Am Rande der Gesellschaft
Am Rande der Gesellschaft
Bischof Voderholzer
Bischof Voderholzer
Leitwort der Renovabis-Pfingstaktion 2015
Pfingstaktion 2015

28.04.2015

Bischof Voderholzer fordert Solidarität mit Europas Ausgegrenzten Zum Start der Renovabis-Pfingstaktion

Ob Opfer von Menschenhandel in Albanien oder Bedrängte in der umkämpften Ukraine - Bischof Rudolf Voderholzer wirbt um Verständnis für Menschen an Europas "Rändern". Er eröffnet am Sonntag die Renovabis-Pfingstaktion.

domradio: Das Motto der Renovabis-Pfingstaktion lautet "An die Ränder gehen!". Das bedeutet sich mit Menschen am Rande der Gesellschaft zu befassen. Wie holen wir denn diese Menschen wieder in die Mitte?

Dr. Rudolf Voderholzer (Bischof von Regensburg): Es ist in der Seelsorge immer wichtig, die Menschen erst einmal wahrzunehmen. Es ist wichtig, sie überhaupt zu sehen und ihnen die Würde zu geben, die ihnen von Gott geschenkt ist, die ihnen niemand nehmen kann und die unzerstörbar ist. Ebenso sollte man den Menschen die Teilnahme am Leben ermöglichen, ihnen eine Stimme geben und sich für ihre Rechte einsetzen, wenn diese bedroht sind. Ich gebe ihnen ein Beispiel aus unserer Regensburger Diözese vom Katholikentag des vorigen Jahres. Den Grundstock bildete die Kollekte der Gottesdienste. Diese haben wir dann vom Bistum her noch einmal verdoppelt. Im Ergebnis haben wir eine Beratungsstelle für Frauen eingerichtet, die Opfer von Zwangsprostitution geworden sind. Die Frauen kommen aus vielen verschiedenen Ländern, die zum Wirkungsbereich von Renovabis gehören. Zum Beispiel aus Albanien, aber auch aus Ländern, wo junge Frauen mit allen möglichen Versprechungen in den Westen gelockt werden und vom Regen in die Traufe kommen. Diese Frauen befinden sich oft in einer Situation, die menschenunwürdig ist. Hier haben wir zusammen mit SOLWODI (Solidarität mit Frauen in Not, Anm. d. Red.) die erwähnte Beratungsstelle neu eingerichtet, um diese Frauen wieder in ein menschenwürdiges Leben zurückzuführen, ihnen eine Stimme zu geben und eine neue Lebensperspektive zu eröffnen.

domradio: Papst Franziskus hat bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte bereits gesagt, er wünsche sich eine arme Kirche - besonders für die Armen. Muss irgendetwas in Deutschland oder Mitteleuropa geschehen, um das zu ermöglichen?

Dr. Rudolf Voderholzer: Was den materiellen Reichtum und unseren Wohlstand angeht, so ist es nicht ganz einfach, sich als arme Kirche auszugeben. Ich warne auch vor Heuchelei oder gekünstelter Armut. Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir mit den materiellen Möglichkeiten, die wir haben, verantwortungsvoll umgehen und unsere Solidarität mit denen in einer guten Weise leben, denen oft das Nötigste zum Leben fehlt. Das darf nicht gönnerhaft sein oder von oben herab geschehen, so dass die Menschen sich nur als Almosenempfänger fühlen. Wichtig ist, dass es ein gutes Miteinander auf Augenhöhe gibt. Da können wir viel voneinander lernen.

domradio: Und Renovabis trägt dazu bei und nimmt Ausgegrenzte aus Osteuropa in den Blickpunkt. Wie ist denn Ihr Kontakt zu Renovabis bzw. zu Bistümern in Osteuropa?

