Renovabis-Kongress beschäftigt sich mit Seelsorge in Städten
Renovabis-Kongress beschäftigt sich mit Seelsorge in Städten

12.09.2019

Renovabis-Kongress beschäftigt sich mit Seelsorge in der Stadt "City-Pastoral" als Labor für die Kirche von morgen

Kirchtürme mögen ein Stadtbild noch immer prägen, dennoch greift die Säkularisierung in der Stadt um sich. Das Christentum steht in Konkurrenz zu anderen Angeboten. Eine fantasievolle "City-Pastoral" könnte helfen.

Das Motiv ist jedem Bethlehem-Pilger vertraut: Die berühmte Geburtsgrotte, wo Jesus zur Welt gekommen sein soll - millionenfach geknipst. Auch der Pilsener Bischof Tomas Holub hat ein solches Foto in seiner Wohnung hängen. Der markante Stern am Boden ist nicht zu sehen, er wird verdeckt von einer davor knienden jungen Frau mit langen, dunklen Haaren und Turnschuhen. Ihr schwarzes T-Shirt ist etwas nach oben gerutscht und gibt den Blick frei auf ein Tattoo auf ihrem unteren Rücken.

Holub erzählte am Donnerstag in München, dass er einige Diskussionen habe führen müssen, ob das Bild in dieser Umgebung passend sei. Doch der Kirchenmann setzte sich durch. Für ihn hat die Szene eine klare Aussage: "Das ist die Realität von heute." Der Oberhirte der tschechischen Stadt war Gast des diesjährigen 23. Internationalen Kongresses Renovabis.

"Es gibt keine gottlose Stadt", sagt Errbischof Koch.

Am Mittwoch und Donnerstag kamen auf Einladung des katholischen Osteuropahilfswerks gut 200 Teilnehmer aus rund 30 Ländern in die bayerische Landeshauptstadt. Das Thema lautete "Kirche in der Großstadt. Herausforderungen für die Pastoral in Ost und West".

Die Säkularisierung ist längst auch in so katholischen Ländern wie Polen und der Slowakei im Gange. Auf dem Markt der Möglichkeiten konkurrieren andere Anbieter mit der Kirche um Sinnsucher. Dabei gibt es auch solche, denen Gott nicht einmal abgeht, weil er für sie nie ein Thema war, wie sich der Berliner Erzbischof Heiner Koch einmal sagen lassen musste. Nur ein Viertel der Bevölkerung in Berlin sind demnach Christen, dazu kommen sieben Prozent Muslime, der Rest ist "gleichgültig oder atheistisch". Dennoch zeigte sich Koch überzeugt: "Es gibt keine gottlose Stadt."

Die Verstädterung schreitet weltweit voran. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Metropolen. In Lateinamerika, Asien und Afrika sind einige längst zu Megacities angewachsen. Die EU setze weniger auf Megastädte, sondern auf mittelgroße und kleinere Städte, ohne den ländlichen Raum zu vergessen, sagte Angelika Poth-Mögele vom Rat der Gemeinden und Regionen Europas. Doch in den großen Städten konzentrierten sich nun einmal viele Probleme und Herausforderungen wie bezahlbares Wohnen, Mobilität, Umwelt und soziale Ausgrenzung. Sie trügen aber auch zu Lösungen bei, so die Expertin.

Städte im Sinne von Papst Franziskus

Geht es nach Markus-Liborius Hermann von der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral sollten die Städte im Sinne von Papst Franziskus als "Laboratorium" der Evangelisierung gesehen werden. Mit speziellen Angeboten der "City-Seelsorge" könne die Kirche versuchen, auf Menschen zuzugehen. Auf solche pastoralen Risikofelder müsse man sich künftig einlassen. Er verwies als Beispiel auf das in Erfurt praktizierte "Weihnachtslob". Säkulare Zeitgenossen bekämen an Heiligabend eine Art abgespeckte Form der Christmette. Dadurch sinke die Hemmschwelle für eine Teilnahme.

Holub ergänzte, dass Priester in ihrer Ausbildung immer noch auf die klassischen Pfarrgemeinden vorbereitet würden - doch die Aufgaben hätten sich geändert. In erster Linie gehe es darum, Jesus Christus als Person zu verkündigen und nicht die Struktur der Kirche. Letztere könne zwar hilfreich sein, dürfe aber nicht alles überlagern. "Dort sein, wo Gutes geschieht", empfahl er. Nicht alles müsse deshalb von der Kirche angeregt sein, sie könne auch einfach nur dazustoßen. Erfahrungen dieser Art konnte der Berliner Erzbischof einbringen.

Seit einigen Jahren finde immer am 23. Dezember im Stadion vom 1. FC Union Berlin ein "Weihnachtssingen" mit fast 30.000 Fans statt, sagte er. Die Kirche sei eigens eingeladen worden, diese Veranstaltung zu begleiten. Von den anderen lernen und zuhören gibt denn auch Koch als Devise aus. Vertrauen sei dafür nötig. Und: "Nicht warten, bis die Leute zu uns kommen, sondern hingehen zu ihnen."

Barbara Just
(KNA)

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