Maria 2.0 in Münster: Andrea Temming (kfd), Adelheid Kellinghaus (Maria 2.0), Lisa Kötter (Maria 2.0), Judith Everding (kfd)
Maria 2.0 in Münster: Andrea Temming (kfd), Adelheid Kellinghaus (Maria 2.0), Lisa Kötter (Maria 2.0), Judith Everding (kfd)

21.09.2019

Maria 2.0 plant Menschenkette um den Kölner Dom "Steht auf, schweigt nicht"

Die Protestbewegung Maria 2.0 plant am Sonntag eine Menschenkette um den Kölner Dom unter dem Motto "Steht auf, schweigt nicht". Organisatorin Ute Hücker erläutert die Hintergründe und die Forderungen der Bewegung.

DOMRADIO.DE: Sollen sich denn nur Frauen einreihen am Sonntag?

Ute Hücker (Sprecherin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB)): Nein, da sollen sich nicht nur Frauen einreihen. Es wäre schön, wenn Frauen aller Generationen da wären. Aber wir freuen uns natürlich auch über Männer. Es geht ja in unserer Zielrichtung darum, sich für eine partnerschaftliche Kirche einzusetzen, die in der Zukunft Bestand hat. Und zu einer partnerschaftlichen Kirche gehören Männer und Frauen.

DOMRADIO.DE: Wie viele Leute sind nötig, um den Kölner Dom zu umschließen?

Hücker: Wir brauchen 460 Menschen, gerne aber mehr.

DOMRADIO.DE: Ist das Ganze eigentlich eine Unteraktion im Rahmen von Maria 2.0? Oder etwas Eigenes?

Hücker: Die Initiative Maria 2.0, die die Münsteraner Frauen gestartet haben, finden wir gut. Wir finden es gut, wenn Frauen ihre Forderungen so zur Sprache bringen. Das, was seither in ganz vielen Gemeinden und Verbänden passiert, ist gut und richtig. Das unterstützt der KDFB genau so. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter und sagen: "Maria, schweige nicht!" Wir wollen nicht schweigen. Maria soll sagen, was sie denkt und uns inspirieren zu dem, was wir öffentlich fordern.

DOMRADIO.DE: Es kann ja auch nicht im Interesse von Frauen sein, dass sie weniger Rechte haben in der Kirche. Sehen das aber alle so?

Hücker: Es gibt Frauen, die gut miteinander kooperieren können. Und es gibt Frauen, die sich auch gegenüberstehen, wo man auch erst mal keine gemeinsamen Berührungspunkte sieht. Da findet auch ein gegenseitiges kritisches Beäugen statt, ohne vielleicht genau zu wissen, wo die Differenzen und das Gemeinsame liegen. Der ursprüngliche Anlass von Maria 2.0 war ja der Missbrauchsskandal, der Missbrauch an Kindern, Jugendlichen und Ordensfrauen. Da wird Aufklärung gefordert. Wir fordern aber auch, dass kirchliche Strukturen überdacht und verändert werden. Dass Reformen notwendig sind, um unsere Kirche glaubwürdig und zukunftsfähig zu machen. Wir haben nicht den Eindruck, dass das klappen kann, wenn sich nichts verändert.

Deshalb: Frauen tut den Mund auf. Sagt, was euch weh tut. Sagt, wo ihr die Reformen wünscht. Sagt, wo ihr euch gerne beteiligen möchtet. Maria 2.0 und "Maria schweige nicht" sind keine Protestbewegungen in dem Sinne, dass die Gruppierungen radikale Schnitte wollen. Frauen sind Kirche. Frauen sind ein ganz lebendiger Teil dieser Kirche. Und Frauen wollen gerne auch mit Männern Veränderungen herbeiführen. Das ist kein Frauenproblem, es ist ein Kirchenproblem.

DOMRADIO.DE: Es hat am vergangenen Sonntag unter der Überschrift "Pontifex" rund um den Kölner Dom eine Gebetsaktion von rund 400 Leuten gegeben. Die wollten damit deutlich machen, es sei eben nicht Konsens, nach Weiheämtern für Frauen zu rufen. Sind das Ihre Kontrahentinnen?

