Kirche in der Ukraine will neue Führungskräfte für Gesellschaft fördern

Renovabis Pfingstaktion 2016

Am Sonntag endet die Renovabis- Pfingstaktion 2016. In diesem Jahr macht das katholische Osteuropa-Hilfswerk auf die Nöte osteuropäischer Jugendlicher aufmerksam. Über die Hilfe in der Ukraine berichtet Bischof Dzyurakh.

Renovabis-Pfingstaktion 2016 / © Renovabis (Ren)
Renovabis-Pfingstaktion 2016 / © Renovabis ( Ren )

domradio.de: Wir wissen, dass die Ukraine schwierige Zeiten hinter sich hat und in diesen noch steckt. Wie schwierig ist die Lage der Jugendlichen im Ihrem Land?

Bohdan Dzyurakh (Bischof der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche): Als die Revolution der Würde begonnen hatte, war das vor allem eine Bewegung der Jugendlichen, die ihre Hoffnungen mit der europäischen Zukunft der Ukraine verbunden hatten. Dann wurden diese Hoffnungen durch die äußere Aggression Russlands in Frage gestellt, weil jetzt etwa zehn Prozent des Territoriums der  Ukraine durch den russischen Militäreinsatz im Osten der Ukraine und die Annexion der Krim okkupiert ist. Deshalb ist es eine sehr schwierige Zeit und die ganze Bevölkerung, nicht nur die Jugendlichen, leidet unter diesen Umständen.

domradio.de: Wie geht denn Ihre Kirche in der Ukraine mit der Situation der Jugendlichen um?

Dzyurakh: Wir versuchen auf zweifache Weise, den jungen Menschen beizustehen. Vor allem intensivieren wir die Seelsorge in unseren Pfarreien, weil dort die Jugendlichen erste Schritte in Richtung des Glaubens machen. Zweitens betreiben wir eine Studentenpastoral: Wir haben die spirituelle Seelsorge an unseren Hochschulen entwickelt, weil es für uns äußerst wichtig ist, neue Führungskräfte für die ukrainische Gesellschaft zu erziehen. Dafür ist die spirituelle Erziehung sehr wichtig. Die Ukraine leidet unter vielen gesellschaftlichen Krankheiten, u.a. die Anwesenheit der Korruption. Sie ist nicht nur eine gesetzeswidrige Tat, sondern eine Krankheit des Herzens. Wenn wir unsere Gesellschaft heilen möchten, dann müssen wir mit der Heilung des Herzens beginnen, vor allem bei den Jugendlichen, damit sie nicht durch die Sünden der älteren Gesellschaftsvertreter oder der Politik angesteckt werden. Auf diese Weise können die kommenden Generationen des ukrainischen Volkes  ein demokratisches Land aufbauen, in dem die Würde und die Rechte aller Menschen gewährleistet werden.

domradio.de: Welche Unterstützung erfahren Sie über Renovabis, um jungen Menschen in der Ukraine zu helfen?

Dzyurakh: Renovabis unterstützt uns auf vielfältige Art und Weise und vor allen Dingen bei der Seelsorge in unseren Pfarreien. Seit einigen Jahren haben wir ein pastorales Programm gestartet d.h. "die lebendige Pfarrei als Ort der Begegnung mit dem lebendigen Christus". Im Rahmen dieses Programmes haben wir Prioritäten gesetzt, dazu gehört die Seelsorge der Jugend. Zudem schreiben wir gerade auch den Katechismus für Jugendliche, als Vorlage dient uns dabei "Youcat". Wir adaptieren dies für unsere spirituelle Tradition der Ostkirche. Wir bekommen von Renovabis auch Unterstützung für die Sommercamps mit den Jugendlichen. Wir erhalten zudem mehrere Stipendien, mit denen wir die Ausbildung unserer jungen Kräfte im Ausland finanzieren können. Dadurch kann die Jugend auch vom Leben und von unseren Brüdern und Schwestern im Westen viel lernen. Das ist für uns sehr wichtig, genauso wie der Weltjugendtag in Krakau, wohin eine große Delegation Jugendlicher aus der Ukraine reisen wird.

Das Interview führte Bernd Knopp.


Quelle:
DR