr getauft wurden, den Glauben narrativ weitergegeben hat. Ein schönes, idyllisches Bild: Am Kamin sitzend, die Enkelchen auf dem Schoß, wurden die christlichen Geschichten und auch die Geschichten des Evangeliums weitererzählt.

Auch deshalb hat man "Renovabis faciem terrae" - "DU erneuert das Angesicht der Erde" als Überschrift gewählt.

DOMRADIO.DE: Nun ist Renovabis ein katholisches Hilfswerk, das sich schwerpunktmäßig um die Kirchen im Osten Europas kümmert. Wie passt das mit dem Schöpfungsmythos zusammen?

Perger: Da haben wir einen ganz prominenten Stichwortgeber, kein anderer als Papst Franziskus, der zumindest mit seiner großen Enzyklika "Laudato si" - meines Wissens erstmals in der Geschichte der Enzykliken - diesen Gedanken zur Non plus ultra-Frage erhoben hat. Das heißt, auch dieses gemeinsame Haus, diese "Oikumene" und der Öko-Ansatz betrifft uns alle.

Er sagt: Die Schöpfung verstehen wir als von Gott geschenkt. Sie ist in unsere Verantwortung, in unsere Hände gegangen und wir müssen uns dazu verhalten. Und zwar nicht als Krone der Schöpfung, indem wir sie ausbeuten - was ja lange Jahre so praktiziert und auch ideologisch begründet wurde. Nein, wir sollen achtsam, pfleglich und damit nachhaltig und zukunftsorientiert mit der Schöpfung umgehen.

DOMRADIO.DE: In welcher Weise beteiligt sich das Erzbistum Köln an der Renovabis-Pfingstaktion?

Perger: Zunächst einmal haben wir auf der Presse- und Medien-Ebene eine gute Kampagne gemacht. Normalerweise haben wir in den Tagen um Pfingsten herum immer Gäste aus dem Schwerpunktland, das wäre jetzt die Ukraine. Das hat aber aus politischen und auch aus Corona-Gründen nicht geklappt, sodass wir jetzt auf dem virtuellen Format gelandet sind.

Das ist ein ziemlicher Verlust, zumal natürlich, wenn ich das sagen darf, die Kollekte davon betroffen ist. Es kommt im Moment vielleicht ein Drittel zu Realpräsenz-Gottesdiensten, die anderen Leute bleiben zu Hause. Das ist natürlich für ein Spendenwerk, das sich insbesondere durch die Kollekten-Ergebnisse finanziert und damit seine Arbeit im Ausland überhaupt machen kann, eine sehr große Herausforderung.

DOMRADIO.DE: Was kann man denn unternehmen, damit für die gute Sache Geld zusammenkommt?

Perger: Dieses Gespräch bietet so eine Gelegenheit. Ich werde jetzt nicht die Kontonummer sagen, aber das wäre natürlich auch die Hoffnung und der Wunsch, dass sich die Christinnen und Christen hier bei uns im Erzbistum Köln nochmal bewusst machen, dass wir mit "Hängen und Würgen", wie wir meinen, durch die gesamte Corona-Zeit kommen.

Aber wie sieht es in Polen, mehr noch in Bulgarien, Rumänien, in der Ukraine und so weiter aus? Mit wie viel mehr an Sorgen und auch finanziellen wirtschaftlichen Herausforderungen haben diese Menschen zu kämpfen?

Der Ansatz von Renovabis war bis jetzt ein doppelter. Einmal ist es ein pastorales Hilfswerk, das heißt, wir bedienen die gesamten kirchlichen Strukturen. Das ist die eine Seite.

Die zweite ist eine ganz klare Ausrichtung auf soziale Arbeit, armutsorientiert und zwar für alle Menschen, die betroffen sind und nicht etwa nach einem Schlüssel, der die Konfessionalität begünstigen würde.

DOMRADIO.DE: Nun ist normalerweise die Renovabis-Pfingstaktion eine mit vielen Live-Veranstaltungen. Das geht natürlich nicht in diesem Jahr. Wie ist das kompensiert worden?

Perger: Wie gesagt. Wir haben auf Bundesebene eine ganze Reihe von sogenannten Online-Veranstaltungen. Das heißt, man kann sich auf der Homepage einloggen, und da haben wir Veranstaltungen mit unseren Kontakten in der Ukraine, die live - mit einer Stunde Zeitverschiebung - mit Übersetzung stattfinden und wo man Rede und Antwort erhält.

Das ist schon ein lebendiges Format. Wer da Lust zu hat und diesen kleinen Schritt über die digitale Hemmschwelle setzen will, wird da ganz interessante neue Erfahrungen machen.

DOMRADIO.DE: Eine Erfahrung ist, dass es gar nicht mehr unbedingt die digitale Hemmschwelle ist, sondern inzwischen auch die Fülle an digitalen Veranstaltungen. Inwieweit sticht da die digitale Renovabis-Welt heraus?

Perger: Das mögen andere beurteilen, ich hänge da mittendrin. An Pfingsten ist das Ziel der Öffentlichkeits-Kampagne erst erreicht, dann wird man sicherlich zu einer Auswertung kommen.

Meine Prognose, die ich aber jetzt sehr aus dem Bauch heraus treffe, ist, dass die reine digitale Veranstaltungsorganisation nicht die Zukunft sein wird. Es wird auf sogenannte Hybrid-Veranstaltungen hinauslaufen. Das heißt man hat Präsenz-Veranstaltungen, sobald die Impfkampagne das bei uns hier in Deutschland zulässt, und dann schaltet man vielleicht Gäste aus den Gastländern hinzu und hat dann den direkten Kontakt.

Aber das ist noch ein bisschen Zukunftsmusik. Die nächste Kampagne ist Pfingsten 2022.

Das Interview führte Dagmar Peters. 

(DR)

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