Bei einer Abstimmung
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02.02.2020

Bonner Stadtdechant bilanziert Synodalversammlungen "Kirche muss lernen, mit Demokratie richtig umzugehen"

Viele Teilnehmer an der ersten Vollversammlung zum Synodalen Weg haben eine Aufbruchsstimmung erlebt. Auch der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken zieht eine überwiegend positive Bilanz. Er sieht aber auch Nachholbedarf. 

DOMRADIO.DE: Im Vorfeld der Vollversammlung hat es heftige Diskussionen gegeben, auch sehr gegensätzliche Erwartungen. Was sagen Sie jetzt? Haben die Teilnehmer da fair und auf Augenhöhe miteinander gesprochen?

Pfarrer Dr. Wolfgang Picken (Bonner Stadtdechant und Delegierter des Erzbistums Köln auf dem Synodalen Weg): Dafür, dass diese Versammlung mit über 230 Teilnehmern das erste Mal zusammengekommen ist, würde der Dialog unter den Teilnehmern wirklich gut durchgeführt. Man hat sich ausreden lassen, man ist aufeinander eingegangen - von daher war es im Ganzen eine gute Gesprächsatmosphäre&nbsp.

DOMRADIO.DE: Gab es Dinge, die Sie überrascht haben?

Picken: Nun ja, ich habe mit einer Gruppe von Teilnehmern festgestellt, dass die Partizipation in der synodalen Versammlung nicht wirklich gut organisiert ist. Ein großer Teil - knapp hundert Teilnehmer -  findet sich nicht in dieser Versammlung wieder, da nach der Satzung ausgeschlossen ist, an der Leitung der Synode teilzunehmen, wenn man nicht der Bischofskonferenz oder dem Zentralkomitee deutscher Katholiken (ZdK) angehört. Da bleiben Bischofskonferenz und ZdK unter sich. Wir hatten als Antrag formuliert, dass man darüber diskutiert und möglicherweise die Satzung dahingehend verändert, dass alle die gleichen Rechte haben.

Aber leider ist vom Präsidium dieser Antrag erst gar nicht aufgebracht worden. Man konnte das nicht diskutieren, und das sind natürlich solche Fehler, die nicht passieren dürfen. Da zeigt sich, dass Kirche noch Lernbedürfnis hat, mit dem Thema Demokratie richtig umzugehen.

DOMRADIO.DE: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zeigte sich eher unzufrieden mit der ersten Vollversammlung. Er sieht die hierarchische Ordnung der Kirche in Frage gestellt. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Picken: Ja, in gewisser Hinsicht kann man das schon nachvollziehen. In dieser Versammlung sind alle gleichberechtigt. Zunächst ist es eine Dialog-Plattform, bei der alle miteinander ins Gespräch kommen können. Wenn am Ende aber Ergebnisse herauskommen und alle, die dort sitzen, der Auffassung sind, man könne vielleicht theologische und kirchliche Inhalte über die Mehrheit einer solchen Versammlung verändern, kann ich den Erzbischof von Köln gut verstehen. Das widerspricht natürlich dem Grundverständnis der kirchlichen Hierarchie und des Lehramtes unter einer Einbindung in die Weltkirche. Und an dieser Stelle wird man noch einmal überlegen müssen, wie geht man mit Meinungsbildern und möglicherweise mit Beschlüssen auch wirklich um.-

DOMRADIO.DE: Auf der anderen Seite stehen viele Laien, die Sorge haben, dass es am Ende des synodalen Wegs genauso weiter gehen könnte wie bisher. Haben Sie nicht Sorge, dass die Geduld der Gläubigen überstrapaziert werden könnte?

Picken: Das kommt ganz darauf an, wie viel Erwartung man aufbaut. Wir müssen schon sehen: Als Weltkirche müssen wir immer Geduld miteinander haben. Und da können wir nicht an einer Stelle bestimmte Forderungen stellen und erwarten, dass die ganze Kirche sofort mitzieht. Das ist ein Stück der Nachteil einer solch' großen Organisation. Auf der anderen Seite steht der Vorteil, dass wir weltweit gemeinsam organisiert und verbunden sind.

Ich bin fest überzeugt: Es  wird nicht alles beim Alten bleiben. Aber ich glaube, dass die Ideal- und Optimal-Forderungen, die manche aufbringen diesen synodalen Prozess überfordern und vermutlich auch zu gewissen Enttäuschungen führen.

DOMRADIO.DE: Sie waren jetzt für den Priesterrat dabei. Was sagen Sie, wenn Ihre Mitbrüder oder Priester Sie fragen, wie es wohl weitergehen wird mit dem Synodalen Weg?

Picken: Zunächst einmal hoffe ich, dass wir in den vier Foren, die jetzt die Inhalte der Synode weiterführen sollen, zu guten Ergebnissen kommen und die Fragen von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Das ist erst einmal mit Spannung zu erwarten, und das werden wir immer wieder auch in die Gremien der Diözesen rückkoppeln. Ja, und ich hoffe, dass am Ende ein Ergebnis steht, das den Bischöfen Möglichkeiten bietet, Anregungen aus dem synodalen Prozess in ihre Diözesen zu übertragen.

Aber wir werden feststellen müssen, dass die Krise der Kirche mit der synodalen Form und diesem Prozess nicht behoben werden kann. Da gibt es viele, viele andere Themen. Fragen wie, wie gehen wir in der Seelsorge weiter oder wie verwalten wir Gemeinden, sind damit nicht bearbeitet. Von daher muss man auch die Erwartung reduzieren, von der Synodalversammlung könnten möglicherweise Heil oder Unheil der Kirche abhängen.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter. 

(DR)

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