Hücker: Pontifex ist eine Gruppe, in der auch junge Männer mit dabei sind. Es handelt sich insgesamt um jüngere Leute. Bei Maria 2.0 und auch "Maria schweige nicht" kommen Frauen zusammen, die schon älter sind. Das sind Frauen aus der Generation "Zweites Vatikanisches Konzil" und deren Töchter. Das unterscheidet uns einmal vom Alter her. Aber es ist auch so, dass die Forderung nach dem Zugang zu den Ämtern nicht die einzige Forderung ist.

Es geht ja um Reformen insgesamt. Wir fordern auch, dass sich die Sexualmoral verändert, dass neu auf die Lebenswirklichkeiten geguckt wird. Genauso bitten wir darum, dass über priesterliche Lebensformen gesprochen wird. Es ist nicht so, dass jetzt alle Frauen Priesterin werden wollen. Aber sich berufen zu fühlen, das geschieht bei Frauen und bei Männern. Und beide müssten die Möglichkeit haben, dieser Berufung zu folgen. Ob sie es tun, ist ein anderes Kapitel.

DOMRADIO.DE: Wird da auch mal gestritten unter den Gruppen?

Hücker: Wir wussten bis vor kurzem nicht, dass es Pontifex gibt. Und wir haben daher auch bislang keinen Kontakt aufgenommen. Umgekehrt aber auch nicht. Ich glaube, dass es im Moment so ist, dass sich die Gruppierungen mit ihren Positionen erst einmal finden und auch in der Öffentlichkeit darstellen, um einfach auch deutlich zu machen: Gottes grüne Wiese ist groß und da haben viele Platz. Und es ist erlaubt, in die eine Richtung zu denken und in die andere. Genau wie auf einer großen Wiese auch kleine Schafe und große Schafe sind. Und zwischendurch schwirren da noch ein paar Bienen herum.

DOMRADIO.DE: Einen Tag nach Ihrer Menschenkette treffen sich die Bischöfe ja in Fulda zur Vollversammlung. Wollen Sie denen etwas mit auf den Weg geben?

Hücker: Ich möchte die Bischöfe ermuntern, mutige Schritte für Veränderungen zu gehen. Ich möchte Sie ermuntern, dies im Dialog mit Frauen zu tun. Es erwartet niemand jetzt Alleingänge. Das widerspricht auch dem umfassenden Gedanken von "katholisch sein". Ich möchte gerne, dass das, was sich an der Basis tut, egal in welche Richtung, ernst genommen wird. Dass Frauen ernst genommen werden.

Viele auch gerade ältere Frauen leiden an dieser Situation. Sie haben das Gefühl, für alles gerne herhalten zu dürfen. Aber wenn es darum geht, wirkliche wichtige Aufgaben zu übernehmen, dann fühlen sie sich als Mensch zweiter Klasse. Ich möchte, dass dieses Denken in der Kirche keinen Platz mehr hat.

Als Getaufte und Gefirmte sind wir Söhne und Töchter Gottes. Als Abbild Gottes schuf er sie. Und ich möchte, dass dieser Gedanke sich durchzieht. Natürlich darf es unterschiedliche Ansichten geben. Aber ich möchte, dass unsere Kirche sich bewegt. Wir haben Stillstand gehabt. Das tut auch gut, sich mal auszuruhen. Aber irgendwann muss man wieder losgehen, sonst gehen andere an uns vorbei. Und vor allen Dingen gehen ganz viele von uns weg. Und das wäre fatal.

DOMRADIO.DE: Die Kette bildet sich am Sonntag um fünf nach zwölf. Was ist das denn für eine Uhrzeit?

Hücker: Oftmals heißt es, es ist fünf vor zwölf. Für uns ist es schon fünf nach zwölf, aber noch ganz nah an zwölf. Und deswegen möchten wir zu dieser Uhrzeit zusammenkommen, sagen, warum wir uns engagieren und miteinander ins Gespräch kommen. Und wer möchte, kann auch gerne mit einem weißen Schal oder Accessoire kommen. Weiß als Zeichen der Taufgnade, die allen in gleicher Weise verliehen ist. Und dann wäre es schön, wenn wir so zusammen sind und sagen können: "Ja es bewegt sich etwas und wir können Kirche bewegen."

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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