Dr. Rudolf Voderholzer: Regensburg ist von seiner Lage her schon besonders privilegiert, Kontakte nach Osten zu knüpfen. Wir haben eine lange Grenze mit dem tschechischen Bistum Pilsen. Dorthin gehen auch die meisten Kontakte und ich freue mich über ein gutes Miteinander mit Frantisek Radkovsky, dem Bischof von Pilsen. Dann haben wir über die Mallersdorfer Schwestern sehr viele Kontakte nach Rumänien. Und die Donau verbindet uns mit den Anrainerstaaten. Von daher ist es naheliegend, dass Regensburg nach relativ kurzer Zeit wieder zum Vorstellungsort der Renovabis-Pfingstaktion geworden ist und diese Aktion mit einer Eucharistiefeier offiziell eröffnen wird.

domradio: Renovabis beruft sich beim Leitwort der Pfingstaktion auf Papst Franziskus, der gesagt hat, man solle an die Ränder gehen. Papst Benedikt XVI. hatte bereits gesagt, "wir wissen, dass sich die Echtheit unserer Treue zum Evangelium auch in der Aufmerksamkeit und konkreten Sorge erweist, dass wir dem Nächsten entgegenbringen, insbesondere der Schwachen und Ausgegrenzten". Die beiden sind gar nicht solche Gegenpole wie viele Menschen glauben, oder?

Dr. Rudolf Voderholzer: Inhaltlich, das ist meine Überzeugung, passt zwischen die beiden Päpste kein Blatt Papier. Manchmal muss ich ein bisschen schmunzeln, wenn ich sehe, wie Franziskus für Aussagen gelobt wird, die man bei Benedikt XVI. kritisiert hätte. Das ist manchmal ein wenig merkwürdig.

domradio: Papst Franziskus hat auch gesagt, man könnte zum Beispiel in Pfarrgemeinden Themenabende vorbereiten. Dazu könnte man "Menschen vom Rande" einladen. Gibt es solche Ideen auch in Regensburg oder machen Sie sogar so etwas Ähnliches?

Dr. Rudolf Voderholzer: Wir hatten hier in Regensburg vor ein paar Tagen anlässlich der schlimmen Ereignisse im Rahmen des Kriegsendes ein Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus. Dabei kamen auch Vertreter der Sinti und Roma zu Wort. Sie haben beklagt, dass sie nach wie vor eine große Ausgrenzung erfahren. In dem Fall sind es meistens die Pfarrgemeinden, die Schritte unternehmen, wobei diese nicht immer ganz einfach sind. Insgesamt betrachtet geschieht doch Vieles. Ich bin sehr dankbar dafür, dass oft auch ganz unbemerkt und still in den Pfarrgemeinden aus dem Evangelium heraus Menschlichkeit gelebt wird. 

domradio: Die Pfingstaktion soll die Menschen für die Nöte in Osteuropa sensibilisieren. Was machen Sie genau mit Renovabis im Vorfeld der Eröffnung? Und worauf kann man sich besonders beim Eröffnungsgottesdienst freuen?

Dr. Rudolf Voderholzer: Es gibt ein sehr reichhaltiges Rahmenprogramm im Vorfeld. Dazu gibt es einen eigenen Flyer. Schwerpunkte werden Armut und Menschenhandel in Albanien, die soziale Situation und die Arbeit der Kirchen in der Ukraine und ein Info- und Erlebnistag in unmittelbarer Nachbarschaft, nämlich Tschechien, sein. Die Pfingstaktion wird durch ein breites Programm vorgestellt. Am 1. Mai wird auch eine Maiandacht in der alten Kapelle gefeiert. Und dann feiern wir am Sonntag die Eucharistiefeier im Regensburger Dom. Sie dürfen sich auf die Regensburger Domspatzen freuen. Das ist Kirchenmusik vom allerfeinsten. Mehrere Bischöfe werden mit mir am Altar stehen, die Verantwortlichen von Renovabis und unser Bischofsamtsleiter. Und natürlich können Sie sich auch auf die Herzlichkeit, die vom Bistum Regensburg ausgeht, freuen.

Das Interview führte Bernd Knopp.

domradio.de überträgt den Eröffnungsgottesdienst der Renovabis-Pfingstaktion aus dem Regensburger Dom St. Peter am kommenden Sonntag um 10.00 Uhr live im Radio und in Bild und Ton im Web-TV.

(dr)

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