Jesuiten-Generaloberer sieht durch Corona Demokratie in Gefahr
Symbolbild Demokratie
Erik Flügge
Erik Flügge (Gründer und Leiter der Beratungsgesellschaft SQUIRREL & NUTS in Köln)

15.09.2020

Politikberater Flügge für Neuausrichtung kirchlicher Kommunikation "Das helfende Werk der Kirche stärken"

"Auch wenn die Kirche ganz sicher keine Demokratie ist, kann sie demokratischer werden", sagt der Autor Erik Flügge. Er ist überzeugt, dass dieser Schritt gelingen kann und rät der Kirche, einen anderen Schwerpunkt in ihrer Kommunikation zu setzen.

DOMRADIO.DE: Demokratie und katholische Kirche: Passt das überhaupt zusammen?

Erik Flügge (Politikberater und Autor): Daran glaube ich, gar kein Zweifel. In den katholischen Verbänden und Organisationen wird schon seit Jahrzehnten demokratische Kultur gelebt. Das sind lauter Leute, die miteinander ringen, die dann auch abstimmen und sich beraten. Die einzige Ebene, auf der das noch nicht läuft, ist die Amtskirche. Das haben wir auch in Strukturen wie Kirchengemeinderäten. Aber am Ende gilt da noch, dass der Bischof letztentscheidend ist. 

In unserer Kirche sind aber ganz viele Demokratinnen und Demokraten Mitglied. Das geht also schon zusammen. Aber natürlich ist die katholische Kirche keine Demokratie. Auch da herrscht kein Zweifel. Dennoch: In unserer Kirche wird so viel demokratische Kultur geübt, dass ich definitiv sagen würde: Ja, unsere Kirche kann sich auch demokratischer weiterentwickeln.

DOMRADIO.DE: Jetzt sagen Sie ja, dass die internen Debatten viel zu viel Gutes verdecken würden. Was genau meinen Sie damit?

Flügge: Ganz praktisch: Wenn wir drauf schauen, wie die katholische Kirche im letzten Jahr kommuniziert hat, dann haben wir uns ganz, ganz viel um den inhaltlichen Streit gedreht, den wir in der Kirche führen. Es ging um Streitfragen rund um die Liturgie, um Streitfragen rund um Mitgliedschaft und Streitfragen rund um "Wer darf was in unserer Kirche?" Das hat die ganze öffentliche Wahrnehmung von Kirche dominiert. 

Dabei ist stark untergegangen, wie wir diakonisch wirken und was wir Gutes tun als Kirche. Das bedingt am Ende auch Austritte. Das heißt nicht, dass man die Debatten einstellen sollte. Aber ich glaube, dass man parallel zu solchen Debatten, wie dem Synodalen Weg, auch immer das diakonische Angesicht der Kirche, das helfende Werk der Kirche stärken sollte.

Deswegen, glaube ich, tut es jeder Gemeinde gut, wenn man sich überlegt, welches Hilfsprojekt, welches diakonische Projekt, welches soziale Projekt haben wir? Und das sollte man dann in der Gemeindearbeit in den Vordergrund der Kommunikation rücken. Also nicht etwas Neues anfangen, sondern schauen: Was machen wir?

Das muss in der Kommunikation ganz nach vorne geschoben werden, damit die Kirche von außen, für diejenigen, die zuschauen, nicht nur aussieht wie ein streitendes System, sondern dass erkennbar wird, dass die Kirche jeden Tag ein helfendes System ist.

Das Interview führte Verena Tröster.

Information: Jüngst ist das neue Buch "Egoismus - Wie wir dem Zwang entkommen, anderen zu schaden" von Erik Flügge im Dietz-Verlag erschienen.

(DR)

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