Karin Kortmann, Vizepräsidentin des ZdK
Karin Kortmann, Vizepräsidentin des ZdK

29.01.2020

Karin Kortmann und die katholische Reformdebatte Frauenfrage entscheidend - damals wie heute

Eine Unterschriftenaktion für die Frauenpriesterweihe brachte Karin Kortmann vor 25 Jahren in Konflikt mit der katholischen Kirchenspitze in Deutschland. Längst stehen die Zeichen wieder auf Kooperation.

Karin Kortmann kämpft - nicht zuletzt für die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche. Deshalb hat sie einmal eine "förmliche Missbilligung" der deutschen Bischöfe kassiert. Das war 1994. Damals hatte sie als Vorsitzende des Jugenddachverbandes BDKJ eine Unterschriftenaktion gegen das päpstliche "Nein" zum Frauenpriestertum durchgezogen. Heute, gut 25 Jahre später, mischt die nun 60-Jährige wieder an zentraler Stelle in der Kirche mit.

Einzige Frau im Synodalen Weg

Denn Kortmann gehört - als einzige Frau - dem aus vier Personen bestehenden Präsidium des Synodalen Wegs an, also dem von den deutschen Bischöfen beschlossenen und auf zwei Jahre angelegten Reformdialog. Nach dem Missbrauchsskandal wird dabei über die priesterliche Lebensform, die Sexualmoral, die Machtausübung in der Kirche beraten - und eben auch über das heiße Eisen Frauen in der Kirche.

"Demokratieförderplan" abgeschmettert

"Das hat uns damals sehr gekränkt und verletzt", erinnert sich Kortmann an die Intervention des damaligen Bischofskonferenz-Vorsitzenden Karl Lehmann und des Jugendbischofs Leo Nowak vor einem Vierteljahrhundert. Im April 1994 hatte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) seinen "Demokratieförderplan" beschlossen. Damit wandte sich der Verband schon damals gegen Klerikalismus und forderte eine Gleichberechtigung von Geistlichen und Laien. Und: Frauen seien zum "Weiheamt" zuzulassen.

Dem erteilte Papst Johannes Paul II. einen Monat später eine Absage - in seinem Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis". Für den BDKJ war das indes kein Anlass für eine Kurskorrektur. "Sollten wir denn sagen, wir haben uns geirrt?", so Kortmann. Die Frauenfrage sei doch entscheidend - in gesellschaftlicher wie kirchlicher Perspektive. Auf dem im Juli folgenden Katholikentag in Dresden sammelte der Verband selbstbewusst Unterschriften für seine Position.

Dialog einseitig gekündigt

Zu den angedrohten und umgesetzten Konsequenzen gehörte neben der Missbilligung, dass Kortmann und der BDKJ-Präses Rolf Peter Cremer als Berater der bischöflichen Jugendkommission entpflichtet wurden. "Da war der Dialog einseitig gekündigt", so Kortmann. Auch wurden die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) und die BDKJ-Bundesgeschäftsstelle getrennt. "Das hat viel Trauer ausgelöst", so Kortmann. "Wir wollten ja nicht die Kirche aushebeln, sondern dass diese Diskussion offen bleibt."

Nun stehen die Themen von damals erneut im Fokus - und mit ihnen Karin Kortmann. Schon in ihrer sechseinhalbjährigen Amtszeit als BDKJ-Vorsitzende gehörte sie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an, das gemeinsam mit den Bischöfen nun den Synodalen Weg plant und organisiert. Nachdem Kortmann 1998 für die SPD in den Bundestag einzog, machte sie nach zweijähriger Pause auch wieder in der obersten katholischen Laienvertretung mit - diesmal als berufene Einzelpersönlichkeit. Seit sieben Jahren amtiert die frühere Entwicklungsstaatssekretärin als ZdK-Vizepräsidentin.

Frauenpriestertum rückt näher

Für die Kirche sieht Kortmann heute eine verschärfte Lage. Denn der gesellschaftliche Druck, Frauen gleich zu behandeln, sei ja noch einmal stark gewachsen. Überdies liege die Glaubensvermittlung zu 90 Prozent in den Händen von Frauen - "nur nicht in den entscheidenden Positionen". Eine Ermutigung zu neuen Wegen entdeckt sie bei Papst Franziskus. An das "Nein" zum Frauenpriestertum würde dieser sich vielleicht nicht mehr gebunden fühlen, meint Kortmann, wenn es nicht noch den Einfluss des emeritierten Papstes Benedikt XVI. gäbe.

Kortmann, die 2009 nicht mehr in den Bundestag gewählt wurde und heute die Berlin-Vertretung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) leitet, geht es "nicht ums Rechthaben, sondern um die Zukunft der Kirche". Ihr fühle sie sich viel mehr verbunden als der Politik. Zwar sei die Frauenfrage nur weltkirchlich zu regeln. Aber die deutsche Kirche, auf die auch andere Länder schauten, könnte doch ein Votum dazu abgeben. Und viele Fragen, etwa die Einführung der Laienpredigt, ließen sich vor Ort lösen. Den Glauben an Veränderungen hat Kortmann nicht verloren. "Ich bin nicht euphorisch, aber ich bin optimistisch."

von Andreas Otto
(KNA)

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