Reformdebatten: Kirche auf dem Weg
Symbolbild Kirche auf dem Weg
Erzbischof Hans-Josef Becker
Erzbischof Hans-Josef Becker
Auch Hanke hält viel von Jogis Jungs
Bischof Gregor Maria Hanke

18.09.2019

Bischöfe warnen vor Spaltung der katholischen Kirche "Die jeweils andere Seite hören und ernst nehmen"

Noch hat der "Synodale Weg" nicht richtig begonnen. Doch sowohl der Paderborner Erzbischof Becker als auch der Eichstätter Bischof Hanke rufen bereits dazu auf, bei dem geplanten Reformprozess die Einheit der Kirche zu wahren.

Die Kirche in Deutschland stehe vor großen Herausforderungen, die sie nur gemeinsam und in enger Verbindung mit Gott bestehen könne. "Ohne den aufrichtigen Willen zum Zusammenhalt laufen wir Gefahr, für die Zukunft mehr zu verlieren als zu gewinnen", betonte das Oberhaupt der rund 1,5 Millionen Katholiken im Erzbistum Paderborn an diesem Mittwoch.

Es sei nicht akzeptabel, "anderen das Katholisch-Sein oder gar den Glauben abzusprechen", mahnte Hans-Josef Becker. Er rief dazu auf, "stets die jeweils andere Seite zu hören und ernst zu nehmen, ob die des Bischofs oder die einer engagierten Verbandsvorsitzenden". Keine Perspektive dürfe außer Acht gelassen werden. Der Erzbischof zeigte sich zuversichtlich, dass der anstehende Reformprozess einen guten Verlauf nimmt. Dazu brauche es Mut und gegenseitiges Vertrauen.

"Synodaler Weg" angestoßen

Unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals haben die deutschen katholischen Bischöfe im Frühjahr einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Erneuerung der Kirche angestoßen. Der Startschuss für die Reformgespräche soll im Dezember fallen. Themen des Dialogprozesses sind Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. Kritiker argumentieren, die berührten Fragen könnten nur auf weltkirchlicher Ebene entschieden werden.

Zuletzt hatte auch der Vatikan den deutschen Dialogprozess beanstandet. Der "synodale Weg" müsse "im Einklang mit der Weltkirche beschritten werden", heißt es in einem Brief des Leiters der vatikanischen Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

Bischof Hanke: Im "synodalen Weg" die Einheit wahren

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat unterdessen davor gewarnt, in der anstehenden Reformdebatte die Einheit der Kirche aufs Spiel zu setzen. In einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit der "Eichstätter Kirchenzeitung" sagte Hanke, der "rege Briefverkehr der letzten Tage" zwischen Rom und der Deutschen Bischofskonferenz lege nahe, dass es in einigen Punkten "Klärungsbedarf" gebe.

Nun gelte es, sich mit den aus Rom vorgetragenen Bedenken hinsichtlich der Satzung des "synodalen Wegs" auseinanderzusetzen.

Der Bischof sagte, für ihn selbst sei auch noch nicht ersichtlich, welche Verbindlichkeit den Diskussions- und Beschlussinhalten zukommen solle. Wenn nun betont werde, die Beschlüsse des "synodalen Wegs" könnten keinen Bischof und Bistum rechtlich binden, der "synodale Weg" müsse aber zu verbindlichen Ergebnissen führen, so erscheine ihm das problematisch. "Das könnte zu massiven Enttäuschungen und Verwerfungen führen." Offene Fragen gebe es etwa, wie die Kirche in Deutschland mit Beratungsergebnissen oder Voten umgehen werde, die der kirchlichen Lehre zuwiderliefen.

In Strukturfragen gefangen

"Es gibt berechtigte Skepsis, ob dieser synodale Weg, wie er sich jetzt abzeichnet, wirklich ein geistliches Ergebnis bringen wird, denn wir sind doch sehr in Strukturfragen gefangen", sagte Hanke.

Gefordert sei zunächst einmal die Bereitschaft, aufeinander zu hören und die Anliegen des anderen ernst zu nehmen. "Sonst kommt man bei dieser Divergenz an Positionierungen nicht weiter und das Ganze wird ein rein politischer Prozess, in dem Mehrheiten die Minderheiten nur noch blockieren." Käme dies so, dann wäre "jeder Euro Kirchensteuer rausgeworfenes Geld".

Unbestritten sei unter den deutschen Bischöfen, dass nach der Studie zu sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörigen es kein "Weiter so" geben könne und ein Dialog notwendig sei. Allerdings sei in Deutschland sehr schnell der Fokus auf Strukturänderungen gelegt worden. Andere Ortskirchen, etwa Australien, befänden sich in ähnlichen Aufarbeitungsprozessen, setzten aber ganz andere Akzente.

Hanke fügte hinzu, er habe diese Vorbehalte auch bei der jüngsten Zusammenkunft in Fulda zum Ausdruck gebracht. Der Eichstätter Bischof gehört einem der vier Foren an, die den "synodalen Weg" vorbereiten, und befasst sich dort mit Fragen zu "Macht, Partizipation und Gewaltenteilung".

 

(KNA)

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