Vorbereitungskonferenz zum "synodalen Weg"
Vorbereitungskonferenz zum "synodalen Weg"
Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn
Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz
Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz
Unter Druck: Bischof Gregor Maria Hanke
Gregor Maria Hanke

22.09.2019

Bischöfe und Generalvikar zum "synodalen Weg" Kritik an Rom und Warnung vor überhöhten Erwartungen

Auf ihrer Vollversammlung wollen die deutschen katholischen Bischöfe ab Montag den Reformprozess des "synodalen Wegs" weiter vorbereiten. Während die Bischöfe Genn und Kohlgraf den Weg verteidgen, dämpft Bischof Hanke die Erwartungen.

Kurz vor der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz geht die Debatte um Reformen in der katholischen Kirche weiter. Dabei wurde erneut Kritik an der Haltung des Vatikan laut.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn verteidigte den geplanten "synodalen Weg". "Wir können als Deutsche Bischofskonferenz nicht eine wissenschaftliche Studie zum sexuellen Missbrauch in unserer Kirche in Auftrag geben und dann zur Tagesordnung übergehen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag). "Wir müssen und möchten den mühsamen Weg der Aufarbeitung gehen, der zuerst die Opfer in den Blick nimmt, aber auch kirchenimmanente Strukturen, die solche Taten ermöglicht und vertuscht haben."

Vatikan: Kompetenzüberschreitung beim "synodalen Weg"

Der Vatikan hatte in der vergangenen Woche erklärt, die auf dem sogenannten "synodalen Weg" zu behandelnden Themen überschritten die Kompetenzen einer Teilkirche.

Die jüngste Kritik aus dem Vatikan wies Genn zurück. "Eine theologische Vertiefung hat noch niemandem geschadet, insbesondere nicht der Kirche", erklärte er. Einen Sonderweg beschreiten die Deutschen in seinen Augen nicht: Früher oder später werde über die Fragen auch in anderen Ländern diskutiert werden.

Im Dezember wollen die Bischöfe mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Erneuerung der Kirche starten. Themen sind Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. Der Vatikan kritisierte zuletzt, dass viele Inhalte nur weltkirchlich entschieden werden könnten. Zudem wandte er sich gegen die Gleichberechtigung von Bischöfen und Laien bei den Abstimmungen.

Genn betonte dagegen: "Wir brauchen eine neue Machtverteilung, konkret ein neues Verhältnis von sogenannten Laien und Priestern, von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Männern und Frauen in der katholischen Kirche." Er selbst sei bereit, "Macht abzugeben und mich etwa einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit zu stellen, in der dann auch Laien mitentscheiden werden". 

Bischof Kohlgraf: Missbrauch nicht mit Evangelisierung begegnen

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf verteidigte den "synodalen Weg" ebenfalls. "Es ist unstreitig, dass die Evangelisierung Kernaufgabe der Kirche ist und deshalb sind auch die Bischöfe im Bemühen um die Evangelisierung eins", sagte er am Samstag in Mainz.

Allerdings könne die Kirche auf die Ergebnisse der Missbrauchsstudie nicht mit einer Evangelisierungsinitiative antworten. Es sei klar, dass die Fragen nach Macht, Sexualmoral, priesterlicher Lebensform und der Rolle der Frau nicht mehr ausgeklammert werden könnten.

Der "synodale Weg" müsse ein Gesprächsprozess werden, der auch eine Verbindlichkeit habe, sagte der Bischof. Gleichzeitig müsse ein solcher Impuls aus der deutschen Kirche natürlich auf weltkirchlicher Ebene besprochen werden. "Wir müssen eine Form von Kirche finden, die heute als Zeichen und Werkzeug Gottes erkannt wird."

Generalvikar Pfeffer: Signal aus Rom verheerend

Auch der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer betonte am Wochenende, wer angesichts der Krise der Kirche meine, man brauche nichts zu verändern, verschließe die Augen vor der Realität. "Es ist allerhöchste Zeit, über die Bedeutung des Weiheamtes, den Pflichtzölibat und die Zulassung der Frauen zum Amt zu sprechen", sagte er der in Hagen erscheinenden "Westfalenpost" (Samstag). Die Kirche müsse sich davon verabschieden, Menschen kontrollieren zu wollen.

"Es muss ein Ende haben, Geschiedene, die wieder heiraten, zu verurteilen oder Menschen, die ihre homosexuelle Orientierung leben, mit einem moralischen Bannstrahl abzustrafen."

Viele engagierte Katholiken zweifelten, ob sie noch in der Kirche bleiben sollen, sagte Pfeffer, der als Generalvikar der persönliche Stellvertreter des Ruhrbischofs Franz-Josef Overbeck ist. Deshalb sei die Intervention des Vatikan zum "synodalen Weg" auch in ihrer Wirkung verheerend.

Bischof Hanke: Keine überhöhten Erwartungen

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat erneut vor überhöhten Erwartungen an die bevorstehende innerkatholische Reformdebatte in Deutschland gewarnt. "Mir täte es Leid, wenn sich Frust und Enttäuschungen bilden, falls Beschlüsse, die nicht mit der Weltkirche vereinbar sind, nicht umgesetzt werden können", sagte er bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken des Bistums Eichstätt am Wochenende auf Schloss Hirschberg bei Beilngries.

Hanke plädierte dafür, vorab zu klären, wie verbindlich die Beschlüsse der Gespräche sein könnten. Zugleich äußerte er die Hoffnung, "dass uns der synodale Weg nicht auseinander dividiert, dass die Strukturfragen nicht überhand nehmen, sondern dass wir das gemeinsame Ziel, eine Jüngerschaft des Herrn zu bilden, im Auge behalten."

Vollversammlung beginnt am Montag

Ab Montag treffen sich die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda. Eins der zentralen Themen wird die Vorbereitung des Reformprozesses sein, der zwischen den katholischen Bischöfen und Vertretern der katholischen Laien verabredet wurde.

Offiziell soll der "synodale Weg" am 1. Advent beginnen. In vier Synodalforen werden Kleriker und Laien über Reformen bei den Themen Machtmissbrauch, priesterliche Lebensformen und Zölibat, Sexualmoral und Aufgaben von Frauen in der katholischen Kirche diskutieren.

(KNA)

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