Johanna Müller bei der Regionenkonferenz am 4. September 2020 in Frankfurt
Johanna Müller bei der Regionenkonferenz am 4. September 2020 in Frankfurt

05.02.2021

Jüngstes Synodenmitglied hofft auf Reformen Schämen für die Kirche?

Die Kirche diskutiert über ihre Zukunft beim Synodalen Weg. Diese betrifft vor allem die junge Generation. Die 17-jährige Johanna Müller ist jüngstes Synodenmitglied. Sie will sich bei Gleichaltrigen nicht mehr für ihre Kirche schämen müssen.

DOMRADIO.DE: Müssen Sie sich denn im Moment für Ihre Kirche schämen?

Johanna Müller (Bistum Münster): Das kann ich eigentlich immer noch so sagen. Vor allem gegenüber Gleichaltrigen ist es immer so schwer, das Ganze zu vertreten. Und zu Recht mag ich mich auch hinter manches einfach nicht stellen. Also da ist oft gar kein Verständnis da. Dementsprechend muss ich mich doch dann für die Kirche des Öfteren schämen.

DOMRADIO.DE: Nach einem halben Jahr Pause ging es mit einer Online-Konferenz wieder los mit dem Synodalen Weg. Zum ersten Mal sind auch Missbrauchsbetroffene persönlich zu Wort gekommen, mit teils sehr emotionalen Geschichten. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Müller: Ich habe wirklich einen sehr guten Eindruck von gestern. Es war großartig und es wurde Zeit, dass wir uns endlich wieder treffen konnten. Ich fand die Beiträge inhaltlich sehr gut und das hat unseren Fokus nochmal geschärft für das, was wir eigentlich bei diesem Weg machen wollen. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass die Sprecher des Betroffenenbeirats nun dabei sind und mitarbeiten wollen. Es kann uns allen nur helfen.

DOMRADIO.DE: Aus rechtlichen Gründen wird online nichts beschlossen. Erst Ende September wieder. Das ist ja noch lange hin. Jetzt gibt es bereits das Ziel, in zwei Jahren fertig zu sein. Das wird wahrscheinlich nicht eingehalten werden können. Was erhoffen Sie sich konkret als Ergebnis vom Synodalen Weg?

Müller: Ich kann schon sagen, dass ich Hoffnung auf Veränderung habe, dass es vor allem Beschlüsse gibt, die in Deutschland umgesetzt werden. Es ist schon relativ realistisch, wenn dann alle Bischöfe den Beschluss bei sich umsetzen. Andererseits ist es natürlich immer schwierig. Man darf nicht zu viel hoffen. Man muss da realistisch bleiben. Das habe ich mir auch früh eingeschärft.

Und ich glaube, es wird höchste Zeit, dass wir uns jetzt nicht mehr darauf ausruhen, dass momentan das Coronavirus grassiert und dies nicht als Hindernis sehen. Wir haben gestern gesehen, dass es digital geht. Im Notfall kann man auch eine Synodalversammlung digital durchführen.

DOMRADIO.DE: Welchern ganz konkreten Wunsch haben Sie, was im Februar 2022 beschlossen sein soll?

Müller: Zum Beispiel die Handlungstexte, die wir jetzt im Forum Macht schon herausgegeben haben. Dazu gehört etwa die Predigtordnung, eine neue Finanzordnung, die Einrichtung einer Ombudsstelle. Das sind Dinge, von denen ich mir sehr gut vorstellen kann, dass sie durchgehen werden. Es könnten zumindest die Wege bereitet werden, um weitergehende Veränderungen daraus anzugehen.

DOMRADIO.DE: Sie sind zwar die Jüngste bei der Versammlung, es gibt aber auch unter anderem 15 Jugendvertreter, die der BDKJ (Bund der katholischen Jugend, Anm. d. Red.) benannt hat. Stehen Sie mit denen im Kontakt?

Müller: Ja, wir haben tatsächlich sehr guten Kontakt. Da bin ich dem BDKJ auch sehr dankbar für diese Vernetzung. Der Austausch ist einfach super gut. Man kann sich immer nochmal ein bisschen gegenseitig pushen. Und die Vernetzung ist auch schon positiv ausgefallen in der Synodalversammlung.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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